Verwirrung um die 40,5 Grad

Ein Kommentar zum „vermeintlichen“ Hitzerekord

Björn Alexander, Meteorologe von Wetter.de
Björn Alexander, Meteorologe von Wetter.de © RTL Living

Kommentar von Björn Alexander zum Hitzerekord von 40,5 Grad am 25.07.2019

Es ist Mittwochabend und genau wie viele andere Meteorologinnen und Meteorologen hocke auch ich nach 20 Uhr am Rechner und bestaune die Höchstwerte des Tages. Warum nach 20 Uhr? Weil um diese Zeit alle Meldungen der Höchstwerte des Tages einlaufen. Das gilt vor allem für das offizielle Messnetz des Deutschen Wetterdienstes, der bei uns für die amtlichen Rekordmeldungen zuständig ist. Und das ist im Prinzip auch gut so. 

Standards sind Pflicht

Denn die Rekordjagd muss auf vergleichbarem Niveau und nach einheitlichen Standards passieren. Die Grundlage ist eine genormte und zertifizierte Wetterstation. Die haben private Wetterstationen ebenfalls und das ist natürlich die Minimumanforderung. Aber auch die Umgebung spielt eine große Rolle. Das gilt in erster Linie für den Nahraum: Messhöhe zwei Meter im Schatten und auf einem nicht zu betonierten Bereich. 

Und diese Standards sollten für alle Stationen gelten, die in das Messnetz des DWD einfließen. Zumindest sollte man das erwarten können. Wieso sollte man denn ansonsten die 35 Grad in Geilenkirchen vom Dienstag glauben und wieso sollte man denn irgendeinen anderen Messwert glauben, der aus dem offiziellen Messnetz verkündet wird. Wie kann ein Nicht-Fachmann erkennen, dass das eine Bundeswehr-Messstation ist, die mit ihren Daten irgendwie zwar korrekt ist, irgendwie aber auch nicht.​

Damals war ich gerade 11 Jahre

Das wäre vielleicht anders, wenn es wie im Jahr 1983 wäre. Damals, am 27. Juli 1983, vermeldete der Geophysikalischen Messzug der Bundeswehr erstmalig in Deutschland eine Höchsttemperatur von über 40 Grad. Ein absolutes Novum. Bis dahin galt die 40 Grad in unseren Breiten nämlich als nahezu unmöglich. Nachträglich bestätigte der DWD diese Messung von 40,2 Grad in Gärmersdorf bei Amberg. 

Damals war ich gerade 11 Jahre und insofern kann ich den damaligen Verlauf der Meldung nicht beschreiben.​

Erst ist es ein vorläufiger Rekord

Heute sind die Dinge aber auf jeden Fall anders. Ein amtliches Messnetz sollte meines Erachtens Messwerte zur Verfügung stellen, die immer belastbar sind. Sonst bleibt die Glaubwürdigkeit definitiv auf der Strecke. 
Selbiges gilt natürlich auch für den Umgang mit den Rekorden. Erst ist es ein vorläufiger Rekord, der dann über unterschiedliche mediale Kanäle doch als wahr verkündet wird und der anschließend dann doch wieder überprüft werden muss. Welch ein Durcheinander.

Die Krone setzt dem Ganzen die Tatsache auf, dass wir die 40,5 Grad heute wahrscheinlich bereits wieder überbieten und dass die offizielle Beurteilung der Güte der Messung insofern wahrscheinlich zu einem Zeitpunkt kommt, an dem der Wert als deutschlandweit Allzeit-Rekord-Temperatur gar nicht mehr herhalten muss.