Ein Gewittertag nach dem nächsten, ist das normal oder ungewöhnlich?

Jetzt reicht’s - was ist da los mit dem Gewitterwetter?

Eine so lang anhaltende instabile Gewitterlage wie in den letzten Tagen und Wochen ist schon sehr ungewöhnlich. Zumal es in diesem Jahr überhaupt keinen Wonnemonat Mai gegeben hat und auch der klimatologische Sommeranfang (1.6.) keine wirkliche Wende einleitete. Ganz im Gegenteil: fast kein Tag verging ohne Gewitter! Wir haben mal bei unserem Wetterexperten Christian Häckl nachgefragt, was da beim Sommer-Wetter nicht stimmt:

Ein Gewittertag nach dem nächsten, ist das normal oder ungewöhnlich? Wie kommt das dieses Jahr zustande?

"Das liegt an diesen insgesamt sehr stabilen Großwetterlagen. Fast den ganzen Mai über versorgte uns Polarluft mit nasskaltem Aprilwetter, ohne das nennenswert als Ausgleich wärmere Phasen gegeben hat.

Jetzt haben sich Hoch und Tief verschoben, die Winde kommen großräumig aus dem Süden und bringen zum einen sehr heiße Luft aus Nordafrika über die Alpen. Auf der anderen Seite schickt ein Tief über Frankreich kühle Atlantikluft in den Westen Deutschlands. Da sich auch diese Wetterlage jetzt erstmal nicht ändert, liegt die explosive Grenze zwischen schwülheiß und lauwarm genau über Deutschland. Es entstehen quasi im 24-Stunden-Takt Unwettertiefs, die von Süddeutschland nach Norden ziehen.

Und als Faustregel gilt: liegen die Unterschiede bei den Höchsttemperaturen über 15 Grad,  also wie am Dienstag z.B. Berlin 33 Grad, Saarland und Oberrhein kaum 18 Grad, ist das Unwetterpotenzial, insbesondere durch Hagel und schwere Sturmböen immer sehr hoch. Geht der Unterschied in Richtung 20 (wie damals am 10.7.2002, Köln 15 Grad und Berlin 35 Grad), dann kommt es zu ganz extremen Unwettern (Sonnenschirme fliegen durch Berlin)."

Wann ist denn eine Beruhigung in Sicht und ab wann können wir uns auf turbulenzfreieres Sommerwetter freuen?

"Diese Unwetterlage geht (mit kurzen Unterbrechungen) bis einschließlich Samstag weiter, bis Mittwoch erwarten wir jeweils nachmittags und abends weiterhin verbreitet kräftige Gewitter, auch wieder mit einzelnen Superzellen, vor allem im schwülheißen Südosten.

Donnerstag wird es kurz mal ruhiger, am Freitag kommt nochmal ein Schub sehr heißer Saharaluft mit jeder Menge Saharastaub zu uns. Die Höchstwerte liegen dann verbreitet um die 30 bis 33 Grad. Und wenn die dann verdrängt wird, kracht es in der Nacht zu Samstag und am Samstag selbst nochmal richtig, ehe die Unwettergefahr und die Hitze am Sonntag deutlich zurückgeht.

In der nächsten Woche sieht es dann nach weniger schweren Gewittern aus. Und mit ein bisschen Glück kriegen wir recht einheitliches Sommerwetter im ganzen Land bei 23 bis knapp 30 Grad. Nur Richtung Küste bleibt es kühler bei Werten um 20 Grad."