E-Bike: Warum sich ein Fahrsicherheitstraining lohnt

E-Biken muss gelernt sein!
E-Biken muss gelernt sein! Fahrsicherheitstraining lohnt sich 01:29

Ist E-Bike fahren schwerer?

Wachsende Gefahr im Straßenverkehr durch E-Bikes? Meldungen über verunglückte E-Bike-Fahrer häufen sich. Oft geschehen sie ohne Fremdeinwirkung. Ist das E-Bike schwerer beherrschbar als ein normales Fahrrad? Fehlen vielen E-Bike-Fahrern grundlegenden Radfahrkenntnissen? Dies sind in der Tat – neben der unzureichenden Infrastruktur – zwei der Hauptprobleme.

Hersteller bieten Trainings an

Rennrad Wintertraining Trainer Peter Zaun
Trainer Peter Zaun: Man muss wissen, wie sich das Rad in welcher Situation verhält. © RTL.de

Mittlerweile bieten Hersteller, Verkäufer und Fahrradclubs Fahrsicherheitstrainings an. Doch was bringen die? Sind die sinnvoll? Ja, meint Radfahrtrainer Peter Zaun vom Projekt „Von 0 auf 60“, der schon seit Jahren Fahrsicherheitstrainings gibt. „Ich halte es immer dann für sinnvoll, wenn Leute wenig mit dem Rad gefahren sind bisher. Das Problem ist im Augenblick die Situation, dass viele Leute denken, dass sie mit dem E-Bike wieder ans Radfahren kommen“, sagt Zaun.

RTL.de hat eines seiner Trainings besucht. Organisiert von der Radsportgemeinschaft Ford, die Fahrräder stellt der Kölner Traditionshändler Prumbaum, seit 92 Jahren im Geschäft und mittlerweile auf E-Bikes spezialisiert.

Zaun hat nahe der großen Lagerhalle von Prumbaum in Köln-Dellbrück einen kleinen Parcour aufgebaut. Er will den Teilnehmern die wichtigsten Grundlagen in der Praxis vermitteln, die größten Teils unerfahrenen E-Bike-Fahrer für die Gefahren, die in alltäglichen Situationen lauern, sensibilisieren. Und darüber hinaus für die Fahreigenschaften eines motorisierten Fahrrades. „Es reagiert halt anders als ein normales Rad“, erklärt er. Deshalb sei es wichtig, genau zu wissen, „wie man damit umgeht, was für einen Wendekreis hat so ein Rad, was für einen Bremsweg hat so ein Rad.“

Konrolle ist das A und O - nicht nur auf dem E-Bike

Fahrversuche mit dem Pedelec
Übung macht den Meister: Manche Händler bieten Kurse an, um Kunden auf das Fahren mit einem Pedelec vorzubereiten. © deutsche presse agentur

Es geht um Kontrolle, Kontrolle über das Rad und Kontrolle über die Situation. Das lässt sich am besten erfahren, wenn man langsam fährt. Einen Großteil seiner Stabilität erhält ein Fahrrad durch das Tempo – das ist ganz einfach ein physikalisches Phänomen. Je langsamer man fährt, desto schwieriger ist es. Oder wie eine Teilnehmerin sagt: „Das Fahren ist nicht das Problem, aber das Anhalten.“

Und genau da setzt Zaun mit seinen Übungen an. Eine Fahrt über nur wenige Meter, so langsam wie möglich, wobei es darum geht, komplett Herr über Rad und Situation zu sein, sich auf das schwankende Rad einzulassen, es mit Gewichtsverlagerung und Druck auf dem Pedal zu kontrollieren. Auch durch gezieltes Einsetzen der Bremsen: Man bremst leicht – idealerweise vorne – und arbeitet mit dem Tritt gegen die Bremswirkung. Denn auch durch mehr Kraft steigt die Kontrolle.

Kleine Übungen für die Sicherheit

Ein unterschätztes Problem beim E-Bike ist eben, dass ich leicht auf ein hohes Tempo komme, und dabei vergesse, dass ich genauso schnell wieder zum Stehen kommen sollte. Und zwar, ohne dass die Räder beim Bremsen blockieren. Sobald sie blockieren, steht das Rad nicht mehr unter der Kontrolle des Fahrers. Richtungswechsel und Ausweichen sind nicht mehr möglich. „Wenn ich bremsen muss, sollte ich wissen wie mein Rad reagiert“, erklärt Zaun.

Diese und andere kleine Übungen – zum Beispiel Slalom fahren, ohne große Lenkbewegungen, sondern durch Gewichtsverlagerung, stehen bleiben ohne den Fuß auf den Boden zu setzen und dann sofort wieder anzufahren – machen einen nicht über Nacht zu einem geübten E-Bike-Fahrer, aber sie sind ein sehr gutes Hilfsmittel. Es empfiehlt sich, diese Übungen ab und an zu wiederholen, denn sie schulen das Essenzielle des Radfahrens: Körpergefühl, Gleichgewicht und somit die Kontrolle. Jeder Radfahrer kann in der Hektik des alltäglichen Verkehrs in unvorhergesehene, unangenehme Situationen kommen. Wenn man die beschriebenen Dinge beherzigt, hat man das Handwerkszeug, Herr dieser Situationen zu bleiben.

Ein unsicherer und ungeübter E-Bike-Fahrer gefährdet nicht nur sich selbst

Denn letztlich gefährdet ein ungeübter E-Bike-Fahrer nicht nur sich selbst. Er gefährdet auch alle Verkehrsteilnehmer um sich herum. Dies ist eines der Risiken im deutschen Straßenverkehr, das unbedingt minimiert werden muss, und hier ist der E-Bike-Fahrer selbst gefragt. Er ist dafür verantwortlich, dass er sein Rad angemessen unter Kontrolle hat und ein entsprechendes Tempo fährt.