Alster am Oberlauf trocken gefallen

Grundwasserspiegel in Deutschland sinkt – was müssen wir tun?

von Oliver Scheel

Es ist nicht der erste Sommer, der unserem Grundwasser enorm zusetzt. 2018 und 2019 waren schon enorme Dürrejahre und generell verstärkt sich der Trend zu sehr trockenen Sommern in Zeiten der Klimakrise. Bei hohen Temperaturen verdunstet zudem mehr Wasser und wir versiegeln Jahr für Jahr große Flächen. Das Wasser, das über die versiegelten Flächen in die Kanalisation gelangt, ist für unser Grundwasser verloren. Im Frühjahr 2022 zeigten Satellitendaten, dass Deutschland in den vergangenen 20 Jahren 2,5 Milliarden Kubikmeter Wasser pro Jahr aus Böden, Vegetation, Gewässern und Grundwasser verloren hat – insgesamt etwa so viel wie die Wassermenge des Bodensees. Damit ist Deutschland eine der Weltregionen mit dem höchsten Wasserverlust. Was also können wir tun?

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Versiegelung, Hitze und fehlender Regen - der Dreiklang des Grauens

Extreme Trockenheit - Das Fluß?bett ist nach der Alsterquelle ?ber mehrere hundert Meter v?llig ausgetrocknet 13.08.2022 Henstedt-Ulzburg / Schleswig-Holstein Man kann trockenen Fußes durch das Flussbett laufen
Das ist die Alster an ihrem Oberlauf - der Fluss ist nur noch ein matschiger Schlamm.

Der trockene Hitzesommer treibt immer seltsamere Blüten. Jetzt ist auf mehreren Hundert Metern der Lauf der Alster kurz nach der Quelle bei Henstedt-Ulzburg in Schleswig-Holstein ausgetrocknet. Das Bachbett ist nur noch ein matschiger Schlamm. Auf dem Rhein können die Schiffe nur noch mit geringer Ladung fahren, es droht sogar am Flaschenhals bei Kaub in Rheinland-Pfalz ein Fahrverbot.

Und dazu haben wir das Problem, dass in vielen Regionen Deutschlands der Grundwasserspiegel absinkt. Das kann nicht nur unsere Wasserversorgung beeinträchtigen, sondern es kann zu einem großflächigen Absterben von Wäldern und Auen kommen. Wie können wir das verhindern? Auf was müssen wir uns einstellen?

Wir wir mit Schwammstädten die Städte entlasten und Wasser besser nutzen können

Diese Lösungsansätze gibt es:

„Zentral- und Westeuropa ist eine der Weltregionen, die mit zunehmender globaler Erwärmung vermehrt von Bodenwasser- und Grundwassertrockenheit betroffen sein wird. Dieses erhöhte Dürrerisiko ist vor allem auf die zunehmende Verdunstung über Pflanzen und Böden zurückzuführen, die mit steigenden Temperaturen und stärkerer Strahlung zunimmt“, erklärte Sonia Seneviratne von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich die Situation, in der wir uns befinden.

Aber wir können viel tun:

  • Kein Trinkwasser für die Bewässerung verwenden
  • Reservoirs aufbauen, die mehr Regenwasser speichern
  • Die Landwirtschaft sollte nur abends wässern – und das am besten mit Tröpfchenbewässerung, hier können wir von Südeuropa lernen
  • Wenn wir mehr Erneuerbare Energien haben, brauchen wir weniger Kühlwasser für Kraftwerke
  • Abwasser aus Waschbecken kann für Toiletten ein weiteres Mal genutzt werden. Man nennt eine Mehrfachnutzung des Wassers auch Kaskadennutzung. So wird aus Trinkwasser Brauchwasser, das immer noch in der Landwirtschaft genutzt werden kann
  • Wenn wir auf Fleisch verzichten, würde das zu einer großen Einsparung von Wasser führen. „Für die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch werden circa 15.000 Liter Wasser benötigt. Das ist mehr als das 100-fache des durchschnittlichen täglichen Wasserbedarfs von circa 125 Litern pro Person, die ein Haushalt aus der Leitung bezieht", so Claudia Pahl-Wostl von der Universität Osnabrück
  • Wir müssen Flächen entsiegeln und Dächer begrünen, um mehr Wasser versickern lassen zu können (Stichwort Schwammstadt). Der massenhaften Versiegelung muss Einhalt geboten werden. Täglich verlieren wir 60 Hektar, die zu Verkehrsflächen werden
  • Moore und Flussauen müssen renaturiert werden
  • Urwälder speichern mehr Wasser als forstwirtschaftliche Wälder

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(osc)