Droht nach dem milden Winter nun eine Schneckenplage?

Droht nach dem milden Winter nun eine Schneckenplage?
Ist eine Schneckenplage in diesem Jahr zu befürchten? © dpa, Karl-Josef Hildenbrand

Müssen wir in diesem Jahr mit einer Schädlingsplage rechnen?

Der Glaube, dass ein milder Winter eine Schädlingsplage nach sich zieht, ist weit verbreitet, allerdings auch falsch. Viele Schädlinge vertragen strengen Frost sogar gut. Entscheidend dafür, wie sich die Populationen von Läusen, Schnecken und Co. entwickeln, sei eher das Wetter im Frühjahr und Frühsommer. Den meisten heimischen Arten schade mildes und feuchtes Winterwetter mehr als Frost, sagt Claudia Willmer von der Abteilung Pflanzenbau, Pflanzenschutz und Umwelt der Landwirtschaftskammer.

Die gefräßigen Nacktschnecken, die vor allem Hobbygärtnern das Leben schwer machen, könnten in diesem Jahr weniger zu einem Problem werden. Zwar wurden hier die Populationen kaum dezimiert, aber das trockene Wetter der vergangenen Tage ist nach Angaben der Landwirtschaftskammer ungünstig für die Tiere, so dass Gemüse und Zierpflanzen bislang von Nacktschnecken weitgehend verschont geblieben sind.

Auch für Zecken war das Jahr bislang eher schlecht. "In Norddeutschland ist es derzeit trocken und windig, beides mögen Zecken gar nicht", sagt der Parasitologe Franz-Rainer Matuschka von der Hochschulambulanz der Universität Potsdam. Für ihre Verbreitung benötigten die blutsaugenden Parasiten neben günstigen Umweltbedingungen und einem geeigneten Lebensraum vor allem einen Wirt für die Zeckenweibchen, zum Beispiel Katzen. "Das Wetter hat schon einen Einfluss auf die Zeckenpopulation, aber der ist so komplex, dass er bisher nicht vollständig entschlüsselt worden ist", so Matuschka.

Droht nach dem milden Winter nun eine Schneckenplage?
marienkäfer sind in diesem Jahr früh aktiv © picture alliance / dpa, Peter Steffen

Ob der Winter kalt oder mild ist, spielt auch für Mücken keine Rolle. "Die Vorstellung, dass, wenn es richtig kalt ist, dann die Mücken tot sind, ist Quatsch", sagt der Virologe und Mücken-Experte Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Die Mücken-Eier hätten kein Problem, minus 20 Grad zu überdauern. Wärme in Kombination mit Feuchtigkeit fördere dagegen die Vermehrung. Wenn es aber im April oder Mai noch mal einen richtigen Kälteeinbruch gebe, "dann wäre das ein kleiner Genickbruch für die Viecher", sagt Schmidt-Chanasit.

"Für die Schädlingsentwicklung spielen neben dem Winterwetter noch andere Faktoren eine Rolle. Es kommt auch auf das Ausgangspotenzial an, das im letzten Herbst in den Winter gegangen ist, und auch auf die Witterungsbedingungen im folgenden Frühjahr", erklärt Claudia Willmer.

Probleme haben Landwirte allerdings schon jetzt mit Feldmäusen: "Nach dem milden Winter gibt es auf Grünlandflächen und in frühen Ackerbaukulturen einen starken Befall." Auch die Borkenkäfer haben den milden Winter zwar überlebt. "Aber es gab im vergangenen Jahr relativ wenige, da 2014 für die Käfer zu feucht und zu warm war", erklärt Jens Bosse, Sachgebietsleiter Waldbau und Waldschutz der schleswig-holsteinischen Landesforste. "Wie stark sie sich jetzt vermehren, hängt vom Wetter der nächsten Wochen ab - und davon, wie viel Brutmaterial vorhanden ist."

Das Problem sei weniger der milde Winter als die Folgen von Sturm 'Niklas', der viele Bäume zu Fall gebracht habe. Wenn die Temperaturen im April mehrere Tage hintereinander über zwölf Grad Celsius liegen, schwärmen die Käfer aus, bohren sich durch die Rinde ihrer Wirtsbäume und legen dort Brutgänge für ihre Nachkommen an. Dadurch werden die Saftbahnen unterbrochen und die Bäume sterben ab.

Auch die Blattläuse haben den Winter offenbar gut überstanden. "An Obstbäumen gibt es aktuell zwar mehr Blattlaus-Eier als in den Vorjahren", so Willmer, doch auch bei diesen Schädlingen spiele das Wetter im Frühjahr und Frühsommer eine große Rolle: "Ein Kälteeinbruch oder eine längere Regenperiode kann die Blattläuse auch wieder dezimieren. Außerdem sind auch die Marienkäfer als Gegenspieler der Läuse früh aktiv."