Droht eine neue Flut im Osten?

Flut: Sachsen räumt auf
Hochwasser: das große Aufräumen hat begonnen © dpa, Hendrik Schmidt

Bürger haben Angst vor Diebstahl

Diesmal ist Brandenburg beim Hochwasser mit einem blauen Auge davongekommen. Doch von Entwarnung kann noch keine Rede sein: Für die Nacht zum Freitag sind große Regenmassen angekündigt.

An Oder und Neiße könnten innerhalb von zwölf Stunden 30 bis 60 Liter Regen pro Quadratmeter fallen, bei Weißwasser und Bad Muskau in Sachsen sogar mehr als 100 Liter. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Prognose zutreffe, betrage derzeit etwa 30 Prozent, so der Meteorologe Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst.

Sachsens Umweltminister Frank Kupfer (CDU) sagte, punktgenaue Vorhersagen gebe es zunächst nicht. "Dennoch bitte ich alle Bewohner und die Verantwortlichen der Kommunen in den betroffenen Gebieten, sich ständig über die aktuelle Situation zu informieren und rechtzeitig entsprechende Vorsorge zu treffen."

In Sachsen schreiten die Aufräumarbeiten derweil voran, doch die Bürger kämpfen dabei schon mit dem nächsten Problem: Viele Häuser stehen zum Trocknen offen, daher haben die Bewohner Angst vor Diebstählen. Die Polizei hat deswegen ihre Präsenz vorbeugend erhöht.

Das ganze Ausmaß der Flut wird allmählich deutlich. Allein im Landkreis Görlitz entstanden nach ersten Schätzungen Schäden von mehr als 50 Millionen Euro an Straßen, Brücken und öffentlichen Gebäuden.

Sachsen will EU-Gelder

Sachsen kündigte an, für die Beseitigung der Hochwasserschäden EU-Gelder in Anspruch nehmen zu wollen. Um entsprechende Förderrichtlinien der Europäischen Union zu erfüllen, soll das Dreiländereck von Sachsen, Polen und Tschechien als gemeinsames Schadensgebiet deklariert werden, erläuterte Tillich bei einem Besuch in Chemnitz.

Außerdem beschloss die sächsische Regierung zwei Darlehensprogramme für die Opfer des Hochwassers. Das Land nimmt 10 Millionen Euro in die Hand, um damit Kreditzinsen niedrig zu halten. Innenminister Markus Ulbig (CDU) geht davon aus, dass damit mehr als 100 Millionen Euro an Darlehen abgerufen und zur Beseitigung von Flutschäden eingesetzt werden können. Die Programme richten sich an Privatleute, Unternehmen und Kommunen.

Das Hochwasser hat die Arbeit in vielen Firmen zum Erliegen gebracht. Dass es schnell weitergeht, ist dort viel wichtiger als die Auflistung der Schäden. Christian Ulbricht, Geschäftsführer einer Firma für Nahrungsgütertechnik, schätzt, dass das Wasser in seinem Unternehmen einen Schaden von 75.000 bis 100.000 Euro angerichtet hat. Sachsens Ministerpräsident versprach aber, dass das Wirtschaftsministerium auf geschädigte Betriebe zukommt. Da es weniger Betroffene gebe als 2002 bei der Jahrhundertflut, könne man sich das diesmal leisten.