Droht der Erde eine "Heißzeit"? Globale Erwärmung könnte Dominoeffekt auslösen

Anhaltende Dürre
Anhaltende Dürre Droht der Erde nun eine Heißzeit? 01:52

"Heißzeit" könnte Meeresspiegel um 60 Meter erhöhen

Die globale Erwärmung auf lange Sicht bei 1,5 bis 2 Gard zu stoppen, könnte schwieriger sein als bisher angenommen. Selbst bei Umsetzung der im Pariser Abkommen festgelegten Pläne bleibt ein Risiko, dass der Planet durch verschiedene Rückkopplungsprozesse in einen Zustand gerät, den die Forscher als "Hothouse Earth" bezeichnen. Eine solche Heißzeit würde 4 bis 5 Grad höhere Temperaturen bedeuten. Der  Meeresspiegel um 10 bis 60 Meter ansteigen, zu diesem Schluss kommt ein internationales Team von Wissenschaftlern in einer neuen Studie, berichtet das "Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)". 

Es sind nicht nur die Treibhausgase, die unseren Planeten erwärmen, es könnte so etwas wie ein Dominoeffekt eintreten. Die vom Menschen verursachte Erwärmung von 2 Grad könnte weitere Prozesse erst in Gang setzen. Diese wiederum könnten die Erwärmung noch weiter vorantreiben – selbst wenn wir aufhörten, Treibhausgase auszustoßen, so der Leitautor Will Steffen von der Australian National University (ANU) und dem Stockholm Resilience Centre (SRC).

ARCHIV - Die NASA-Aufnahme zeigt die westliche Hemisphäre der Erdkugel (Archivfoto von 2006). Foto: NASA/dpa (zu dpa «EU-Parlament macht Weg frei für Weltklimavertrag» vom 04.10.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Derzeit liegt die globale Durchschnittstemperatur bereits um gut 1 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau und steigt etwa 0,17 Grad pro Jahrzehnt an. © dpa, NASA Goddard Space Flight Center, sab_ lof tba jai

Die Gefahren kommen geballt - die Folgen sind dramatisch

Die Autoren der Studie betrachten zehn natürliche Rückkopplungsprozesse, von denen einige mit den sogenannten Kippelementen im Erdsystem verknüpft sind. Durch das Überschreiten kritischer Schwellen könnte die Erde fundamental anders werden.

- Kohlenstoffspeicher könnten sich in Kohlenstoffquellen verwandeln, die in einer entsprechend wärmeren Welt unkontrolliert Emissionen freisetzen würden.

- Der Permafrost könnte tauen. Die Folge: Noch mehr Treibhausgase, die die Erde erwärmen.

- Es könnte zu einer zunehmende bakteriellen Atmung in den Ozeanen kommen.

- Der Amazonas-Regenwald sowie der borealen Wälder könnten absterben.

- Die Schneedecke auf der Nordhalbkugel könnte kleiner werden.

- Arktisches und antarktisches Meereis und die großen Eisschilde könnten schrumpfen.

Klimawandel: Die Erde heizt sich auf
Klimawandel: Die Erde heizt sich auf Umfangreiche Daten der NASA als Animation 00:55

Treibhausgase aus der Industrie bringen das Erdsystem ins Wanken

Diese Folgen der Erwärmung wirken wie Dominosteine. Wird einer von ihnen gekippt, schiebt dieses Element die Erde auf einen weiteren Kipppunkt zu. Es könnte sehr schwierig oder sogar unmöglich sein, die ganze Reihe von Dominosteinen davon abzuhalten, umzukippen. Manche Orte auf der Erde könnten unbewohnbar werden, wenn die "Heißzeit" Realität würde, erklärt Johan Rockström, Direktor des Stockholm Resilience Centre und designierter Ko-Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.

Das Dramatische ist, dass laut der Forscher das Ganze unhaufhaltsam sein könnte.  "Was wir derzeit noch nicht wissen, ist, ob das Klimasystem sicher bei etwa 2 Grad über dem vorindustriellen Niveau geparkt werden kann, wie es das Pariser Abkommen vorsieht. Oder ob es, einmal so weit angestoßen, weiter abrutschen würde in ein dauerhaftes Supertreibhaus-Klima." 

Die Reduktion von Treibhausgasen allein reicht nicht aus

Um die Chancen zur Vermeidung einer "Heißzeit" zu verbessern, brauche es nicht nur eine entschlossene Minderung von Kohlendioxid- und anderen Treibhausgasemissionen. Auch erweiterte biologische Kohlenstoffspeicher, etwa durch ein verbessertes Wald-, Landwirtschafts- und Bodenmanagement, oder die Erhaltung der biologischen Vielfalt sowie Technologien, um der Atmosphäre Kohlendioxid zu entziehen und unterirdisch zu speichern, können eine wichtige Rolle spielen, so die Autoren. Entscheidend sei jedoch, dass diese Maßnahmen auch durch grundlegende gesellschaftliche Veränderungen gestützt werden.