Weiteren Hinweis für Leben entdeckt

DNA-Bausteine auf der Venus - gibt es jetzt ein Leben auf diesem Planeten?

This artistic impression depicts the planet Venus, where scientists have confirmed the detection of phosphine molecules. ESO/M. Kornmesser & NASA/JPL/Caltech via REUTERS.  NO RESALES. NO ARCHIVES. THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY.
Dieses Bild zeigt den Planeten Venus, auf dem Wissenschaftler den Nachweis von Phosphinmolekülen bestätigt haben. © via REUTERS, ESO/NASA, CLH/

Glycin - Baustein des DNA-Erbguts neu entdeckt

Erneut sorgen Forscher mit weiteren Hinweisen für Leben auf der Venus für Aufsehen. Es ist nach der Entdeckung von Monophosphan bereits der zweite Hinweis dafür. Und dieser hat es in sich, denn es könnte sich um Glycin handeln, welches ein Baustein des DNA-Erbgutes ist. Es ist die kleinste Aminosäure und ein Element von Proteinen. Bereits zuvor war Monophosphan in der Venus-Atmosphäre entdeckt worden. Doch niederländische Wissenschaftler haben Bedenken und glauben an einen Messfehler. Bis wir jedoch genaueres über mögliches Leben auf der Venus erfahren, wird es wohl noch etwas dauern.

Mehr Wissen über die Erde auf der Venus?

ARCHIV - 01.01.2017, ---: HANDOUT - Blick auf die Venus (undatiertes Handout). (Zu dpa
In der Nähe des Äquators der Venus fanden die Forscher die Aminosäure Glycin. © dpa, JPL, lof wst axs jol

Die Forscher verwendeten das Das Radioteleskop, Alma (Atacama Large Millimeter / Submillimeter Array), um Glycin in der Venusatmosphäre nachzuweisen und fanden es in den mittleren Breitengraden in der Nähe des Äquators. Dort war das Signal am stärksten. In ihrer Studie sagen die Autoren, dass es sich um einen Schlüssel handeln könne, wie sich die Erde vor Milliarden von Jahren gebildet habe: „Die obere Atmosphäre der Venus durchläuft möglicherweise fast dieselben biologischen Prozesse wie die Erde vor Milliarden von Jahren.“ 

Forscher suchen nach einer Erklärung

Das wäre eine Sensation, denn noch immer ist der Wissenschaft nicht eindeutig klar, wie das Leben auf der Erde entstanden ist. Auch das erst kürzlich gefundene Monophosphan wurde in den mittleren Breiten der Venus gefunden und kann eine Biosignatur sein wie es sie auf der Erde ist. 

Zwar kann das Gas auch chemisch erzeugt werden wie es auf Jupiter und Saturn geschieht, doch benötigt das Unmengen an Energie. Diese Energie kann die Venus jedoch nicht erzeugen. 

Entsprechend vorsichtig waren die Entdecker des Monophosphans auch mit ihren Formulierungen hinsichtlich einer außerirdischen Lebensform auf der Venus. Vielmehr baten sie andere Wissenschaftler um Hilfe, die riesige Menge des Gases auf der Venus zu erklären: „Jetzt werden Astronomen über alle Möglichkeiten nachdenken, die Existenz von Monophosphan auch ohne Leben zu belegen. Bitte tun Sie das, denn wir sind am Ende unserer Möglichkeiten, abiotische Prozesse aufzuzeigen, wie Monophosphan entstehen kann.“

Niederländische Forscher glauben an Messfehler

This artistic impression depicts the planet Venus, where scientists have confirmed the detection of phosphine molecules, a representation of which is shown in the inset. The molecules were detected in the Venusian high clouds in data from the James C
Niederländische Wissenschaftler bezweifeln den Fund von Monophosphan in der Venusatmosphäre. © via REUTERS, ESO/NASA, CLH/

Niederländische Forscher meldeten sich nachdem sie selber Untersuchungen angestellt hatten und stellten die Forschungsergebnisse über den Fund von Monophosphan in Frage. Die Wissenschaftler um Ignas Snellen an der Universität Leiden (südwestlich von Amsterdam) untersuchte die Daten ein weiteres Mal und stellten fest, dass es sich eventuell sogar um einen Messfehler gehandelt haben könne. Sie veröffentlichten ihre Gedanken in der Fachzeitschrift Astronomy&Astrophysics. Demnach weise das Gas nur auf bisher noch unbekannte geologische oder chemische Prozesse hin.

Lebensfeindliche Venus

ARCHIV - Der Planet Venus (als schwarzer Punkt im Bild) durchläuft am Dienstag (08.06.2004) über Kuala Lumpur eine Bahn zwischen Sonne und Erde. Am Mittwoch (05.06.) in den frühen Morgenstunden lässt sich ein sehr seltenes Himmelsschauspiel beobachte
Venus vor der Sonne. Dieses Bild verdeutlicht die Größenverhältnisse. © dpa, epa Ahmad Yusni

Die Venus ist zum größten Teil lebensfeindlich. Die Atmosphäre ist sauer, die Temperatur ist mit rund 400 Grad heiß genug, um Raumfahrzeuge zum Schmelzen zu bringen, hinzu kommt der größere atmosphärische Druck. Letzterer ist mit dem Druck in gut 910 Metern Meerestiefe auf der Erde zu vergleichen. 

Aber hoch in den Wolken, zwischen etwa 50 und 60 Kilometern über der Oberfläche, ist die Temperatur nicht so tödlich. In dieser Höhe liegt die Temperaturspanne zwischen -1  und 93 Grad. Zwar wird das noch sehr kontrovers diskutiert, aber einige Wissenschaftler glauben, dass eine Art einfaches Leben dort überleben könnte. Ein Grund dafür ist, dass Monophosphan sehr schnell abgebaut wird und deshalb fortwährend reproduziert werden muss, um nachgewiesen werden zu können. Mögliches Leben in dieser Höhe könnte  also die Quelle für das Gas sein.

Geplante Missionen zur Venus

 Logo der Nasa vor Kennedy Space Center, Weltraumbahnhof, hinten Rakete, Cape Canaveral, Merritt Island, Florida *** Nasa logo in front of Kennedy Space Center, spaceport, rocket in the back, Cape Canaveral, Merritt Island, Florida Copyright: imageBR
Für die Nasa könnte die Venus wieder mehr Priorität genießen, als die Jahre zuvor. © imago images/imagebroker, imageBROKER/Marc Rasmus via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Ob es wirklich Leben auf der Venus gibt, werden wir so schnell nicht genau erfahren. Es erfordert eine Raumsonde, die in die Erdatmosphäre der Venus eindringt und Aufklärung bringt. Mehrere Raumfahrtbehörden planen eine Mission. An vorderster Front Russland, die sich die Venuserkundung auf die Fahnen geschrieben haben. Mit Venera D planen sie an ihre berühmten Venera-Missionen aus den 60er-, 70er- und 80er-Jahren anzuknüpfen. Der Start für diese Venus-Landemission ist allerdings für frühestens 2025 angesetzt.

Etwas früher startet – im Jahr 2022 – die Europäische Raumfahrtbehörde, ESA, die Jupitersonde Juice, die ein Swing-By-Manöver an der Venus machen soll. Auch die Nasa überlegt im Rahmen ihres Discovery-Programms eine Sonde zur Venus zu schicken. Bisher war das auf der Prioritätenliste jedoch nicht weit oben angesiedelt. Die Entdeckung von möglichem Leben in der Venusatmosphäre dürfte das womöglich geändert haben.

Die Venus als Göttin der antiken Mythologie

Oftmals regte die Venus die Fantasie von Malern wie den Franzosen Alexandre Cabanel (1823 – 1889) an.
Oftmals regte die Venus die Fantasie von Malern wie den Franzosen Alexandre Cabanel (1823 – 1889) an. © DPA

In der Antike galt die römische Göttin Venus, als die Göttin der Liebe, der Erotik und der Schönheit. Nach ihr wurde der Planet Venus auch benannt. Seit dem 4. Jahrhundert wurde Venus mit der griechischen Göttin Aphrodite (Schutzherrin der Liebe, Schönheit, Begierde, Sexualität und Fortpflanzung). Die Venus gilt als Stammmutter der Römer und wurde am 1. April mit einem Fest gefeiert.

Nach der Göttin Venus wurde auch der Freitag benannt. Der lateinische Name „Veneris Dies“ lässt darauf schließen. Im Italienischen heißt der Freitag „Venerdi“, im Französischen „Vendredi“ und im Spanischen „Viernes“. Da die Germanen die Göttin Venus mit ihrer Göttin Freija (auch Frigg) gleichsetzten entstand im Deutschen der „Freitag“.

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