Felssturz kann jederzeit kommen

Die Zeitbombe von Kandersteg in der Schweiz: Leben unter dem bröckelnden Berg

Die Bergflanke mit dem Spitzen Stein rutscht

Bildrechte: Gemeinde Kandersteg
Der Felssturz in Kandersteg kann jederzeit kommen

Es ist ein mulmiges Gefühl in einem Ort zu leben, der jederzeit von einem verheerenden Felssturz begraben werden kann. Was sich nach einem Science-Fiction-Film anhört, ist in Kandersteg Realität. Über dem kleinen Schweizer Ort im Berner Oberland steht der „Spitze Stein“, eine riesige Felsnase. Aber sie steht auf einem losen Grund – Millionen Tonnen Gestein drohen abzurutschen.

Millionen Tonnen Gestein liegen lose über dem Ort

Der Fels wird 24 Stunden am Tag überwacht. Es ist mittlerweile nicht mehr wirklich die Frage, ob der Bergsturz kommt, sondern wann. „Wenn wir aufgrund der Bewegungen im Fels sehen, dass wir noch ein oder zwei Tage Zeit haben für Evakuierungen, das gibt der Bevölkerung natürlich Sicherheit. Dass wir nicht plötzlich mit einem Berg- oder Murenabgang rechnen müssen“, sagte Urs Weibel, der Gemeinderatspräsident von Kandersteg dem TV-Sender „Tele Bärn“.

Der Rückgang des Permafrosts im Zuge der Klimaerwärmung lässt den Berg ins Rutschen geraten. Der Boden erwärmt sich, die Festigkeit des Untergrunds nimmt ab. Dann kann mehr Wasser in den Fels eindringen und das bringt ihn ins Rutschen.

Bildrechte: Gemeinde Kandersteg
Der Spitze Stein wird abbrechen - nur wann?

Horrorszenarien für die Bevölkerung

Die Rede ist von 20 Millionen Kubikmeter Fels und Geröll. Wenn das runterkommt, ist nicht nur Kandersteg Geschichte, sondern das ganze Tal rund um den beliebten Oeschinensee. Selbst wenn nur geringe Mengen Gestein ins Tal rutschen, die Kandersteg verschonen, wird wahrscheinlich der Oeschibach aufgestaut werden. Und dieses Wasser könnte sich dann als Flutwelle über Kandersteg ergießen.

Bergsturz von Bondo 2017 in Graubünden in der Schweiz. Auch hier war tauender Permafrost für die Felssprengung verantwortlich.
Bergsturz von Bondo 2017 in Graubünden in der Schweiz. Auch hier war tauender Permafrost für die Felssprengung verantwortlich.

Kein Einzelfall - Tauender Permafrost ein großes Problem für die Alpen

Erinnerungen werden wach an den verheerenden Felssturz von Bondo. Im August 2017 hatten sich Tausende Tonnen Gestein vom Piz Cengalo gelöst und waren ins Tal gedonnert. Das Dorf Bondo war den Gesteinsmassen hilflos ausgeliefert, acht Menschen kamen ums Leben.

Verheerender Bergsturz in Bondo

Bondo: Gefahr von weiteren Bergstürzen nicht gebannt

„20 Millionen Kubikmeter, die Gefahr ist so gesehen noch größer als in Bondo“, aber die geologische Ausgangssituation in Kandersteg sei eine andere, so der Geologe Kaspar Graf zu dem TV-Sender. Denn der Fels rutscht schon, eine richtige Sprengung wie in Bondo vor drei Jahren ist deshalb nicht sehr wahrscheinlich.

Dennoch: Der Klimawandel hat die Alpen erreicht und damit auch die Heimat von Millionen Menschen. Und schnell wird der Klimawandel auch wirtschaftlich messbar. Denn die Grundstücke im Tal haben schon an Wert verloren. Wer kauft sich jetzt noch ein Stück Land, wenn es nur ein Frage der Zeit ist, bis ein Felssturz das Tal verändert?

Permafrost verändert sich: gibt es bald mehr Felsstürze?

Unser Wetter-Lexikon: Das ist Permafrostboden

Permafrost auf der Zugspitze bis 2080 verschwunden