RTL-Reporter Andreas Langheim erinnert sich

Die Tücken der Zeitumstellung: Wie man in Griechenland wahnsinnig werden kann!

ARCHIV - 04.03.2019, Bayern, Kempten: Der Zeiger eines Weckers steht auf zwei Uhr. In Deutschland geht am Wochenende die Sommerzeit zu Ende. Pünktlich um 3.00 Uhr werden am 25. Oktober 2020 die Uhren um eine Stunde auf 2.00 Uhr zurückgestellt. Dann g
Die Zeitumstellung kann ganz schön tückisch sein: In den Zeiten vor Smartphones war das aber noch deutlicher, wie sich RTL-Reporter Andreas Langheim erinnert. © dpa, Karl-Josef Hildenbrand, bsc

RTL-Reporter im Kampf mit der Zeitumstellung

Taxi zu früh oder zu spät? Griechenland-Urlauber wissen: Hier ist es eine Stunde später als in Deutschland. Stellen die Griechen auch um auf Winterzeit? Und was, wenn man ausgerechnet am Tag nach der Zeitumstellung zurückfliegen muss? Für wann das Taxi bestellen? Auf welche Zeit den Wecker stellen? RTL-Reporter Andreas Langheim stand vor diesen Fragen und wäre um ein Haar verrückt geworden.

Mittagsstunde um 11 Uhr

Kirchturmuhr
Wanderer sollten sich von verschiedenen Uhrzeiten wie am Kirchturm von Vouves/Kreta nicht aus der Ruhe bringen lassen. Die Uhren gehen einfach nicht! Schon deshalb können sie auch nicht falsch gehen, wie der unerfahrene Tourist denken könnte: Falsches Gehen setzt „Gehen“ voraus. Die vor geraumer Zeit stehengebliebenen Turmuhren zeigen sogar jede für sich zweimal täglich exakt die richtige Zeit an: Der südlich ausgerichtete Zeitmesser am Turm von Vouves stimmt früh morgens gegen fünf und spät nachmittags gegen 17 Uhr so genau, dass zu diesen Zeitpunkten ein jeder danach bedenkenlos seine Uhr einstellen kann. Verpasst man diesen Moment, wartet man in Griechenland einfach, in diesem Fall nur zwei Stunden. Dann zeigt nämlich die östlich weisende Turmuhr gegen sieben Uhr morgens und 19 Uhr am Abend, was die Stunde schlägt. © Andreas Langheim

Jeder Griechenland-Tourist weiß: Im Land der Götter ticken die Uhren anders. Irgendwie scheinen die Hellenen mehr Zeit zu haben als unsereins, der sich gern ein bisschen dieser Zeit neben Olivenöl und Honig in den Koffer packen würde, bevor es wieder ins nasskalte Deutschland zurückgeht. Dabei haben die Griechen objektiv weniger Zeit, was man schon bei der Ankunft merkt: Während wir erst 11 Uhr haben, läuten griechische Glocken schon zur Mittagsstunde, sobald man aus dem Flieger steigt, hat man schon wegen der Zeitverschiebung eine Stunde wertvolle Urlaubszeit verloren.

Zeitgleichung schafft Abhilfe - oder?

Freundlicherweise hatte man mich in meinen Reiseunterlagen darauf aufmerksam gemacht, dass Griechenland eine andere Zeitzone hat als Deutschland, und dass man seine Uhr um eine Stunde vorstellen sollte: 

Deutsche Zeit + 1 Stunde = Griech. Zeit

Diese Zeitgleichung lässt sich ohne den Satz des Pythagoras auch nach der deutschen Zeit auflösen. Es kann einem helfen, wenn man sich aus Griechenland wieder Richtung Heimat wegbewegt. Dann gilt:

Ziehe auf beiden Seiten der Gleichung eine Stunde ab:

Deutsche Zeit + 1 Stunde - 1 Stunde = Griech. Zeit - 1 Stunde 

Oder: Deutsche Zeit = Griech. Zeit - 1 Stunde

Oder: Griech. Zeit - 1 Stunde = Deutsche Zeit

Daraus folgt: Griech. Sommerzeit - 1 Stunde = Deutsche Sommerzeit

Mir war das zu kompliziert und auch zu umständlich: Wieso sollte ich meine alte analoge Armbanduhr umstellen, wenn ich sie am Ende des Urlaubs wieder zurückstellen müsste? Zudem hatte ich ein schönes Ritual entwickelt, um mir selbst etwas mehr Unabhängigkeit von der teutonischen Zeittaktung zu suggerieren: Immer legte ich als erstes meine Uhr in die Schublade des Nachtschränkchens, nachdem ich meinen Koffer in der kleinen Pension abgestellt hatte. Und meist konnte ich die Uhrzeit schon nach wenigen entspannenden Urlaubstagen am Meer auf plus/minus 15 Minuten richtig einschätzen.

Abflug ausgerechnet zum Ende der Sommerzeit

Panik am Taxistand.
Panik am Taxistand. © Andreas Langheim

Als sich unwiderruflich, unvermeidbar und ungewollt der Tag der Abreise näherte, fiel mir ein, was in den Reiseunterlagen stand: Man solle möglichst 2 Stunden vor dem Abflug am Flughafen sein. Was nicht in den Reiseunterlagen stand und mir zum Verhängnis werden sollte: Auch die Griechen würden am letzten Oktober-Wochenende von Sommer- auf Winterzeit umstellen, ihre Uhren also - mit Ausnahme einiger Kirchturmuhren - um eine Stunde zurückstellen. Und mein Abflug war genau an diesem letzten Oktober-Sonntag, nachdem also die Uhren nachts um 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt worden waren. 

In Mathematik war ich meist Klassenbester, und so sollte mir diese Zeitumstellung keine Probleme bereiten - sollte man meinen! Planmäßig vorgesehen war der Rückflug für 11 Uhr Ortszeit, mithin also 11 Uhr griechischer Winterzeit, die ja nun mit der deutschen Sommerzeit identisch war.

Mathematisch lässt sich das einfach zeigen:

Griech. Sommerzeit - 1 Std. = Griech. Winterzeit = Deutsche Sommerzeit (s.o.)

Um keinen Stress am Airport zu kriegen, bestellte ich Tags zuvor das Taxi für 8 Uhr. Bei einer halben Stunde Fahrt, so rechnete ich großzügig, verblieben mir noch zweieinhalb Stunden, genügend Zeit also, um im Duty-Free-Shop Dinge zu kaufen, die man spätestens nach der Landung bereut, weil einem da klar wird, dass man die Flaschen Wein, Ouzo und Olivenöl ja neben seinem Koffer und „Handgepäck“ auch noch schleppen muss.

Meinen deutschen Reisewecker mit der griechischen Sommerzeit hatte ich mir am Abend vor meiner Abreise auf 7 Uhr gestellt, der Koffer war gepackt, was sollte noch schief gehen?

Es war nur eine Kleinigkeit, die ich übersehen hatte, besser gesagt, die ich nicht bedacht hatte: Die Tatsache, dass in der Nacht die Uhren umgestellt wurden. Mir war also mit Klingeln des Weckers pünktlich um sieben gar nicht klar, wie spät es wirklich war. Ich erinnere mich nur noch, dass ich nach Duschen und Frühstück ca. eine Stunde später wie verabredet am Taxi-Stand eintraf, dort aber weit und breit kein Taxi zu sehen war! Normalerweise standen hier morgens immer alle drei Dorf-Taxen! 

„Ich bin Opfer der Zeitverschiebung geworden!"

Ich merkte leichte Panik, weil auch niemand außer mir hier am Taxistand wartete, und sofort wurde mir klar: Die heute abreisenden Touristen sind schon alle abgereist, weshalb auch kein Taxi mehr da ist! Ich bin Opfer der Zeitverschiebung geworden! Hätte ich doch bloß meine Armbanduhr auf die griechische Zeit um eine Stunde vorgestellt, dann wäre ich jetzt pünktlich gewesen! Und das, wo doch alle Taxi-Fahrer so zuverlässig sind! Was war geschehen?   

Ich schaute auf die Kirchturmuhr: Sie zeigte auf der mir zugewandten Seite 10 Uhr an. Ich dachte: „Kann nicht sein, dann müssten hier ja lauter Leute rumlaufen!“ Die Uhr muss kaputt sein. Ich schaute auf meine Armbanduhr: Sie zeigte inzwischen zehn Minuten nach Sieben! In Gedanken rechnete ich um auf die griechische Zeit und befand: „8 Uhr 10, jetzt kannst Du geh‘n !“

Überflüssig zu sagen, dass der gesamte Ort noch schlief inklusive der Taxifahrer und der abreisenden Touristen, die ich in meiner Panik schon allesamt am Check-in-Schalter wähnte. Denn es war ja - wenige Stunden nach der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit - gerade mal aktuell erst 7 Uhr gewesen.

Von Stress keine Spur: Taxifahrer trinken erst einmal Kaffee

Scheinbar haben Katzen alle Zeit der Welt. Griechische Katzen haben auch anscheinend alle Zeit der Welt.
Scheinbar haben Katzen alle Zeit der Welt. Griechische Katzen haben auch anscheinend alle Zeit der Welt. © Andreas Langheim

Zu meinem Glück kam etwas später (gefühlt eine halbe Ewigkeit) ein Taxi um die Ecke gebogen, und ich erkannte Adonis, der sogar Deutsch spricht, weil er im Winter in Nürnberg als Busfahrer arbeitet. Gemächlich rangierte er seine silberfarbene Droschke rückwärts in den Taxistand, und ich wäre fast wahnsinnig geworden. Statt mich schleunigst zum Airport zu katapultieren, grüßte er freundlich mit einem klaren „kalimera!“, holte ein Fensterleder raus und fing an, die Scheiben vom Staub zu befreien. 

Ich versuchte mich zu beherrschen, zwang mich innerlich um äußere Ruhe und fragte ihn, ob er mich vielleicht zum Flughafen bringen könne. Adonis wischte weiter und meinte: „Klar kann ich das machen. Ich trinke noch erst einen Kaffee, willst Du auch einen?“ - „Adonis!“ flehte ich fast, „ich hab‘ mich mit der Zeit vertan! Ich bin eine Stunde zu spät!“Adonis ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. „Du fliegst doch mit der 11-Uhr-LTU nach Düsseldorf. Was willst Du denn schon drei Stunden vorher am Flughafen? Der ist doch noch geschlossen.“

In dem Moment bog Pantelis mit seinem frisch gewaschenen Taxi um die Ecke, rangierte ebenfalls in aller Ruhe rückwärts, stieg mit einem freundlichen „kalimera“ aus und orderte im Café direkt nebenan wie zuvor Adonis auch einen Kaffee. „Du bist heute aber früh auf den Beinen,“ scherzte er mit einem typischen Augenzwinkern. Du hast wohl nicht die Zeit umgestellt.“„Nein“, sagte ich rat- und verständnislos, „nein, ich habe die Zeit nicht umgestellt. Wie spät ist es denn jetzt?“ Die Taxifahrer mussten nicht mal auf die Uhr sehen. „Gleich halb acht.“ Ich schaute auf meine Armbanduhr und traute meinen Augen nicht: 7 Uhr 25, gleich halb acht.“

Wenn aus vermeintlichem Stress drei Stunden werden

Adonis hatte für mich einen Kaffee mitbestellt. Den brauchte ich jetzt. Ich wischte mir den Schweiß von der Stirn, legte meine Kappe ab, die sich eine verspielte Katze schnappte. 

Allmählich begriff ich, was wirklich passiert ist, was nur scheinbar in meiner Vorstellung passiert war, und dass anscheinend die verflixte Zeitumstellung erheblichen Stress verursachen kann, selbst wenn einem wie bei der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit eine Stunde geschenkt wird. Was heißt hier eine? Jetzt hatte ich noch gut drei Stunden bis zum Abflug!