Von Kyrill bis zum Capella-Orkan

Die schlimmsten Wetter-Kapriolen im Januar

Vom Orkan
Orkanböen schlugen Schneisen der Verwüstung durch unsere Wälder. Über 10 Milliarden Euro betrugen die Schäden durch Orkan "Kyrill" am 18. und 19. Januar 2007. © deutsche presse agentur

Der Januar ist ein sehr wetterintensiver Monat. Das zeigen uns schon alleine die Temperaturen, die zwischen unter minus 30 bis knapp 20 Grad plus liegen können. Und da sind dann auch schon einmal extreme Sturm- und Orkanlagen dabei. Vorneweg "Kyrill“ oder "Friederike“. Gigantische Schneemengen und Lawinenabgänge machen den Januar komplett. Hier einige der schlimmsten Januar-Kapriolen im Überblick.

"Kyrill“

Wir blicken ins Jahr 2007. Bereits zum Wochenbeginn am Montag, 15.Januar lassen die Wetterkarten nichts Gutes erahnen. Auf der anderen Seite des Atlantiks bei Neufundland hat sich ein Tief gebildet, das uns als ausgewachsener Orkan in den nächsten Tagen treffen wird. Unter extremer Verstärkung donnert "Kyrill“ über den Atlantik und legt am 18. und 19. Januar viele Teile des öffentlichen Lebens in Mitteleuropa lahm und sorgte für eine Schneise der Verwüstung mit Schäden von Nordirland bis nach Weißrussland, Russland und in die Ukraine. Die höchsten Windgeschwindigkeiten lagen dabei jenseits der 200 km/h. Am Aletschgletscher werden sogar Böen bis 225km/h vermeldet. 

Insgesamt sterben 47 Menschen durch den Orkan. Die Schäden werden auf über 10 Milliarden Euro geschätzt. Ein großer Teil davon in Deutschland. Hunderttausende Haushalte waren europaweit ohne Strom.

"Kyrill“ ist damit  der schlimmste Orkan, der uns seit „Lothar“ im Dezember 1999 getroffen hat.

Eine Frau geht am frühen Freitagmorgen (19.01.2007) in Westerland auf Sylt über die Promenade während die Brandung gegen die Uferböschung schlägt. Das Orkantief
Orkan "Kyrill" trifft mit voller Wucht auf unsere Küsten - wie hier am frühen Freitagmorgen des 19. Januar 2007. © dpa, A2836 Carsten Rehder

"Friederike“

Genau 11 Jahre nach Kyrill fegte am 18.Januar 2018 Orkantief "Friederike" über Deutschland hinweg. Im Vergleich zu „Kyrill“ war „Friederike“ zwar wesentlich kleiner. Dennoch traf der Orkan gerade die Mitte unseres Landes mindestens ebenso heftig. So vermeldete der Brocken im Oberharz die stärkste Böe mit 204km/h. Und auch das Flachland bekam teils volle Orkanstärke bis über Tempo 140. Dadurch fielen 10 Menschen "Friederike“ zum Opfer. Der versicherte Schaden bewegt sich bei rund 1 Milliarde Euro.

Mehr zu  "Friederike“ und "Kyrill" finden Sie hier.

Orkan Friederike wütet über Deutschland: Ein Umgestürzter Lkw auf der A71 in Richtung Schweinfurt zwischen AS Bindersleben und Erfurter Kreuz.
Besonders heftig tobte "Friederike" über der Mitte Deutschlands mit Orkanböen bis ins Flachland. © imago/Steve Bauerschmidt, Steve Bauerschmidt, imago stock&people

Schnee und Lawinen - 1951, 1954 und 2019

Dass sich beim Lawinenschutz seit dem Lawinenwinter 1999 mit der Katastrophe in Galltür viel getan hat, sieht man, wenn man vor den riesigen Schutzwällen steht, die dort im hinteren Paznauntal seitdem aufgebaut wurden. Das zeigen auch die Vergleiche der Opferzahlen in den letzten Jahrzehnten. Besonders schlimm war es beispielsweise in den Jahren 1951 und 1954. Heftige Schneestürme und große Temperaturschwankungen sorgten im Alpenraum für über 1000 Schadlawinen, denen alles in allem über 500 Menschen zum Opfer fielen.

Heftige Schneefälle brachte ebenfalls der Januar 2019. Im Nordstau der Alpen sind aufsummiert teilweise über 10 Meter Neuschnee gefallen. Eine unglaubliche Schneemenge, die nur mittels der aktuellen Methoden der Lawinendienste vor Ort in den Griff zu bekommen war. Nämlich mit Hilfe von Überflügen mit entsprechenden Sprengungen der Schneebretter, um so gezielte Abgänge auszulösen und eine Entspannung zu schaffen.

Doch nicht nur die Alpen haben schneereiche Januare und Winter erlebt. Auch im Norden Deutschlands gab es zum Teil katastrophale Verhältnisse. Zum Beispiel im Jahrhundertwinter 1978/1979 mit dem Höhepunkt der Schneekatastrophe in Schleswig-Holstein.

Wie sich die Bergretter in den Lawinengefährlichen Zeiten selbst in Lebensgefahr bringen, um anderen Menschen aus der Not zu helfen, können Sie in der spannenden TV-Now-Dokumentation: "Die Lebensretter - Einsatz in den Alpen" verfolgen.

 14.01.2019, Österreich, Mariazell: Einsatzkräfte befreien ein Dach in Mariazell von der Schneelast. Seit dem 05. Januar standen bisher rund 3.700 Feuerwehrleute in der Steiermark im schneebedingten Hilfseinsatz.
Januar 2019 - vor allem in Österreich hatten die zumeist freiwilligen Einsatzkräfte alle Hände voll zu tun, um den Schneemassen Herr zu werden. © dpa, Franz Fink, mtf pat

Heftige Sturmfluten - „Axel“ und der Capella-Orkan

Es ist der 04. Januar 2017, als Sturmtief „Axel“ über Nordeuropa zieht. Dabei sorgt „Axel“ bei uns einerseits für Schneefälle. Andererseits drückt der Sturm das Wasser der Ostsee massiv an die Küste und löst das schlimmste Sturmhochwasser seit dem November 2006 aus. Dämme und Küsten werden überspült, dahinter stehende Autos werden gleich reihenweise unter Wasser gesetzt. In Lübeck erreicht das Mittelhochwasser fast 1,80 Meter über Normal. In Wismar sind es sogar 1,83 Meter. Hier lesen Sie mehr dazu.

Für die bisher höchste Sturmflut an nahezu allen Pegeln der deutschen Nordseeküste müssen wir dagegen noch einige Jahre weiter zurück blicken. Am 03. und 04. Januar 1976 zur ersten Januarflut zum sogenannten Capella-Orkan. Einer der stärksten Orkane des 20.Jahrhunderts mit über 80 Todesopfern. Zahlreiche Deiche hielten dem Orkan damals nicht Stand und die Sturmfluten waren dementsprechend extrem. Am Nachmittag und Abend erreichten die Hochwasserspitzen beispielsweise in Hamburg/St.Pauli 6,45 Meter über Normal Null, also über Meeres-Niveau. Büsum vermeldete 5,16 Meter über Normal, Cuxhaven 5,10 Meter, Husum 5,66 Meter. 

Doch damit war im Januar 1976 noch nicht Schluss. Am 21.Januar folgte die zweite Januarflut, beispielsweise gab es in Bremerhaven nochmals 4,91 Meter über Normal und in Cuxhaven 4,70 Meter.

Ein mit Schnee bedecktes Auto steht am 04.01.2017 in Wismar (Mecklenburg-Vorpommern) im Hochwasser.
Schnee bedeckte die Autos, die Sturmflut setzte sie unter Wasser. Sturmtief "Axel" löste das schlimmste Sturmhochwasser seit dem November 2006 aus. © dpa, Jens Büttner, jbu hjb

Aus den Geschichtschroniken - Die Marcellusfluten

Wesentlich verheerender sind den Geschichtsbüchern nach manche Fluten im Mittelalter verlaufen. Die Opferzahlen schwanken zum Teil zwar erheblich. Dennoch muss man gerade bei den zwei Marcellusfluten von deutlich mehr als 100.000 Opfern ausgehen. 

Die erste Marcellusflut traf Mitte Januar 1219 besonders die niederländische Küste und das Elbegebiet. Noch schlimmer muss demnach die zweite Marcellusflut vom 15. bis zum 17.Januar 1362 verlaufen sein. Dabei sind über 30 Dörfer untergegangen. Zahlreiche Landstriche wurden überschwemmt und ganze Küstenlinien änderten sich. Selbst die höchsten Deiche wurden damals durch die stürmische See mehr als 2 Meter überschritten und mehr als 20 Deichbrüche soll es seinerzeit gegeben haben. Unwetter mit Auswirkungen wie man sie sich heute kaum vorstellen kann. Sicherlich auch durch den modernen Küsten- und Hochwasserschutz.

Ein Deichbruch überflutet am 11.06.2013 das Dorf Fischbeck (Sachsen-Anhalt).
Deichbrüche gibt es heutzutage natürlich auch noch. Allerdings sind die deutlich seltener als in früheren Jahrhunderten. © dpa, Marius Becker

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