Die Schafskälte kommt - vor der ersten großen Hitze?

Nach einer kalten Nacht wärmen sich am Sonntag (10.04.2011) zwei Lämmer und ihr Mutterschaf am Deich im schleswig-holsteinischen Schlüttsiel in der Morgensonne. Die Höchstwerte am Sonntag sollen 18 Grad erreichen, Regen wird nicht erwartet. Foto: Car
Viel Sonne oder doch Regen und Kälte? Was macht das Wetter zur Schafskälte 2020? © dpa, Carsten Rehder

Die Schafskälte kommt

Am 4. Juni beginnt offiziell die Schafskälte, also in der Woche nach Pfingsten. Tatsächlich gibt es nach dem Ultrakurzsommer mit bis zu 30 Grad in der zweiten Wochenhälfte den Absturz mit dem Durchgang einer Kaltfront - am Beispiel Hamburg schön zu sehen. Hier sind es besonders die Tiefsttemperaturen im einstelligen Bereich, die schwer nach Schafskälte aussehen. In freien Lagen und auf dem Land könnte es sogar noch einmal Frost geben.

42 Tage Trend Hamburg
Der 42-Tage-Trend für Hamburg: Gleich zwei Kälteeinbrüche im Juni sehen nach einem Fall von Schafskälte aus.

Schafskälte, Teil 2

Der nächste Absturz kommt dann nach den aktuellen Berechnungen Mitte Juni. Am Beispiel Hamburg geht's runter auf unter 15 Grad tagsüber, die Nachtwerte sinken auf 10 Grad. Der Tiefpunkt der kalten Phase ist dann auch kurz vorm Ende der offiziellen Schafskälte am 25. Juni erreicht. Als Ausgleich wird's danach richtig heiß.

Mehr Wetter-Infos über den Juni 2020 finden Sie in unserem 30- Tage-Trend.

Was ist die Schafskälte eigentlich?

Diese meteorologische Singularität tritt mit einer hohen Wahrscheinlichkeit (80 %) jedes Jahr zwischen dem 4. und 25. Juni auf. Besonders häufig ist das Eintreffen (Wahrscheinlichkeit 89%) der Schafskälte um den 11. Juni herum. Den Namen „Schafskälte“ hat dieses Phänomen deshalb bekommen, weil die Hirten zum Ende des Frühjahrs ihre Schafe scheren. Bei einem Kälterückfall stehen die Schafe ohne schützende Wolle da. Bei besonders niedrigen Temperaturen ist die Situation für die Tiere sogar durchaus lebensbedrohlich.

Bei einer gut ausgeprägten Schafskälte ist die Temperatur im Vergleich zum langjährigen Mittel etwa 4 Grad kühler, das würde Tageshöchsttemperaturen von 8 Grad in den Bergen bis 18 Grad im Süden bedeuten.

Eine vom Regen nasse Rose blüht am 19.06.2015 im Blücherpark in Köln (Nordrhein-Westfalen). Auch zum kalendarischen Sommmeranfang am 21.06.2015 soll das Wetter kühl und regnerisch bleiben. Foto: Henning Kaiser/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Für die Sommerblüher Rosen kann es im Juni oft nochmal richtig kalt werden. © dpa, Henning Kaiser

So kommt es zu einem Kälterückfall im Juni

Im Zeitraum 4. bis 25. Juni tritt in Deutschland bzw. Mitteleuropa häufig ein Kälterückfall auf. Aufgrund einer bestimmten Verteilung von Hoch- und Tiefdruckgebieten (siehe Bild) in Europa kann kalte Polarluft angezapft werden und sich Richtung Deutschland auf den Weg machen. Ein klassisches Beispiel hierfür wäre ein Hochdruckgebiet über den Britischen Inseln und ein Tiefdruckgebiet über Skandinavien.

Das Hochdruckgebiet dreht sich auf der Nordhalbkugel im Uhrzeigersinn, das Tiefdruckgebiet gegen den Uhrzeigersinn.

Zwischen den beiden Druckgebilden strömt die Luft dann aus nordwestlichen bzw. nördlich gelegenen Regionen zu uns. Eine Nordwest- bzw. Nordströmung entsteht.   

Voraussetzung für die Schafskälte
So kann es zur Schafskälte kommen: Verteilung von Hoch- und Tiefdruckgebieten bei einem klassischen Kälterückfall im Juni

Kalte Nordsee begünstigt Kaltluftvorstöße

Diese Verteilung der Druckgebilde tritt gehäuft im oben genannten Zeitraum auf. Darüber hinaus erwärmen sich Land- und Wassermassen im Frühjahr unterschiedlich stark. Die Nordsee hat sich dann noch nicht so sehr erwärmt wie der europäische Kontinent. Entsprechend können Kaltluftvorstöße markant ausfallen, weil die kalten Luftmassen aus dem Norden sich kaum durch das wärmere Meer erwärmen. Im Sommer gleichen sich Land- und Wassertemperaturen dann aber immer weiter an, womit die Kaltlufteinbrüche immer geringere Ausmaße bekommen.

Schafskälte: meteorologische Singularität im Juni
Den Namen „Schafskälte“ hat die meteorologische Singularität deshalb bekommen, weil die Hirten zum Ende des Frühjahrs ihre Schafe scheren. Wenn's dann nochmal kalt wird, ist das doof für die Schafe. © Getty Images, esemelwe

Wie sahen die letzten Jahre aus?

2019: meist hochsommerlich und schwülwarm

2018: ab dem 13.06. (15 – 18 Grad)

2017: ab dem 06.06. (16 – 20 Grad)

2016: ab dem 09.06. (17 – 20 Grad)

2015: ab dem 09.06. (13 – 18 Grad)

2014: ab dem 19.06 (15 – 26 Grad)