Die größten Versager im Klimaschutz torpedieren auch den UN-Klimagipfel in Kattowitz

12.12.2018, Polen, Bedzin: Rauch steigt aus den Schornsteinen im Kohlekraftwerk Lagisza bei Kattowitz. Noch bis 14. Dezember findet in der südpolnischen Stadt der UN-Klimagipfel zum Klimawandel statt. Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa +++
Kattowitz liegt im polnischen Kohlegebiet. Die Kohle ist die klimaschädlichste Energieerzeugung. © dpa, Monika Skolimowska, skm kno

Vom UN-Klimagipfel in Kattowitz berichtet Oliver Scheel

Beim UN-Klimagipfel in Kattowitz wird derzeit um die Erstellung eines transparenten Regelbuchs gerungen. Eine Handvoll Länder torpediert aber die Bemühungen, die Erderwärmung auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Es könnte sein, dass der Gipfel in Polen ohne Ergebnis bleibt. Ein weiteres wertvolles Jahr im Kampf gegen die Erderwärmung wäre verloren. Wer aber sind die Bremsen in Polen? Es sind die Nationen, die sich auch sonst wenig für den Klimaschutz interessieren.

Russland, USA, Saudi-Arabien

Es geht um 1,5 Grad. Diese 1,5 Grad, so geht es aus dem Bericht des Weltklimarats IPCC hervor, gelten als gerade noch verträgliche Erwärmung der Erde. Fast alle Staaten begrüßen diese Empfehlung. Nur einige begrüßen sie nicht, sondern wollen sie lediglich zur Kenntnis nehmen. Haarspalterei? Hört sich so an. Diese Wortklauberei verhindert aber den einhelligen Beschluss, ein transparentes Regelbuch für die kommenden Jahre zu erstellen. Ein Regelbuch, das die Beschlüsse von Paris 2015 endlich umsetzen soll. Ein Regelbuch, das zukunftsorientiert ist.

Die USA, Russland und Saudi-Arabien bremsen in Polen derzeit, außerdem das weniger bedeutende Kuwait. Die USA und Saudi-Arabien liegen auch im Klimaschutz-Index der Nichtregierungsorganisation germanwatch auf den letzten Rängen. Beide Länder erhielten miserable Bewertungen, was Energieverbrauch, Ausstoß von Treibhausgasen pro Kopf und das Engagement für Erneuerbare Energien angeht. Russland steht kaum besser da. Das Land hat das Pariser Klimaabkommen, aus dem die USA ja aussteigen wollen, immer noch nicht ratifiziert. In Sachen Erneuerbaren geht im größten Land der Welt nichts und es unternimmt auch kaum Anstrengungen zur Reduzierung der Treibhausgase.

Alle drei Länder kleben an den fossilen Brennstoffen

So ist es kein Wunder, dass diese drei Länder blockieren. Eines, das aus dem Abkommen aussteigen will, eines, das ihn noch gar nicht ratifiziert hat und eines, das einfach nur sein Öl verkaufen möchte. Alle drei Länder kleben an den fossilen Brennstoffen und nehmen den Klimawandel als ernsthaftes Problem für diesen Planeten und sein Leben immer noch nicht wahr. 

Weitere Länder, die klimatechnisch in der Vergangenheit leben, sind Kanada, Australien und die Türkei. In Australien bremst die Regierung, die keine Pläne für Erneuerbare Energien vorgelegt hat und weiter voll auf Kohle setzt. Kanada zählt nach wie vor zu den größten Verursachern von Treibhausgasen in der Welt, die Türkei setzt wie Australien auf Kohle. 

Nur ein paar Länder sind auf 1,5-Grad-Kurs

Wie eine Analyse des wissenschaftlichen Zusammenschlusses "Climate Action Trackers" am Rande der Verhandlungen in Kattowitz zeigt, würde die Temperatur auf der Erde um mehr als vier Grad steigen, wenn alle Länder so agierten wie Russland, die USA, Saudi-Arabien, die Türkei und die Ukraine. Ingesamt sind nur 32 Länder auf der Welt verantwortlich für 80 Prozent des Ausstoßes von Treibhausgasen. Diese 32 Länder nehmen alle anderen in Geiselhaft. 

Von allen Staaten dieser Welt, so die Forscher, ergreifen derzeit nur sieben die Maßnahmen, die eine Erderwärmung auf unter 2 Grad wirklich ermöglichen. Marokko und Gambia liegen mit ihren Bemühungen sogar auf Kurs 1,5 Grad. Ebenfalls gute Noten erhielten Äthiopien, Costa Rica, Bhutan, Indien und die Philippinen.

Bericht: Oliver Scheel