Die außergewöhnliche Unwetterserie am Mittelmeer geht weiter

Unwetter in allen Variationen

Das Mittelmeer kommt einfach nicht zur Ruhe. Gestern sorgten die Reste von Tief „Keke“ noch Richtung Griechenland und Türkei für teils kräftige Gewitter.  Doch damit ist die Unwetter-Situation leider noch nicht vorbei. Denn mit „Luis“ ist nun vom Atlantik bereits das nächste Sturmtief aufgezogen. Und das sorgt von West nach Ost im Mittelmeerraum für die nächste brisante Wetterlage. Neben Sturm- und Orkanböen drohen zum Teil mehrere Hundert Liter Regen pro Quadratmeter, der in den Hochlagen in Schnee übergeht. Außerdem müssen sich die Menschen in Venedig auf das nächste „Acqua alta“ einstellen.

Die Staulagen trifft es am heftigsten

HANDOUT - 17.11.2019, Österreich, Spittal An Der Drau: Ein Haus wurde von einem Erdrutsch getroffen. Wegen heftiger Schnee- und Regenfälle spitzt sich die Lage in den österreichischen Bundesländern Kärnten und Tirol zu. Foto: -/APA/BEZIRKSFEUERWEHRKO
Murenabgang im österreichischen Kärnten am 17. November ausgelöst durch heftige Schnee- und Regenfälle © dpa, -, hkt hen jai

Besonders heftig schüttet es dort, wo die Regenwolken an den Bergen ausgequetscht werden. Das heißt rund ums französische Zentralmassiv und die französischen Alpen bis herunter an den Golf von Genua. Hier sind bis einschließlich Sonntag örtliche Regenmengen von über 300 Liter pro Quadratmeter nicht auszuschließen. 

Verschärfend wirkt sich hierbei aus, dass wir in den betroffenen Regionen auf eine mitunter sehr nasse Vorgeschichte blicken. Die Böden sind durchnässt und können das Wasser kaum noch zwischenspeichern. Außerdem haben die angrenzenden Berge eine hohe Reliefenergie. Das Wasser strömt also rasch talwärts und es drohen neben Überschwemmungen abermals Murenabgänge und Erdrutsche. 

Schnee und Lawinengefahr in den Hochlagen

18.11.2019, Österreich, Kals: Eine Straßensperre versinkt im Schnee. Die extremen Schneefälle der vergangenen Tage sorgen in Teilen Österreichs für massive Gefahren und Behinderungen. Foto: Expa/Johann Groder/APA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Hier geht nichts mehr. Selbst die Straßensperre versinkt im Schnee (am 18.11.2019 in Kals in Österreich). © dpa, Johann Groder, hkt,hef lix

Nachdem zuletzt ja eher die Ostalpen von teils intensiven Schneefällen heimgesucht wurden, sind nun die westlichen Alpen im Südstau dran. Die Schneefallgrenze liegt zwar eher bei 1500 bis 2000 Meter. Dennoch wird es in den Hochlagen zum Teil durchaus 1 bis 2 Meter Neuschnee geben. Vor allem rund um die französischen Alpen. Der Wind bläst hier ebenfalls stürmisch, so dass der Schnee zudem verfrachtet wird. Eine gefährliche Lage, die die Lawinengefahr im Hochgebirge deutlich verschärfen wird.

Italien-Unwetter und Acqua alta

17.11.2019, Italien, Venedig: Eine weitere außergewöhnliche Flut überflutete Venedig. Der Hochwasserstand hat heute eine neue Spitze erreicht. Venedig ist zum dritten Mal innerhalb einer Woche überflutet worden. Am Sonntag sei das Wasser auf 150 Zent
Die Überschwemmungen in Venedig gehen weiter © dpa, Claudio Furlan, mark avery fdt

Zum Sonntag erreicht „Luis“ Italien und damit weht der Sturm auf seiner Vorderseite aus südöstlichen Richtung auf Venedig zu, was wiederum den Wasserstand in der Region ansteigen lässt. Ganz so heftig wie bei den letzten Unwettern wird es zwar nicht. Dennoch dürfte das Hochwasser am Sonntagvormittag um mindestens 1,45 Meter erhöht sein und damit ist gut die halbe Stadt vom Acqua alta betroffen. Und auch der große Rest Italiens drohen teils heftige Regengüsse und Gewitter mit Sturmböen.

Unwetter am östlichen Mittelmeer

Zum Wochenwechsel und zu Beginn der nächsten Woche dreht „Luis“ seine Kreise am östlichen Mittelmeer. Mit Glück hat sich das Tief bis dahin zwar abgeschwächt. Dennoch werden sich die Menschen dort ebenfalls auf die nächste Unwetterserie mit Starkregen und schweren Gewittern samt Sturmböen einstellen müssen.

Vom Spätsommer bis jetzt - eine außergewöhnliche Unwetterserie

Der Mittelmeerraum gehört zu den Regionen der subtropischen Winterregengebiete. Insofern konzentriert sich der Regen natürlich auf den Herbst und den Winter. Denn dann greift die wettersteuernde Strömung wesentlich weiter nach Süden aus als im Sommer und die Tiefdruckgebiete können wiederholt bis ans Mittelmeer voran kommen.

Jedoch sind die letzten Wochen seit September definitiv eine Ausnahme. Bereits im Spätsommer und im Frühherbst ereilten den Süden Europas einige Unwetterlagen mit teils schlimmen Verwüstungen. Und diese Wiederholung der extremen Wetterlage ist auf jeden Fall eine Ausnahmeerscheinung. 

Das gilt ebenso für die intensiven Regen- und Schneefälle im Bereich der Südalpen, wo in letzter Zeit teilweise bereits etliche Hundert Liter an Niederschlägen zusammen gekommen sind. Im Hochgebirge mit Neuschneeschnengen, die so früh in der Saison in den letzten Jahrzehnten beispiellos sind.

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