Deutsche Helfer kritisieren Regierung: Hilfe ist schlecht koordiniert

Deutsche Touristen packen mit an

Eine Woche nach dem verheerenden Taifun 'Haiyan' auf den Philippinen läuft die Hilfsgüterverteilung immer besser, aber über die Zahl der Opfer herrscht weiter Unklarheit. Das Büro für Zivilschutz meldete 3422 Todesopfer in den Provinzen Leyte und Samar. Auf anderen Inseln kamen nach offiziellen Angaben 199 Menschen ums Leben.

Deutsche Helfer ISAR
Auch Helfer aus Deutschland üben massive Kritik am Krisenmanagement

Die Vereinten Nationen erklärten ebenfalls, nach bisher verifiziertem Kenntnisstand seien rund 3.600 Menschen ums Leben gekommen. Es werde aber erwartet, dass die Zahl der Toten noch steigen werde.

Tausende Überlebende versuchen, aus dem Katastrophengebiet zu fliehen. Am Hafen und am Flughafen von Tacloban auf der schwer verwüsteten Insel Leyte standen am Freitag Tausende in langen Schlangen, um einen Platz auf den Frachtmaschinen- und schiffen zu ergattern, die nach der Entladung der Hilfsgüter nach Manila oder Cebu zurückkehren.

Angesichts der Katastrophe packen auch deutsche Touristen mit an. Eigentlich wollten Johannes Gerster, sein Bruder und dessen Freundin Urlaub auf den Philippinen machen, nun organisieren sie Spenden und Hilfsgüter. "Das Ausmaß des Taifuns ist unvorstellbar", sagte der 32-jährige Ravensburger. Die Insel Malapascua, auf der sie den Taifun erlebten, gleiche einem Trümmerfeld. Nach wie vor gebe es keinen Strom und kein fließendes Wasser. Über einen Aufruf im Internet sammeln die Urlauber Spenden, mit denen sie Wasser, Nahrungsmittel, Zelte und Medikamente kaufen wollen. Mehr als 8.000 Euro seien bislang zusammengekommen.

Deutsche Helfer kritisieren philippinische Regierung

Inzwischen liegt der amerikanische Flugzeugträger 'USS George Washington' vor der Küste von Samar. Die Soldaten haben mit dem Ausladen der Hilfsgüter begonnen. Mehrere Flugzeuge waren von Bord an Land verlegt worden, um mehr Platz für die Hubschrauber zu machen, die Hilfsgüter in bislang unerreichte Regionen des Katastrophengebietes fliegen. Gute Nachricht kam auch vom Wetterbüro: Nach tagelangem schweren Regen soll es in den nächsten Tagen trocken bleiben.

Die Regierung gerät wegen der schleppend anlaufenden Hilfe zunehmend unter Druck. "Unsere Rettungsmaßnahmen kommen voran, auch wenn es teils immer noch langsam geht", sagte Innenminister Mar Roxas. Nach Ansicht deutscher Helfer hätte die

Regierung deutlich besser vorbreitet sein müssen. "Es ist eine Katastrophe unglaublichen Ausmaßes - trotzdem hätte es besser laufen müssen, wenn man seitens der staatlichen Stellen besser vorbereitet gewesen wäre", sagte Moritz Wohlrab von der Aktion 'Deutschland Hilft'. Zwar werde die Arbeit der internationalen Hilfsorganisationen koordiniert, doch es fehle der Gesamtüberblick. "Die Koordinierung läuft deutlich schlechter, als man erwarten könnte in einem Land wie den Philippinen, das mit Katastrophen immer wieder leben muss, das von Erdbeben und regelmäßigen Stürmen bedroht ist."