Klimawandel begünstigt Extremwetter

Deshalb ist der Winter 2021 ein gutes Beispiel für den Klimawandel

Das gibt es nicht so oft, dass die Hamburger durch den Schnee joggen.
Ein Jogger im Jenischpark in Hamburg. Das gibt es nicht so oft, dass die Hamburger durch den Schnee joggen. © imago images/Markus Tischler, Markus Tischler via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Von Oliver Scheel

Wer es nicht so mit dem Klimawandel hat, dem mag dieser Winter ja wie eine Bestätigung vorkommen. Der Winter 2020/21 ist einfach mal wieder ein Winter. Na also! Was viele Menschen freut, ist nämlich, dass man in diesem Winter den Schlitten nicht nur an einem Tag auspacken kann, dass es auch mal dauerhaft kalt ist und dass wir in Deutschland endlich eine flächendeckende Schneedecke bewundern konnten. Das alles spricht für einen schönen Winter, wie wir ihn von früher her kennen. Und jetzt kommt am Wochenende auch noch die große Kälte in den deutschen Norden. Schnee in Hamburg, wie passt das mit dem Klimawandel zusammen?

Dieser Winter und auch das anstehende Kälte-Wochenende belegen leider überhaupt nicht, dass damit der Klimawandel abgeblasen wäre. Im Gegenteil: Dieser Winter ist ein guter Beleg für den fortschreitenden Klimawandel. Wir erklären warum.

Extremwetter häufen sich und davon haben wir sehr viele

Im Januar kam es in Madrid zu einem Scheechaos.
Schneechaos in Madrid: Eher ein Beleg für den Klimawandel als einer dagegen. © imago images/Xinhua, Meng Dingbo via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Prinzipiell müssen wir immer zwischen Wetter und Klima unterscheiden. Ein einzelnes Wetter-Ereignis kann völlig konträr zum Klimawandel auftreten, die Erderwärmung aber setzt sich unvermindert fort. Das ist auch ganz klar, denn der Anteil an Kohlenstoffdioxid in der Erdatmosphäre steigt permanent an und das ist ein wichtiger Faktor für höhere Temperaturen auf der Erde.

Die Extremwetter, die wir in diesem Winter erleben, sind sozusagen eingebettet im Klimawandel, sie sind Teil der Klimakrise. So sagte Peter Hoffmann, Wissenschaftler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), mit Blick auf die Rekordkälte in Spanien und das Schneechaos in Madrid im Januar:

„Extreme Wintereinbrüche sind im Klimawandel nicht ausgeschlossen. Wetterlagen, die im Sommerhalbjahr mit Starkregen in dieser Region verbunden sind, können im Winter bei um die Null Grad zu Starkschneefall führen.“

Der Zerfall des Polarwirbels sorgte sogar in der Sahara für Schnee.

Höhere Verdunstung über dem Mittelmeer bringt Schneechaos in die Alpen

Straßensperrung wegen Schnee in Matrei in Osttirol
Enorme Schneefälle in den Südalpen gehören mittlerweile dazu. Das Mittelmeer ist wärmer, die Verdunstung höher, irgendwo muss der Niederschlag hin. © imago images/Eibner Europa, Eibner-Pressefoto/EXPA/Groder via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Und da sind wir schon bei einem guten Punkt. Denn unsere Sommer werden trockener, die Winter aber feuchter. Und wenn die Temperaturen dann mal Richtung null Grad gehen, gibt es schnell auch mal solche Schneekatastrophen, wie wir sie in den vergangenen beiden Wintern in Italien und Österreich hatten.Das ist genau eine Konsequenz aus dem Klimawandel. Extremwetter werden häufiger.

So war der Dezember 2020 trotz der Schneerekorde einer der wärmsten Dezember der Messgeschichte. Das Mittelmeer wird wärmer und damit die Luft feuchter. Und diese Feuchtigkeit entlädt sich an den Alpen – in gewissen Höhen eben als Schnee. In Lienz in Osttirol wurde so die größte Niederschlagsmenge überhaupt gemessen. Und die Daten werden schon seit 1854 erhoben. Das ist auch eine Seite des Klimawandels. Die Winter werden nasser.

Die letzten zehn Winter waren allesamt zu warm - dieser ist halt normal

Die Wasserfläche der Talsperre Hassel im Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt mit dem Wahrzeichen und höchstem Berg des Harzes, dem Brocken.
Eine zugefrorene Talsperre im Harz. Eislaufen in Norddeutschland ist dieses Jahr hier und da möglich. © imago images/Frank Drechsler, Frank Drechsler via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Und wenn wir nun mit bangem Blick auf die Minusgrade in Norddeutschland schauen, dann bleibt festzuhalten, dass dieser Winter einfach mal so ist, wie er früher viel häufiger war. Denken wir an die Niederländer: Da gab es mal die Tradition, auf den zugefrorenen Grachten Schlittschuh zu laufen. Das geht nun vielleicht noch einmal in zehn Jahren. Die Grundschüler, die heute in Ostfriesland Eislaufen waren, haben so ein Wetter in ihrem ganzen Leben noch nicht erlebt.

Wir sind durch die viel zu warmen Winter der jüngeren Vergangenheit in Sachen Klimawandel ziemlich abgestumpft. Zur Erinnerung: der letzte Winter, der kälter war als im langjährigen Mittel, war 2009/10. Zehnjährige Kinder haben also ausschließlich zu warme Winter erlebt, selbst der Januar 2021, der uns wie ein Bibber-Monat vorkam, war noch wärmer als der Durchschnitt.

Wir leben also mitten in einem schnell fortschreitenden Klimawandel. Und der bringt uns eben diese Extremwetter. Oder, wie es Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, formuliert:

„Es geht nicht darum, dass ein Jahr rekordwarm war – es geht um den Trend der Erwärmung. Nie zuvor in der Geschichte der menschlichen Zivilisation hatten wir eine solche Erwärmung.“

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