Der Sommer 2020 ist an einigen Orten bisher eine 0-Nummer, sogar die Doppelnull ist im Rennen

Wenig Hitze und Schnee auf der Zugspitze

Normalerweise stöhnen wir Mitte Juli schon mal gerne unter großer Hitze oder haben – wie im letzten Jahr die ersten großen Hitzewellen schon hinter uns und steuern auf heiße Hundstage zu. Im Juli 2019 mit der größten Hitzewelle seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Doch im Sommer 2020 ist bisher vieles anders. Kaum Hitzetage, mancherorts noch nicht einmal richtige Sommertage und auf der Zugspitze – dem höchsten deutschen Berg mit knapp 3000 Metern – hat es innerhalb der ersten Sommerhälfte an 20 Tagen geschneit.

Wie viel Sommer und Hitze sind in nächster Zeit überhaupt drin? Oben sehen Sie die möglichen Temperaturen für die kommenden 14 Tage im Video.

25 Grad - die Mindestmarke für einen Sommertag

Erreicht die Temperatur an einem Ort mindestens 25 Grad, dann ist der Sommertag erreicht. Normalerweise keine große Sache. Zumal solche Sommertage in unseren Breiten gerne mal bereits im Frühjahr auftreten. Selbst im März sind Spitzenwerte jenseits der 25 Grad möglich. Dass das Erreichen der Sommermarke selbst im Juni oder Juli eine Seltenheit darstellt, ist hingegen eine ziemliche Seltenheit. Doch in diesem Jahr war es bislang so. Hier die Schlusslichter der bisherigen Bilanz aus der Kategorie „0 Sommertage im Sommer 2020“.

Im Bereich der Ostsee:

  • Ostseebad Schönhagen. Schleswig-Holstein
  • Pelzerhaken. Schleswig-Holstein
  • Boltenhagen. Mecklenburg-Vorpommern
  • Arkona. Mecklenburg-Vorpommern
  • Greifswalder Oie. Mecklenburg-Vorpommern
  • Marienleuchte.Schleswig-Holstein

Ebenfalls ohne Sommertage sind bis jetzt einige der höheren Berglagen oberhalb von 700 und 800 Metern.

30.06.2020, Mecklenburg-Vorpommern, Kühlungsborn: Wolken, Wind und Temperaturen unter 20 Grad sorgen für leere Strandkörbe, nur vereinzelt sind Spaziergänger unterwegs. In Mecklenburg-Vorpommern wird es in den kommenden Tagen meist wolkig und nass. A
Viele Wolken und Regen in Mecklenburg-Vorpommern. Viele Wolken und Regen in Mecklenburg-Vorpommern: Der Sommer 2020 hatte vor allem in letzter Zeit für die Nordlichter eher bescheidene Aussichten zu bieten. © dpa, Bernd Wüstneck, bwu fgj

Kaum ein Sommertag im Norden - warum ist gerade der Norden jetzt in der Ferienzeit bisher so benachteiligt?

Die Frage haben wir an unseren RTL-Meteorologen Björn Alexander weitergereicht und folgende Antwort bekommen: „Im Vergleich zu den letzen Sommern kam uns die wettersteuernde Strömung, der sogenannte Jet-Stream wiederholt recht nah. Gleichzeitig schickte uns das Azorenhoch oft nur mal einen Ableger und verweilte ansonsten eher in Richtung Azoren. Kein Dauerhoch also bei uns und stattdessen den ein oder anderen Gruß aus polaren Breiten sowie die dazugehörigen Tiefausläufer. Das drückt in den Urlaubsregionen von Nord- und Ostsee leider wiederholt extrem auf die Sommerbremse, beziehungsweise erstickte den Sommer im Keim.”

Temperaturmittel im Sommer
Die Sommer der letzten Jahrzehnte im Überblick. So sehen die Mitteltemperaturen aus. Der Sommer 2020 bewegt sich aktuell noch ganz unten. Jedoch fehlt mit den Hundstagen natürlich noch die eigentlich heißeste Zeit des Jahres. © wetter-ressort

Die Doppelnull folgt beim Thema Hitzetage

Wenn die Temperatur an einem Tag 30 Grad und mehr erreicht, dann handelt es sich um einen Hitzetag. Und ganz klar: Wer schon keinen Sommertag hatte, der kann auch keinen Hitzetag erlebt haben. Damit gibt’s in der Statistik im Ostseeumfeld direkt mal die meteorologische Doppelnull mit 0 Hitze und 0 Sommer. 

Doch beim Thema „Fehlende 30 Grad und kein Hochsommerfeeling“ ist das Ostseeumfeld nicht alleine. Nur gut die Hälfte aller deutschen Wetterstationen vermeldete im Sommer 2020 bisher ein Überschreiten der Hitzemarke von 30 Grad. Das alleine ist schon echt krass. Doch auch die Anzahl der Hitzetage ist übersichtlich. Spitzenreiter aus dem Messnetz des Deutschen Wetterdienstes ist Hoyerswerda in Sachsen mit fünf Hitzetagen. Anschließend folgen elf Wetterstationen mit vier Hitzetagen. Das ist für sechs Wochen Sommer extrem wenig. 

Die fünf Hitzetagen in Hoyerswerda stehen bislang übrigens im Erzgebirge fünf Tagen mit Bodenfrost gegenüber. Fünf Tage Bodenfrost sind dabei selbst im Sommer zwar noch nicht außergewöhnlich. Aber der Schaukelsommer 2020 ist ja auch noch nicht vorbei und insofern kann da noch was kommen. Wir sind gespannt.

Die Halbzeitbilanz des Sommers 2020 im Überblick


  • Im Juni wechselten sich kühle und warme Phasen mit teils kräftigen Gewittern ab. Auch die Schafskälte 2020 hielt ungewöhnlich lang.
  • Anschließend folgte die bislang einzige Hitzewelle des Sommers 2020. Vor allem im Süden und Osten mit Spitzenwerten bis 35 Grad am 13.Juni 2020.
  • Sonnensieger war im Juni 2020 der Norden mit zum Teil über 280 Sonnenstunden. Allerdings: Sowohl der April als auch der Mai 2020 haben zuvor deutlich mehr Sonne gebracht.
  • Im Juni 2020 zeigt sich der Süden deutlich nasser als der Norden. Im Juli war es bis jetzt genau anders herum. Zum Teil sind im Juli im Norden bereits über 80 Liter pro Quadratmeter gefallen.
  • Der Juni zeigte sich mit 1,5 Grad überm langjährigen Mittelwert insgesamt zu warm. Der Juli 2020 war hingegen bis jetzt vor allem im Westen und Norden deutlich zu kalt. Damit war die erste Sommerhälfte so kühl wie zuletzt vor fünf Jahren.
  • Der meteorologische Sommer beginnt am 1.Juni und endet am 31.August.

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