Der Meeresspiegel steigt drastischer an als angenommen

Der Meeresspiegel steigt mittlerweile schneller pro Jahr

Das sind keine guten Nachrichten! Denn der Meeresspiegel steigt jedes Jahr etwas schneller an als gedacht. Seit 1993 stieg der Meeresspiegel im weltweiten Durchschnitt jährlich um 3 Millimeter (mm) an.  Durch Satellitenmessungen konnte eine Beschleunigung des Meeresspiegelanstiegs gefunden werden. Die Ergebnisse verheißen nichts Gutes, denn bis zum Jahr 2100 könnte der Meeresspiegel schon um 10 Millimeter pro Jahr ansteigen - so die Forschergruppe um Steve Nerem von der University of Colorado.

Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die Küsten und bis zum Ende des Jahrhunderts könnte der Durchschnittspegel des Meeres um 65 cm ansteigen. In den früheren Berechnungen ging man bisher davon aus, dass der Meeresspiegel schätzungsweise bis zum Jahrhundertsende etwa um 30 cm ansteigt.  Eine der Ursachen sind die großen Veränderungen an den Eisschilden, erklärt Nerem. Anders ausgedrückt: Der Anstieg wird wahrscheinlich noch höher ausfallen als von den Forschern prognostiziert.

Satellitenmessreihe führt zu neuen Ergebnissen

Der Meeresspiegel steigt mittlerweile schneller pro Jahr
Der Meeresspiegel steigt mittlerweile schneller pro Jahr. © dpa, Christiane Oelrich, fdt sab exa

Für die neuen Berechnungen haben die Forscher die bisher längste Satellitenmessreihe zur Bestimmung der globalen Meereshöhe verwendet. Die Messreihe begann mit dem Start des Erdbeobachtungssatelliten Poseidon im August 1992 – später kamen noch die drei 'Jason' Satelliten hinzu. Außerdem wurden noch großskalige Klimasysteme, die den Meeresspiegel beeinflussen wie z.B. El Nino in die Berechnung mit einbezogen. Auch die Wassermenge, die in einem Land gespeichert werden, gingen in die statistische Analyse ein. Anhand der Auswertung konnte festgestellt werden, dass Vulkanausbrüche (Pinatubo 1991) ebenfalls Auswirkungen auf den Meeresspiegel zeigten. Abschließend fand noch eine Abgleichung mit Gezeitenpegelständen an den Küsten statt.

Ergebnis: Eine Beschleunigung des Meeresspiegelsanstiegs

Durch die Einbeziehung all dieser Faktoren konnte das Forschungsteam um Nerem eine jährliche Beschleunigung des globalen Meeresspiegelanstiegs um 0,08 mm errechnen. Daraus resultiert eine exponentielle Kurve mit zunehmenden Anstiegsraten. Der Anstieg des Meerespiegels wird durch das Abschmelzen der Eisschilde verursacht. Außerdem dehnt sich das Wasser bei Erwärmung aus. Auch das Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven sieht die Ergebnisse als repräsentativ an. An den deutschen Küsten könnte ein Meeresspiegelanstieg im Extremfall von 1,70 m gerechnet werden.

Die Umweltschutzorganisation WWF sieht mit der Studie belegt, dass dringend weiterer globaler Klimaschutz notwendig ist. "An der Nordseeküste gefährdet der Meeresspiegelanstieg die Menschen ebenso wie das Weltnaturerbe Wattenmeer”, erklärte Jannes Fröhlich, Klimaanpassungs- und Küstenschutzexperte beim WWF. “Denn steigt er zu schnell und zu stark, versinken große Teile des Wattenmeeres dauerhaft unter die Wasseroberfläche. Dann verschwinden Wattflächen genau wie Brutplätze von Küstenvögeln oder die Seehundsbänke.”