Der Herbst ist nicht mehr weit: Störche zieht es in den Süden

ARCHIV - 03.08.2016, Hessen, Büdingen: Störche fliegen über eine Feuchtwiese. Meist sammeln sie sich dort, um sich auf den meist Mitte August beginnenden Vogelzug vorzubereiten. (zu dpa «Aufbruchstimmung bei Störchen - Der Herbstzug nach Süden hat be
Die Störche sammeln sich jetzt wieder, um Ihre Reise in die Winterquartiere aufzunehmen. © dpa, Boris Roessler, brx htf kts sja mjm

Jetzt heißt es wieder Abschied nehmen von den Störchen. Denn diese sammeln sich im Spätsommer für ihre große Reise nach Süden und zeigen uns, dass der Herbst nicht mehr weit entfernt ist.

Der Spätsommer bietet ideale Flugbedingungen

Zunächst "vagabundieren" vor allem die Jungstörche herum. Die sehr geselligen Vögel treffen sich dann an markanten Punkten - in Norddeutschland zum Beispiel in der Elbtalaue, oder der Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge, erklärt der Storchenexperte Kai-Michael Thomsen vom Deutschen Naturschutzbund (Nabu). "Dann ziehen sie an irgendeinem Tag bei sonnigem Wetter los, und verschwinden."

Nach Angaben des Nabu ist es nicht die Kälte, sondern der Nahrungsmangel, der die Tiere dazu treibt, die beschwerliche Reise in die Winterquartiere auf sich zu nehmen. Die wärmende Sonneneinstrahlung im Spätsommer hilft hingegen beim Abflug. Weißstörche nutzen die Thermik um hoch in die Luft zu kreisen und dann weite Strecken segeln zu können. So schaffen die Tiere bis zu 500 Kilometer am Tag.

Bei Störchen gibt es "Ossis" und "Wessis"

Die Reise gen Süden treten die Störche in der Regel über zwei unterschiedliche Routen an. Entweder überqueren sie das Mittelmeer im Westen über Gibraltar, um dann in Westafrika zu überwintern. Oder sie ziehen über den Bosporus und den Nahen Osten nach Nordafrika, um von dort entlang des Nils in die ost- und südafrikanischen Überwinterungsgebiete zu gelangen. Die Trennlinie zwischen den Ost- und den Westziehern geht nach Angaben des Nabu mitten durch Deutschland. Welchen Weg jeder einzelne nimmt, lernt er auf seiner ersten Reise.

 "Die genaue Route ist ihnen nicht angeboren. Nur der Zugtrieb: Wir müssen jetzt los, und zwar nach Süden", erklärt Thomsen.

Immer mehr Störche überwintern auf Müllkippen der Iberischen Halbinsel

Dabei können Störche auf veränderte Umweltbedingungen reagieren. So verzichteten in den vergangenen Jahren immer mehr Weißstörche der Westroute auf einen Besuch in Afrika und überwintern stattdessen auf Spaniens oder Portugals Müllkippen: Weil es dort viel zu fressen gebe, sagt die Storchenexpertin beim Landesbund für Vogelschutz (LBV) im fränkischen Hilpoltstein, Oda Wieding. Einige bleiben sogar in Deutschland. Allein in Bayern überwintern rund 300 Störche.

2018: Wenig Nahrung im manchen Landesteilen

Der Bruterfolg in Deutschland dürfte in diesem Jahr nicht einheitlich sein. Während sich Vogelfreunde in Schleswig-Holstein über einen Anstieg der Jungstorch-Zahl von 357 im vergangenen Jahr auf 420 im Dürresommer 2018 freuen, verzeichnete Brandenburg das vierte Jahre in Folge ein schlechtes Storchenjahr. Vor allem die knappe Nahrung habe den Tieren im storchenreichsten Bundesland zu schaffen gemacht, sagte Nabu-Storchexperte Bernd Ludwig: Wegen des kalten Frühjahrs und der langen Trockenheit seien dort Regenwürmer, Amphibien und Feldmäuse rar gewesen. Insbesondere in der Uckermark seien die Störche schon spürbar weniger geworden. Genaue Zahlen für 2018 gebe es aber noch nicht, sagte er. Auch Sachsen-Anhalt verzeichnete den Angaben zufolge ein unterdurchschnittliches Ergebnis, während sich Ornithologen in Bayern freuten, dass viele Jungtiere überlebten, weil es dort kaum schlechtes Wetter mit extremer Nässe und Kälte gegeben habe.