Der ganz persönliche Jahresrückblick beim Wetter

Regenfluten in der Eifel: Wie eine Idylle zur tödlichen Falle wurde

14. und 15. Juli 2021: Die Flutkatastrophe im Westen von Deutschland

Es berichtet unsere Redakteurin Claudia Träger

Es regnete schon den ganzen Sommer, teils auch richtig heftig. So auch am 14. Juli, an dem ich, wie so oft, Wetter-Spätdienst hatte in meinem Homeoffice in der Nordeifel. Nichts besonderes also. Was die von uns selbst vorhergesagten Regenmengen bedeuten würden, hatte ich nicht im entferntesten geahnt.

Lesen Sie auch den Bericht von Oliver Scheel: Was für ein Winter - und dann laufen die Lifte nicht

Internet und Telefon waren tot - das Dorf von der Außenwelt abgeschnitten

Nach dem Unwetter in Nordrhein-Westfalen
Wasser steht in der Fußgängerzone von Gemünd, nachdem die Urft über die Ufer getreten war.

Am Abend erreichten mich erste Videos von überfluteten Straßen, und Tweets, dass Orte evakuiert werden sollten. Unser Dorf war von zwei Seiten aus von der Außenwelt abschnitten. Ich schrieb eine Meldung über zwei tödlich verunglückte Feuerwehrleute in Altena im Märkischen Kreis. Dann fiel kurz vor Dienstschluss das Internet aus. Ich ging wie immer schlafen.

Am nächsten Vormittag waren Internet und Telefon immer noch tot. Vorm Haus erzählte ein Nachbar, dass er seinem Bruder helfen müsse, der Wasser im Keller hätte. Was wirklich passiert war: Er hatte sich in der Nacht vor den Wassermassen auf das Dach seines Bungalows geflüchtet. Sein Auto war weggeschwemmt. Alles weg oder zerstört. Das Haus ist bis heute nicht bewohnbar. Ein Schicksal, wie es in dieser Nacht so viele ereilte. Oder noch Schlimmeres.

"Eine ganz, ganz gespenstische Situation"

Zerstörung
Schutt und Geröll eines nach dem Hochwasser völlig zerstörten Hauses im nordrhein-westfälischen Gemünd.

Noch rechtzeitig vor Dienstbeginn war das Internet wieder stabil. Immer mehr Videos kamen auf dem Smartphone an, die überflutete Straßen, vorbeischwimmende Autos und vor allem Menschen zeigten, die nicht fassen konnten, was da geschah. Genau wie ich. Nur wenige Kilometer von mir entfernt, hatten Wassermassen hunderte Existenzen zerstört, während ich dank der Berglage unseres Hauses völlig unberührt blieb.

In unseren Berichten mussten wir immer weiter die Todesopfer-Zahl erhöhen. Vor meinem Fenster bekam ich mit, dass Nachbarn Freunde und Verwandte aufnahmen, deren Häuser in der Nacht zerstört worden waren oder deren Wohnorte evakuiert wurden, weil Dämme zu brechen drohten. Ich saß im Trockenen und machte meine Arbeit wie immer. Eine ganz, ganz gespenstische Situation.

Wie eine Idylle zur tödlichen Falle wurde

Nach dem Unwetter in Nordrhein-Westfalen
Schlamm und Geröll liegen auf dem Bahnhofsvorplatz im nordrhein-westfälischen Kall.

Irgendwann konnte ich nicht mehr vermeiden, an den Stätten der schlimmsten Verwüstung vorbeizukommen. Gestapelte Autowracks, zerstörte Flussbetten, Müllberge auf Sportplätzen, fortgespülte Gartenhäuser, Anhänger, Trampoline, die sich in den Ästen von Bäumen verfangen hatten – an den Trümmern einiger Existenzen vorbei fuhr ich zum Einkaufen, dort hin, wo das noch möglich war. Gruselig.

Was in diesen Stunden den Menschen an Urft und Olef, an Reifferscheider und Manscheider Bach und vielen anderen Flüssen und Bächen in der Eifel, die die Idylle zur tödlichen Falle verwandelten, geschehen ist, werde ich nie nachempfinden können. Es sei denn, das nächste Extremwetterereignis trifft mit aller Wucht mal mich.

Unsere Wettertrends und Themenseiten

Sollten Sie Interesse an weiteren Wetter-, Klima- und Wissenschaftsthemen haben, sind Sie bei wetter.de bestens aufgehoben. Besonders ans Herz legenkönnen wir Ihnen auch den 7-Tage-Wettertrend mit der Wetterprognose für die kommende Woche. Dieser wird täglich aktualisiert. Falls Sie weiter in die Zukunft schauen möchten, ist der 42-Tage-Wettertrend eine Option. Dort schauen wir uns an, was auf uns in den kommenden Wochen zukommt. Vielleicht interessiert Sie eher wie sich das Klima in den vergangenen Monaten verhalten hat und wie die Prognose für das restliche Jahr aussieht. Dafür haben wir unseren Klimatrend für Deutschland.

Damit Sie auch unterwegs kein Wetter mehr verpassen, empfehlen wir unsere wetter.de-App für Apple- und Android-Geräte.

Wüstenstaat Deutschland - Die Doku im Online Stream auf RTL+

(ctr)