Der Faktencheck: Kriegen wir noch die Klima-Kurve?

Fast täglich erscheinen neue Studien mit dramatischem Inhalt: Die Welt steuert auf eine Erwärmung von weit mehr als zwei Grad zu - mit unabsehbaren Folgen für den Planeten und großen Kosten für uns Menschen. Zwar ist die Debatte um den Klimawandel mittlerweile im Bewusstsein der Menschen und Regierungen angekommen, aber die Maßnahmen reichen bei weitem nicht, um die Erderwärmung einzudämmen.

DAS UN-Umweltprogramm teilte mit: Wenn die Weltbevölkerung so weiterlebt wie aktuell, droht bis zum Ende des Jahrhunderts die Temperatur um 3,4 bis 3,9 Grad anzusteigen. Wo liegen die größten Probleme, was gibt Anlass zur Hoffnung? Ein kleiner Faktencheck.

CO2-Anteil in der Luft steigt und steigt und steigt

FOTOMONTAGE, Flugzeuge mit Kondensstreifen am Himmel *** PHOTOMONTAGE, airplanes with condensation trails in the sky
CO2 ist ein Treibhausgas, es ist unsichtbar, stinkt nicht, trägt aber zur Erärmung bei. Wollen wir die Erderwärmung wirklich eindämmen, müssen wir schlichtweg aufhören, Öl, Gas und Kohle zu verbrennen. © imago images/Christian Ohde, Christian Ohde via www.imago-images.de, www.imago-images.de

CO2-Konzentration in der Atmosphäre: Seit Menschen leben, war der Anteil an Kohlendioxid in der Atmosphäre relativ konstant bei etwa 280 ppm (Parts per Million). Mit dem Beginn der Industrialisierung haben wir eine enorme Veränderung herbeigeführt. Heute liegt der CO2-Anteil bei 407 ppm. Diese Steigerung kann man komplett auf das Wirken des Menschen zurückführen, sprich die Verbrennung Öl, Gas und Kohle.

Der Auftrag für Madrid: Fokus voll auf Erneuerbare Energien legen

Auch das Verbrennen und Abholzen der tropischen Regenwälder trägt wesentlich zur CO2-Konzentration bei.

Was können wir also tun? Die Antwort ist so simpel wie schwierig. Aufhören. Aber natürlich müssen wir Heizen, uns fortbewegen, brauchen Energie. Daher muss der Fokus voll auf Erneuerbare Energien gelegt werden. Hier ist ganz klar die Politik gefragt. Wenn es einen Auftrag gibt, den die Regierungen der Welt bei der UN-Klimakonferenz in Madrid zu meistern haben, dann diesen: Wie stellen wir die Energieversorgung der Welt schnellstmöglich auf Erneuerbare um?  

Wir brauchen die globale Lösung

13.11.2019, Australien, Taree: Eine Frau geht über ein Feld, während im Hintergrund Flammen eines Buschfeuers lodern.  Die verheerenden Buschbrände im Osten Australiens haben nach Schätzungen der Feuerwehren bereits über 1,1 Millionen Hektar Land in
Die Welt wird immer heißer - mit unkontrollierbaren Folgen. © dpa, Dean Lewins, nwi

Dabei kann es nur eine globale Lösung geben. Es nutzt nichts, dass einzelne Länder ihren CO2-Fußabdruck reduzieren, wenn dafür an anderer Stelle Treihausgase in die Atmosphäre geschossen werden. Die Erderwärmung macht an der Grenze nicht halt. So lange wir unsere Produkte in China fertigen lassen und die dann auch noch hierher gefahren werden, können wir nicht mit dem Finger auf China zeigen. Es sind unsere Schornsteine, die dort rauchen. Wir Menschen haben also eine Gesamt-Verantwortung. So sieht es auch Umweltministerin Svenja Schulze: Wir brauchen "viel mehr Klimaschutz, und zwar weltweit."  

Methan, die Rinder und die Landwirtschaft.

Methan ist nach Kohlendioxid das zweitwichtigste Treibhausgas in Sachen Klimawandel. Es ist zwischen 20 und 30 Mal schädlicher (die Wissenschaft sagt "Wirkungsvoller") als Kohlendioxid. Methan kommt aus natürlichen Quellen wie Sümpfen, wird aber auch beim Reisanbau freigesetzt und entsteht vor allen Dingen bei der Verdauung von Rindern und Schafen. So ist die Landwirtschaft entscheidend an der Freisetzung von Methan beteiligt. Die Konzentration von Methan in der Atmosphäre hat sich in den vergangenen 150 Jahren etwa verdreifacht, hat das Max-Planck-Institut berechnet.  

Was können wir tun?

Auch hier liegt die Antwort auf der Hand, aber die Umsetzung tut weh: Weniger Konsum - von Rindfleisch und Milchprodukten. Aber alleine die Rinderzucht zu beenden, hätte schon einen großen Effekt. Denn für die Rinder werden ja auch große Mengen an Tropenwäldern abgeholzt. Damit neue Weiden für die Herden entstehen, aber vor allem für den Anbau des Futters.

Und es lauert eine weitere Gefahr im Boden: Riesige Mengen an Methan sind im Permafrostboden gebunden. Je wärmer es wird, umso mehr taut davon auf und setzt wiederum weiteres Methan frei. Ein Teufelskreis setzt sich in Gang.

Noch haben wir ein Zeitfenster

November 22, 2019, New York, NY, USA: United Nations, New York, USA, November 22, 2019 - Secretary-General Antonio Guterres at the meeting on the 2020 review of the peace building architecture of the Peace building Commission today at the UN Headquar
UNO-Generalsekretär Antonio Guterres sorgt sich um das Klima auf der Welt: "Der Klimawandel ist schneller als wir". © Zuma / SplashNews.com

Noch aber haben wir die Chance, die Erderwärmung auf ein für uns erträgliches Maß zu reduzieren. Dafür müssen wir zwei Dinge stoppen: Das Wachsen der Weltbevölkerung und das Verfeuern der fossilen Brennstoffe. Auch wenn die Kosten dafür enorm werden - es lohnt sich. Denn, so sagte es UNO-Generalsekretär Antonio Guterres: "Natürlich können wir uns zurücklehnen und auch nichts tun gegen den Klimawandel. Aber das wird mit Sicherheit am teuersten."