Google Doodle zum Erfinder des Buchdrucks

Was bedeutet das Bild bei Google heute? Alles rund um Johannes Gutenberg

Denkmal für Johannes Gutenberg vor dem Gebäude der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz.
Johannes Gutenberg erhielt zu Lebzeiten wenig Anerkennung. © imago/epd, imago stock&people

Google Doodle heute: Bücher für alle - dank Johannes Gutenberg

Johannes Gutenberg brachte Bücher in die Massenproduktion und machte ihr Wissen für alle Menschen zugänglich – dennoch war seine Anerkennung zu Lebzeiten gering. Den großen Durchbruch seiner Erfindung machte ein anderer möglich.

Bis Bücher zum Alltag gehörten, war es ein weiter Weg

Regale voller Bücher schmücken heute viele Wände. In öffentlichen Bibliotheken sind sie unbegrenzt zugänglich, werden in Schulranzen in den Unterricht getragen und unter Freunden ausgetauscht. Bücher gehören seit vielen Jahrzehnten zu unserer Normalität, aber bis hierhin war es weiter Weg.

Seit der Antike wurden Bücher per Hand geschrieben und kopiert. Zwar erschien bereits im Jahr 868 das erste gedruckte Buch, allerdings wurden die Seiten mittels geschnitzter Holzplatten aufs Papier gebracht und die Herstellung war wenig effektiv. Von Effektivität kann in den darauffolgenden Jahrhunderten allerdings auch kaum die Rede sein. Ein Buch, das per Hand geschrieben oder kopiert wurde, konnte Jahre in Anspruch nehmen. Viele Exemplare wurden durch Zeichnungen ergänzt und aufwendig verziert – die Kosten waren dementsprechend hoch. Ein Buch galt damals in erster Linie als Wissensspeicher und war fast ausschließlich in den Häusern der Reichen zu finden.

Die Anfänge des Buchdrucks liegen in Straßburg

Der Mann, der den Wert und die Bedeutung von Büchern maßgeblich verändern sollte, wurde um 1400 als Johannes Gensfleisch in Mainz geboren. Johannes war das dritte Kind des Kaufmanns Friedrich Gensfleisch und dessen zweiter Frau Else. Sein späterer Rufname "Gutenberg" leitet sich vom Hof zum Gutenberg ab, auf dem er mit seiner Familie lebte. Man geht davon aus, dass Gutenberg als Kind einer Patrizierfamilie eine gute Schulbildung genoss und möglicherweise in Erfurt studierte, gesichert ist das jedoch nicht.

Erst das spätere Leben Gutenbergs, ab den Jahr 1434 ist heute sicher belegt. Damals hielt er sich in Straßburg auf, einer der größten Handelsstädte im Deutschen Reich, und tüftelte an einem Verfahren, um Bücher schnell und kostengünstig herzustellen. Dafür baute er bewegliche Klötzchen aus Blei, die mit Buchstaben und Satzzeichen versehen waren; sogenannte Bleilettern. Mit ihnen ließ sich jedes beliebige Wort setzen. Aus Ruß, Öl und Harzen entwickelte Gutenberg anschließend eine besondere Tinte, oder Druckerschwärze, die sich aufgrund ihrer Zähflüssigkeit gut zum Drucken eignete. Seine Erfindungen brachte er zusammen in der heute berühmten Druckerpresse, die mithilfe von eingespannten Drucktafeln die Buchstaben und Zeichen der Bleiletter auf Papier druckte.


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Gutenberg verlor sein Vermögen in einem Rechtsstreit

In einem Regal, vermutlich in einer Bibliothek, stehen nebeneinander gereiht einige sehr alte Bücher.
Ohne Johannes Gutenberg könnten wir heute womöglich nicht so leicht auf Bücher zugreifen. © imago stock&people, imago

Gegen 1448 kehrte Gutenberg zurück in seine Geburtsstadt Mainz und brachte seine Erfindung mithilfe eines reichen Kaufmannes zur Marktreife. In den darauffolgenden Jahren wurden so vor allem lateinische Bibeln und Kleindrucke wie Wörterbücher, Kurzgrammatiken, Ablassbriefe und Kalender hergestellt.

Allzu lange war dem Mainzer der Erfolg allerdings nicht vergönnt. Im Jahr 1455 wurde Gutenberg in einen Rechtsstreit verwickelt, der ihn um einen Großteil seines Vermögens brachte. Einer seiner Geldgeber beschuldigte Gutenberg, Geld, das er ausschließlich für den Druck von Bibeln hätte verwenden dürfen, anderweitig ausgegeben zu haben. Das Gericht gab dem Kläger Recht, Gutenberg wurde verurteilt und musste seine Bibel-Druckerei sowie einen Teil der gedruckten Werke abgeben.

Ein Lebensende ohne Anerkennung?

Zwar gründete Gutenberg in der Nähe seines Elternhauses eine weitere Druckerei, doch das sein Lebenswerk am Ende die Anerkennung fand, die wir ihm heute beimessen, gilt als unwahrscheinlich. Einige Historiker gehen davon aus, dass Gutenberg verarmt und vergessen starb. Dass allerdings Adolf von Nassau Gutenberg 1465 in sein Hofgesinde aufnahm, wird von anderen zumindest als kleines Zeichen der Anerkennung interpretiert.

Der Todestag von Johannes Gutenberg ist nicht überliefert. Lange hielt sich die Ansicht, er sei am 3. Februar 1468 gestorben – das erwies sich jedoch als Irrtum und ging auf ein Dokument zurück, das als Fälschung erkannte wurde. Beerdigt wurde Gutenberg in der Mainzer Franziskanerkirche, die im 18. Jahrhundert abgerissen wurde. Sein Grab ist heute nicht mehr auffindbar.

Erst mit Martin Luther kam der Durchbruch

Den großen Aufschwung der Buchprodukten erlebte Gutenberg nicht mehr. Erst mit der Reformation und dem Wirken Martin Luthers stieg die Zahl der gedruckten Bücher ab 1517 sprunghaft an. Im Deutschen Reich werden damals innerhalb von nicht einmal drei Jahren etwa 700.000 lutherische Schriften und Bücher verbreitet – darunter natürlich die Bibel, die von Luther ins Deutsche übersetzt wurde. Aber auch Flugblätter gingen erstmals in Massenproduktion und waren bald gängiges Mittel, um politische Botschaften schnell und kostengünstig zu verbreiten. Nur zu Erinnerung: Vor dem Buchdruck mussten derlei Informationen von Botschaftern in die Ortschaften gebracht und verbreitet werden.

Gutenbergs Buchdruck markierte den Beginn einer Medienrevolution. Nicht ohne Grund wurde seine Erfindung 1997 vom US-Magazin Time-Life zur bedeutendsten des zweiten Jahrtausends gewählt. 1999 kürte das amerikanische A&E Network Gutenberg zum "Mann des Jahrtausends". Durch die Druckerpresse wurden Bücher und das in ihnen gesammelte Wissen für mehr Menschen verfügbar. In den Jahrzehnten nach der berühmten Erfindung lernten immer mehr Menschen lesen und schreiben und erschlossen sich Welten, die ihnen vorher nicht zugänglich waren. Mit dieser Entwicklung wandelte sich auch der Nutzen von Büchern. Sie waren nicht länger nur Wissensspeicher, sondern regten Diskussionen und Austausch an und galten auch der Unterhaltung.



Quellen: Informationsseite zu Johannes Gutenberg der Stadt Mainz, Gutenberg Stiftung, "Die Entwicklung der Buchdruckerkunst im 15. Jahrhundert" von der Johannes Gutenberg Universität Mainz, TIME magazine

Hinweis: Dieser Artikel von Svenja Napp erschien zuerst an dieser Stelle bei stern.de.