Treten Urlauber die zweite Corona-Welle los?

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Mallorca GER, Themenfoto, Urlaub auf Mallorca, Tourismus in Zeiten der Corona-Pandemie, Sommerurlaub, 21.06.2020 GER, Th © imago images/Eibner, Eibner-Pressefoto/Dimitri Drofit via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Wie groß ist die Gefahr?

In Urlaubsländern wie Kroatien steigen die Infektionszahlen stark an, andere Reiseländer kämpfen gegen akute Ausbrüche, in wieder anderen kann sich die Pandemie-Situation schnell verändern. Kann der langersehnte Sommerurlaub zur Gefahr werden? Und treten Reiserückkehrer in Deutschland sogar die zweite Corona-Welle los?

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Wie ist die Lage in den Urlaubsländern?

Die Sommerferien haben in einigen Ländern begonnen und pünktlich zur Sommerzeit wurden die Reisewarnungen für viele Länder aufgehoben. Die Urlaubsflieger sind wieder in der Luft und bringen Touristen an die sonnigen Strände des Mittelmeers. Doch gleichzeitig erreichen uns Meldungen über steigende Infektionszahlen, beispielsweise aus Kroatien. 

Wie hoch ist das Risiko, dass deutsche Urlauber das Virus mit zurück nach Hause bringen und hier eine zweite Welle starten?

Österreichs Behörden nennen Reisen nach Kroatien deshalb ein "hohes Sicherheitsrisiko". Mit "anhaltenden Einschränkungen im Flug- und Reiseverkehr" sowie mit "weitgehenden Einschränkungen im öffentlichen Leben" sei bis auf Weiteres zu rechnen, berichtet NTV. Das Nachbarland Slowenien strich Kroatien von der Liste der sicheren Länder, hatte zuletzt aber selbst ebenfalls steigende Zahlen.

Auch Spanien macht aktuell wieder Corona-Schlagzeilen, weil nach Ausbrüchen mehrere Gebiete erneut in den Lockdown geschickt werden mussten. Italien erwägt Zwangseinweisungen von behandlungsunwilligen Covid-19-Patienten, um ein erneutes Aufflammen der Pandemie zu unterbinden, Oberösterreich führt wegen steigender Neuinfektionen die Maskenpflicht wieder ein, in Griechenland haben sich mehrere Dutzend über Bulgarien eingereiste Touristen infiziert.

Bisher bleiben die Zahlen dennoch niedrig

Solche Meldungen darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Doch wenn man die Statistiken zu den Urlaubsländern ohne Reisewarnung genauer betrachtet, gibt es bisher noch keinen Anlass, beunruhigt zu sein. Selbst in Kroatien sind die absoluten Zahlen relativ niedrig. Am 3. Juli erreichten die täglichen Neuinfektionen mit 96 gemeldeten Fällen einen Höchststand, zuletzt waren es 57 und 69 Fälle.

So kam Kroatien in den vergangenen Tagen durchschnittlich auf 12,1 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, eine Inzidenz, die kein deutsches Bundesland in Aufregung versetzen würde. Spanien hat eine Inzidenz von 6,0, Frankreich von 6,1. Italien liegt bei 2,3, Griechenland bei 1,6, die Schweiz bei 7,7, die Inzidenz von Österreich beträgt aktuell 7,5.

Portugal hat eine 7-Tage-Inzidenz von 21,6, was deutlich mehr als in Kroatien ist. Trotzdem wurde am 1. Juli im Einvernehmen mit Madrid die gemeinsame Landesgrenze wieder geöffnet. Warum das so ist, kann man auf der Info-Seite des Auswärtigen Amtes sehen. Dort heißt es, die Zunahme von Neuinfektionen in Portugal sei auf einen regionalen Schwerpunkt im Großraum Lissabon zurückzuführen. Betroffen seien dort 19 nicht touristische Gemeinden. 

Wie die 7-Tage-Inzidenz aktuell in Ihrer Region aussieht, können Sie auf unserer interaktiven Karte nachsehen. 

Urlaub darf in diesem Jahr keine Party werden

Der Punkt ist ganz wichtig, denn es kommt immer darauf an, wo und warum in einem Land die Neuinfektionen zunehmen. So sind in Spanien ähnlich wie in deutschen Regionen laut "Tagesschau.de" besonders oft ausländische Erntehelfer von landwirtschaftlichen Großbetrieben betroffen. Das ist ein Problem, aber nicht unbedingt für Spanien-Touristen.

Das gilt für fast alle Urlaubsgebiete in europäischen Ländern, für die es keine Reisewarnung gibt. Steigende Neuinfektionen sind oft auf lokale Ausbrüche in Regionen zurückzuführen, in die sich Touristen selten verirren. Aber deshalb darf man sich an seinem Urlaubsort auch nicht zu sicher fühlen. Hier gilt das Gleiche wie zu Hause: Partys - ob erlaubt oder nicht - in geschlossenen Räumen und mit vielen Menschen sind ein absolutes No-Go. Vor Ihrer Reise sollten Sie sich über die vor Ort geltenden Corona-Regeln informieren. 

So ist der Ausbruch in der Region La Mariña in der spanischen Provinz beispielsweise auf eine wilde Feier von jungen Leuten in Kneipen zurückzuführen. ARD-Korrespondent Clemens Verenkotte sieht so ein Verhalten auch als Ursache dafür, dass Kroatiens Hauptstadt zum Hotspot wurde. "Größtenteils junge Leute gehen in Clubs, Partys. Und da kümmert sich wirklich, was das angeht, in der Altersgruppe kein Mensch darum", sagte er Radioeins.

Risiko im Urlaub kaum höher als zuhause

Die Situationen können sich schnell ändern, aber aktuell kann man wohl davon ausgehen, dass Touristen, die sich vernünftig verhalten, Abstandsregeln und Maskenpflichten einhalten, im Urlaub kaum einem höheren Risiko ausgesetzt sind als zu Hause. Wichtig ist, dass man sich informiert, wie die Lage direkt am Urlaubsort ist und welche Regeln dort gelten.

Das höchste Risiko besteht wahrscheinlich im Flugzeug, Zug oder Bus auf dem Weg zum Urlaubsort und zurück, da sind sich Virologen weitgehend einig. Denn dann befindet man sich mit vielen Menschen in geschlossenen Räumen, ohne einen Sicherheitsabstand einhalten zu können.

Gefährlich kann das auch bei Flugreisen trotz Hepa-Filtern werden, die Viren zurückhalten, beispielsweise wenn vor dem Abflug die Belüftung noch nicht läuft. Aber auch unterwegs kann man sich im Flieger anstecken, vor allem, wenn alle Plätze besetzt sind. Virologe Jonas Schmidt-Chanasit sagte dem Deutschlandfunk: "Je länger Sie fliegen, desto größer wird auch die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Übertragungen kommen kann."

Wie sich die Lage an den Urlaubsorten in der Hochsaison entwickelt, ob Partys außer Kontrolle geraten, Behörden bei Infektionsfällen nicht schnell genug reagieren oder Flugreisen vielleicht doch gefährlicher sind als erwartet, weiß man nicht. Klar ist, dass die Neuinfektionen zunehmen werden, das ist der Preis für jede Reisefreiheit in einer Pandemie. Derzeit kann man aber davon ausgehen, dass Urlauber in einem Land, für das es keine Reisewarnung gibt, kein sehr viel höheres Risiko haben, an Covid-19 zu erkranken als zu Hause.

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