Coronavirus erreicht Deutschland: Was bedeutet das für uns?

24.01.2020, China, Peking: Passagiere mit Mundschutz drängen sich in der Abflughalle des Flughafens «Beijing Capital International Airport». China hat eine Sperre für öffentliche Verkehrsmittel und Flughäfen in verschiedenen Städten eingeführt, um di
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Coronavirus erreicht Deutschland

Das Coronavirus hat auch Deutschland erreicht. In Bayern sind mehrere Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert worden. Weltweit haben sich mehr als 70.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, die Zahl der Toten stieg mittlerweile auf rund 2.000. Betroffene gibt es vor allem in China, aber auch in Thailand, Japan, Vietnam, Singapur, Malaysia, Nepal, Australien, Südkorea, Taiwan, Kanada, mehrere Fälle in den USA und Frankreich: Das Coronavirus breitet sich immer weiter aus. Die chinesische Millionenstadt Wuhan sowie weitere Städte haben ihre Verkehrsverbindungen nach außen bereits gekappt. Aus Angst vor dem Virus schloss die Mongolei am Montag ihre Grenze zu China. Auch Teile der Chinesischen Mauer wurden gesperrt. Stellt sich die Frage: Was bedeutet das für uns in Deutschland? Wie können wir uns schützen? Und was sollten Reisende beachten? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Was ist das Coronavirus?

Es gibt viele verschiedene Varianten des Coronavirus. Das Problem: Ähnlich wie der Grippevirus können sich Coronaviren schnell verändern. Darum spricht man im aktuellen Fall auch von einem "neuen" Coronavirus. Grundsätzlich verursacht das Virus bei uns Menschen Erkankungen des Atemtrakts. Symptome sind ähnlich wie bei einer Grippe und können von Fieber über Atembeschwerden bis zu Lungenentzündungen reichen. Im schlimmsten Fall kann es zu Organversagen und zum Tod kommen. 

Wie wird das neue "China-Virus" übertragen?

Wie sich das neue Coronavirus genau überträgt, ist wie bei allen neuen Krankheiten am Anfang schwer zu sagen, erklärt René Gottschalk, Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts. Vermutet wird eine Übertragung wie bei anderen Coronaviren (z.B. auch SARS oder MERS) vom Tier auf den Menschen. Starke Hinweise gibt es laut Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut, darauf, dass Fledermäuse ursächlich für die Übertragung sein könnten. Bewiesen sei das aber bislang nicht. Hier seien noch weitere Analysen notwendig, erklärt er im RTL-Interview.

Bei dem aktuellen Coronavirus ist darüber hinaus bereits eine Übertragung von Mensch zu Mensch nachgewiesen worden. Übertragen wird das Virus vermutlich über Tröpfchen. Auch Husten, Niesen und Händeschütteln sind darum mögliche Übertragungswege. 

Coronavirus-Therapie: Wie läuft die Behandlung ab?

Die eine Therapie gibt es aktuell noch nicht, so Virologe Dr. Markus Frühwein. "Es ist eine Viruserkrankung und man kann es nur symptomatisch behandeln. Die Chance ist aber sehr gut, dass man das Ganze überlebt. Die Todesfälle waren hauptsächlich ältere und schon vorerkrankte Menschen. Als junger, gesunder Mensch ist das Risiko relativ gering."

Wie gefährlich ist die Lungenkrankheit aus China für uns in Deutschland?

Die Zahl der am Coronavirus Erkrankten steigt täglich, hinzu kommen Fälle in verschiedenen Ländern weltweit. Besteht die Gefahr einer neuen Pandemie - auch bei uns in Deutschland? Gesundheitsminister Jens Spahn sagt, es gäbe "keinen Anlass zu Unruhe oder unnötigem Alarmismus". Was sagen Gesundheitsexperten?

Wie gefährlich das Virus ist, ist im Moment noch schwer zu sagen, erklärt Dr. Frühwein. "Ich glaube, wir werden noch eine ziemliche Ausbreitung über die Kontinente sehen, aber eher in Einzelfällen. Ich glaube, dass wir uns keine großen Sorgen machen müssen wegen einer Pandemie oder dass wir in Deutschland die Häuser nicht mehr verlassen können."

Auch René Gottschalk gibt Entwarnung: "Ich würde gar nicht von Gefahr sprechen. Wir werden auf jeden Fall Fälle sehen. Das breitet sich sehr schnell aus. Wir haben das damals 2003 auch bei SARS gesehen, das kann man gar nicht verhindern, aber eine Gefahr besteht zunächst erstmal nicht."

Am Coronavirus erkanken können laut Dr. Frühwein vor allem Personen, die viel Kontakt zu anderen Menschen haben - vor allem zu Reisenden aus China. Ansonsten ist das Virus gefährlich für Leute, die bereits Vorerkrankungen haben. ​

Grippe oder Coronavirus?

Wer aktuell an typischen Grippe-Symptomen leidet, sollte aber keine Panik bekommen, rät Schmidt-Chanasit. "Wir sind jetzt genau am Beginn der Grippe-Saison. Das neue Coronavirus verhält sich ähnlich, hat wahrscheinlich eine ähnliche Sterblichkeit, überträgt sich vermutlich sogar ein bisschen schlechter als das Grippe-Virus. Insofern ist es durchaus angebracht, das Ganze zu beobachten, Ruhe zu bewahren, aber keiner muss sich Sorgen machen, was dieses neue Coronavirus in Deutschland betrifft."

Auf das Coronavirus testen lassen muss man sich bei Beschwerden aber nicht - vor allem, wenn man nicht gerade nach Asien gereist ist, so Schmidt-Chanasit. Zuerst sollte man sich auf Grippe-Viren testen lassen, das sei in dem Fall viel relevanter und viel wahrscheinlicher. 

Wie gut ist Deutschland auf das Coronavirus vorbereitet?

"Die Ausbreitung des Virus kann man nicht verhindern. Man kann aber verhindern, dass die Menschen, die betroffen sind, andere anstecken." Dabei gehe es vor allem darum, Personen, die in Verdacht stehen, an dem Virus erkrankt zu sein, schnell ausfindig zu machen, eine Diagnose zu stellen und Patienten schnell zu behandeln, erklärt Gottschalk. Bundesweit haben sich Krankenhäuser auf Coronavirus-Fälle vorbereitet.

Die größte Wahrscheinlichkeit, dass sich das Virus verbreitet, besteht laut Gottschalk an Flughäfen. Am Flughafen Frankfurt sei man speziell darauf vorbereitet, erklärt er. Das Aufstellen von Temperaturmessungsgeräten - wie es in Asien gemacht wird - bringt seiner Erfahrung nach gar nichts. Stattdessen zieht speziell geschultes Flughafenpersonal krank aussehende Reisende heraus und isoliert sie im Krankenhaus, wo sie auf das Virus untersucht und behandelt werden.

Was sollten Reisende beachten?

Bislang wird aufgrund des Coronavirus nur vor Reisen in die Provinz Hubei gewarnt. Aktuelle Empfehlungen für Urlauber gibt das Auswärtige Amt. Für China allerdings rät das Auswärtige Amt derzeit, nicht notwendige Reisen nach Möglichkeit zu verschieben. In anderen asiatischen Länder geht es dagegen deutlich entspannter zu, erklärt RTL-Reiseexperte Ralf Benkö.

Bei einigen Reiseveranstaltern sind Reisen nach China aktuell stornierbar, andere haben Reisen nach China komplett angesagt. Was Urlauber aktuell zu ihren Asien-Reisen wissen sollten, erklärt der Reiseexperte hier.

Wie kann ich mich vor dem Coronavirus schützen?

Schützen können wir uns vor dem Coronavirus am besten durch Abstand zu jedem erkrankten Mensch oder Tier, erklärt Gottschalk. "Das reicht völlig aus. Das Virus kann nicht fliegen, sondern es wird als Tröpfchen übertragen, da sind wir mit einem Meter Abstand im sicheren Bereich. Und vor allem: oft die Hände waschen."

Viele Menschen greifen aktuell zudem auf Atemschutzmasken zurück. Ob ein Mundschutz wirklich vor dem Coronavirus schützen kann, erklären wir hier.

Impfstoffe, die gegen Coronaviren schützen, seien viel leichter zu entwickeln als Vakzine gegen Krankheiten wie Malaria oder HIV. "Trotzdem wird es bis zu ersten klinischen Versuchen Monate dauern und mindestens ein Jahr, bevor ein Impfstoff zur Anwendung verfügbar ist", sagte Seth Berkley, Geschäftsführer der globalen Impfallianz Gavi. In Australien meldeten Wissenschaftler einen Durchbruch: Die Forscher konnten das Coronavirus nachzüchten. Nunmehr könne in Zusammenarbeit mit anderen Instituten und der Weltgesundheitsorganisation WHO an einem Gegenmittel gearbeitet werden.