Corona macht die Welt ganz leise

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So schön und jetzt auch leise: In der Corona-Krise macht auch der Lärm auf der Erde Pause. © imago images/Panthermedia, ixstudio , via www.imago-images.de, www.imago-images.de

So still wie sonst nur an Heiligabend

Geowissenschaftler haben die Welt noch nie so lange so leise erlebt. Die weltumspannende Corona-Krise lässt die Erde ganz leise werden, so berichtet die Wissenschaftsseite „NatureResearch". Der Grund ist der fehlende menschliche Lärm, das seismische Rauschen durch Verkehr und Industrie. Unsere Welt ist so still wie sonst nur an Heiligabend.

Seismologen können die Erde jetzt besser „hören”

ARCHIV - 28.03.2020, Hamburg: Auf Hamburgs wichtigster Ost-West-Verbindung, der Ludwig-Erhard-Straße, sind am frühen Sonnabendnachmittag kaum Fahrzeuge unterwegs. Die Menschen in Hamburg halten sich nach Angaben der Polizei auch auf leeren Straßen un
Hamburgs wichtigste Ost-West-Verbindung, die Ludwig-Erhard-Straße, Wo vor ein paar Wochen noch dicker Verkehr herrschte, ist nun Stille eingetreten. © dpa, Markus Scholz

Das, was jetzt die empfindlichen Messgeräte der Forscher aufzeichnen, ist frei von Menschenlärm: Die Wellen des Meeres, das Grollen von Vulkanen, das Aufeinandertreffen der Erdplatten. Seismologen, die die Erdbewegung untersuchen, berichten von einem Rückgang des seismischen Lärms - dem Summen der Schwingungen in der Erdkruste -, der auf das Runterfahren von Transport und anderen menschlichen Aktivitäten zurückzuführen sei. 

Großer Stein am Strand, von Wasser in der Brandung umspült, Ostseeküste bei Bakenberg, Rügen, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland, Europa *** Large stone on the beach by water in the surf coast at Beacon Hill lapped Rügen, Mecklenburg-Vorpommern Germ
Die Wellen des Meeres sind Geräusche, die jetzt besser zu messen sind. © imago/imagebroker, imageBROKER/Kevin Prönnecke, imago stock&people

Kleine Erdbeben wieder hörbar

Für die Wissenschaft ist diese Lärmpause ein Segen. Sie sagen, dies könnte es Detektoren ermöglichen, kleinere Erdbeben zu erkennen, die sonst im Lärm der Erde untergegangen wären. Auch Vulkanaktivitäten und andere seismische Ereignisse werden jetzt messbar.

Das gibt es sonst nur an Weihnachten

Eine Lärmreduzierung dieser Größenordnung wird normalerweise nur kurz um Weihnachten erlebt, so Thomas Lecocq, Seismologe am Königlichen Observatorium von Belgien in Brüssel, wo der Rückgang beobachtet wurde.

Bessere Erdbebenmessung durch Corona-Shutdown

Ein Seismograph zeichnet am 23.12.2003 im USGS Center (US Geological Survey) in Caltech im US-Bundesstaat Kalifornien die Erdstöße während des San Simeon Erdbebens auf. Das Erdbeben der Stärke 6,5 auf der Richterskala ereignete sich nahe der Ortschaf
Der Corona-Shutdown könnte für die Erdbebenmessungen eine Chance sein. © picture-alliance / dpa, epa Jeff Tran

Ein kostbarer Nebeneffekt der Lärmpause: Die Messgeräte können lernen. Ein Rückgang des vom Menschen verursachten Rauschens könnte nämlich die Empfindlichkeit der Detektoren gegenüber natürlichen Wellen bei ähnlichen Frequenzen erhöhen, sagt Lecocq. Sein Team plant, dies zu testen.  "Es besteht tatsächlich eine große Chance, dass dies zu besseren Messungen führt", sagt auch Andy Frassetto, Seismologe an den Incorporated Research Institutions for Seismology in Washington, DC. 

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