Jena plant als erste deutsche Großstadt Maskenpflicht für Einkäufe

Corona-Bekämpfung in Jena: Nur noch mit Mundschutz, Schal oder Tuch zum Einkaufen

"Der Krisenstab der Stadt Jena hat entschieden, die Pflicht zum Tragen einer Maske schrittweise einzuführen", teilt die Stadt Jena auf ihren Social-Media-Plattformen mit. Ein schlichter Satz, der bedeutet: Die erste deutsche Großstadt führt eine Mundschutz-Pflicht ein, wie es Österreich am Montag bereits zum Einkaufen festgelegt hat. In Jena soll diese Pflicht ab kommender Woche gelten.

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"Nähen Sie für sich selbst und für andere Menschen den wichtigen Mund-Nasen-Schutz"

Die Stadtverwaltung beschreibt diesen Schritt auf Facebook als Mittel zum Schutz aller Menschen in Jena. Es gebe einen Grundvorrat an Masken für Pflegekräfte, Ärzte und die Menschen in der systemrelevanten Infrastruktur. 

"Beim Betreten von Geschäften, im Nahverkehr und überall dort, wo Mindestabstände nicht mehr eingehalten werden können, sollen solche Masken getragen werden", heißt es in der Mitteilung weiter. Wie sollen alle Menschen in Jena an Masken kommen? Einfache Antwort in der Facebook-Mitteilung: "Nähen Sie für sich selbst und für andere Menschen den wichtigen Mund-Nasen-Schutz, um die Verbreitung des Virus einzudämmen." Wie Sie Masken selbst nähen, lesen Sie hier. Die Pflicht soll in Jena ab der kommenden Woche gelten.

Jena plant stufenweise Einführung der Maskenpflicht

Die stufenweise Einführung der Maskenpflicht soll so aussehen: "Wir werden anfangen mit Dienstleistungen, wo der Anderthalb-Meter-Abstand nicht einzuhalten ist. Dann wird Nahverkehr und Einzelhandel nachziehen, weil da auch Nähe zu anderen Menschen manchmal unvermeidlich ist. Und erst im dritten Schritt soll es dann überall in geschlossenen Räumen gelten.", sagte Pressesprecher Kristian Philler in einem RTL-Interview.

Die Stadt Jena will durch diese Maßnahme den zweiten Schritt gehen. "Wir haben sehr erfolgreich den ersten Schritt gemacht, indem wir Reiserückkehrer sehr konsequent in Quarantäne gesteckt haben, wenn sie aus Risikogebieten kamen. Jetzt geht es darum, die Ausbreitung des Virus innerhalb der Stadt zu vermeiden. Das heißt, Tröpfcheninfektion unterbinden. Die Masken schützen nicht den, der sie trägt. Sondern primär die Leute um diejenigen herum. Und das ist der Schritt, den wir jetzt gehen wollen.", so Philler weiter. Und der Oberbürgermeister hat noch eine pragmatische Empfehlung: "Im Prinzip hilft alles, was man sich vor Mund und Nase binden kann, kann auch ein Schal sein. das ist zwar kein 100 Prozent-Schutz, das ist völlig klar.", so Thomas Nitzsche.

Dabei ist der Nutzen der Masken umstritten: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus keinen Nutzen im allgemeinen Mundschutz-Tragen. Es gebe keinerlei Anzeichen dafür, dass damit etwas gewonnen wäre, sagte der WHO-Nothilfedirektor Michael Ryan. Vielmehr gebe es zusätzliche Risiken, wenn Menschen die Masken falsch abnähmen und sich dabei womöglich infizierten.

"Wir haben -und das wird auch so bleiben- ausreichend Masken für die sensiblen Bereiche"

Für alle Bewohner gibt es nicht genügend Masken. Für systemrelevante Berufsgruppen gibt die Stadt Entwarnung: "Wir haben - und das wird auch so bleiben - ausreichend Masken für die sensiblen Bereiche. Das Gesundheitswesen, die systemkritische Infrastruktur. Da können wir die Kolleginnen und Kollegen mit Masken ausstatten. Aber es reicht eben nicht für die Bevölkerung allgemein."

Die Maskenpflicht ersetzt aber nicht das Distanz-Gebot: 1,5 Meter sollen nach wie vor eingehalten werden. Außerdem muss eine Maske täglich gereinigt werden.