„Seid ihr eigentlich alle Baller-Mann?“

Constanze Rick zu Mallorca-Situation
Mallorca ist die Zweitheimat von Kolumnistin Constanze Rick. Was die Ballermann-Touris abziehen, sollte nicht für alle Konsequenzen haben. © RTL

Quarantäne-Forderung für alle Mallorca-Urlauber

14 Tage Quarantäne für alle Mallorca-Heimkehrer gefordert? Da geht mir die Hutschnur hoch! Ich habe bisher grundsätzlich immer auf Aussagen von Ärzten, Experten, Virologen und Co. gehört und vertraut, nach dem Motto: „Die werden schon das Beste für uns meinen und machen.“

Aber was der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebunds, Prof. Dr. Ulrich Montgomery da zur Balla-Ballermann-Feierei des vergangenen Wochenendes in Corona-Zeiten raushustet – sorry, da hyperventiliere ich unter meiner Schutzmaske.

von Constanze Rick

Mallorca ist NICHT der Ballermann

"Wer heute nach Mallorca fährt, der läuft durchaus Gefahr, wenn er wiederkommt, erst mal in Quarantäne zu müssen." Echt jetzt? Eine zweiwöchige Quarantäne für ALLE Mallorca-Urlauber?! Ich bin schwer enttäuscht, dass da so pauschalisiert wird– das ist einfach nur populistisch.

Das arme Mallorca, auf ewig auf die „verdammte Meile“ heruntergebrochen, ist NICHT der Ballermann. Die Insel hat insgesamt 3640 Quadratkilometer. Die Bierstraße, wo die gedankenlose Party-Gemeinde gesoffen hat - Balneario 6 - befindet sich an einer Strecke von Strandlokalen, die insgesamt 4,5 Kilometer lang ist. Da hat man schon ein bisschen Luft zwischen den Sauf- und den Normal-Touristen, die manchmal nicht mal wirklich wissen, wo der Ballermann überhaupt ist.

Die Partytröten gefährden eine ganze Community

Die unzähligen Menschen, die völlig gesittet Urlaub machen und sich entspannen, mit den Corona-Chaoten vom Ballermann in einen Topf zu werfen und nach dem Urlaub in Schutzhaft zu nehmen, das schreit zum Himmel.  

Auch ich habe mich tierisch über die Videos feiernder, grölender, besoffener Deutscher in der Bierstraße aufgeregt, weil die Partytröten natürlich eine ganze Community gefährden. Bei so viel Egoismus schwillt mir der Kamm, denn ich habe in meiner Zweitheimat Palma am Wochenende gerade wieder selbst gesehen, wie verantwortungsvoll viele Mallorquiner und Touristen mit der Gefahr umgehen. Die Gastwirte, die sehr bemüht sind alles korrekt umzusetzen, die Menschen vor Ort, die schon vor der Verschärfung der Maskenpflicht (im Gegensatz zu meiner Home-Base in Köln) auf der Straße mit Schutzmasken unterwegs waren.

Bestraft doch die, die sich daneben benehmen!

Da will ich unseren Experten und Politikern zurufen: Habt doch den Mut die zu bestrafen, die sich daneben benehmen. Lasst doch verbotene Partys und Zusammenrottungen – egal ob in Bulgarien (wie zuletzt hier am Goldstrand), Nizza, oder auf Mallorca - echte Konsequenzen haben. Dann fliegen die Unverbesserlichen halt raus – Koffer packen – weg und Einreise-Verbot. Vielleicht bringt das einen Lerneffekt.  

Fakt ist: Die Mallorquiner haben der Infektion den Kampf angesagt. Die verschärfte Maskenpflicht gilt seit dem 13. Juli. Und die Kollegen der Mallorca Zeitung berichten heute, dass die Regierung der Balearen mit der Justiz daran arbeitet, Menschenansammlungen und illegale Partys schneller zu kontrollieren und zu stoppen.

Wenn Professor Montgomery meint, dass WIR hier in Deutschland zu lax mit der Situation der Rückreise umgehen – und zwar generell, dann gebe ich ihm Recht. Denn aktuell dürften Mallorca-Rückreisende nicht weniger ansteckend sein, als die aus Kroatien oder Italien. Aber wer kontrolliert das?

Für die Einreise nach Spanien benötigt man seit dem 15.Juni ein Formular zur Gesundheitskontrolle. Außerdem messen Gesundheitskontrolleure (in der Hoffnung, dass das was bringt) die Temperatur der Passagiere, die während der ganzen Zeit am Flughafen den Mundschutz tragen müssen, was auch überwacht wird.  

Bei unserer Rückreise nach Düsseldorf habe ich solche Maßnahmen vermisst – da kamen Maschinen aus der Türkei, Italien, Spanien zurück und schon in der Ankunftshalle war bei einigen die Schutzmaske ab. Und ich habe nicht gesehen, dass da irgendjemand kontrolliert hätte…

Ich wünsche mir ein Anti-Corona-Konzept für ALLE

Wir müssen alle aufpassen – nicht nur am Ballermann, nicht nur auf Mallorca. Das Corona-Problem wird uns länger beschäftigen, als wir alle gedacht haben. Und ja – auch Experten machen Fehler oder hauen manchmal Parolen raus, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Was ich mir aber wünschen würde, wäre nicht dieser ausgefranste, wilde Aktionismus der Experten und Politiker, sondern, dass endlich mal alle schlauen Köpfe an einen Tisch kommen um gemeinsam und besonnen ein Anti-Corona-Konzept für uns ALLE in Europa und der Welt zu entwickeln.