Zwischenbilanz nach Paris 2015 - und was kommt nach dem klimafreundlichen Corona-Jahr?

CO2 - Soviel sparen die Länder wirklich ein

Das Kraftwerk Niederaußem von der RWE Power. Bergheim-Niederaußem, 19.09.2017 Foto:xC.xHardtx/xFuturexImage
Für die Zeit nach Corona müssen mehr Anstrengungen unternommen werden, damit die Welt die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreichen kann, um die Erwärmung deutlich unter 2 Grad zu halten. © imago images / Future Image, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

CO2-Emissionen senken war das Ziel - Wie schneidet die Welt ab?

Die Treibhausgas-Emissionen schrumpfen, die Klimaanstrengungen zeigen Wirkung - aber die Klimakrise bleibt vorerst. Eine neue Studie zeigt, wie die Länder weltweit in Sachen CO2 abschneiden. Nach dem Abschluss des Pariser Klimavertrags von 2015 sind in 64 Ländern die Emissionen im Zeitraum zwischen 2016 und 2019 im Vergleich zu den fünf Jahren davor gesunken. In 150 Ländern hingegen sind sie weiter gestiegen.

Es geht um zwei Gigatonnen weniger CO2

Das berichten die Forscher der University of East Anglia, der Standford University und des Global Carbon Project in einer neuen Studie im Fachmagazain „Nature Climate Change“. Seit dem Abkommen ergibt sich laut den Berechnungen der Experten ein Anstieg der Emissionen um 0,21 Gigatonnen pro Jahr im Vergleich zu den fünf Jahren davor. Ein bis zwei Gigatonnen Reduzierung wären jedoch nötig, wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, die die Erderwärmung auf zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzen.

Die wohlhabenden Staaten haben schon etwas vorzuweisen

In 25 von 36 Ländern mit hohem Einkommen gingen die Emissionen zurück, darunter Großbritannien (im Schnitt -3, Prozent pro Jahr) und die USA (-0, Prozent). Deutschland liegt mit -1,3 Prozent im oberen Mittelfeld der Länder mit hohem Einkommen.

Es reicht noch nicht

„In einer Untergruppe von Ländern beginnen sich die Bemühungen zur Reduzierung der CO2-Emissionen auszuzahlen, aber die Maßnahmen reichen noch nicht aus.“ sagt Robbie Andrew, Senior Researcher bei „Cicero“.

Treibhausgase weltweit
2014 wurden weltweit Treibhausgase in Höhe von rund 45,74 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalent ausgestoßen Quelle: WRI/Statista

Länder mit mittleren Einkommen tun sich schwerer

Auch in 33 von 99 Ländern mit mittlerem Einkommen gingen die Emissionen zurück, wie in Mexiko mit -1,3 Prozent. In anderen Ländern aus dieser Gruppe sank der jährliche Anstieg der CO2-Emissionen, aber die Menge insgesamt nicht. In China stiegen die Emissionen deutlich langsamer (0,4 Prozent). Im Zeitraum von 2011 bis 2015 war der Treibhausgasausstoß des Landes dagegen noch um jährlich 6,2 Prozent gewachsen.

Diese Länder haben insgesamt pro Jahr ihre Emissionen um 0,16 Mrd. Tonnen reduziert, nötig wären jedoch 1,5 Mrd. Tonnen.

Steigerungen von Emissionen in ärmeren Ländern

Teils deutliche Steigerungen von Emissionen gab es in einkommensschwachen Staaten. Diese setzen oft auf fossile Brennstoffe, um ihre Wirtschaft aufzubauen.

Lichtblicke und Schattenseiten von Klimawandel in Zeiten von Corona

Das Corona-Jahr hat uns gebeutelt, in vielerlei Hinsicht. Es war eines der drei wärmsten seit Beginn der Messungen vor rund 170 Jahren. Um ein Haar hätte es auch weltweit den Rekord 2016 geschlagen. Trotzdem gibt es ein paar Lichtblicke: Die EU dürfte ihre für 2020 gesetzten Ziele bei den Treibhausgasemissionen und den erneuerbaren Energien erreichen. Der weltweite Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) ist coronabedingt rekordmäßig zurückgegangen. Aber das Poleis schmilzt weiter und die Hurrikan-Saison im Nordatlantik war beängstigend.

Klimawandel: Der Golfstrom ist so schwach, wie seit 1.600 Jahren nicht mehr.

Niedriger CO2-Ausstoß im Corona-Jahr 2020

Der weltweite Ausstoß von Kohlendioxid aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas dürfte 2020 im Vergleich zu 2019 um sieben Prozent oder 2,4 Milliarden Tonnen auf 34 Milliarden Tonnen CO2 zurückgegangen sein. Das gehe auf die Wirtschaftseinbrüche, und da vor allem den Rückgang des Verkehrs während der Lockdown-Maßnahmen in der Corona-Pandemie zurück, berichtete das Global Carbon Project.

2021 rechnen Wissenschaftler mit Anstieg der CO2-Emissionen

Wissenschaftler rechnen mit einem deutlichen Anstieg 2021. Bei der globalen Finanzkrise gingen die Emissionen 2009 um 0,5 Milliarden Tonnen zurück, stiegen aber im Folgejahr um fünf Prozent. Trotz des geringeren Ausstoßes von CO2 stieg die Konzentration des langlebigen Treibhausgases in der Atmosphäre 2020 weiter an: Im Jahresmittel dürfte sie den Rekord von 412 ppm (parts per million) erreicht haben.

Treibhausgase Ziele in Deutschland
Im Jahr 2019 scheint das Ziel jedoch noch in weiter Ferne - die Treibhausgasemissionen betrugen im genannten Jahr schätzungsweise 805 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Quelle: WRI/Statista

Der Apell!

Die Pandemie dürfe keine Ausrede sein, um bei den Klimaanstrengungen nachzulassen, sagte WMO-Chef Taalas. Er beschwor Länder, beim Neustart nach der Krise besonders auf klimaschonende Energie zu achten. Die Folgen der Covid-19-Krise seien zwar schlimm, aber zeitlich begrenzt. „Wenn wir aber nicht die Treibhausgase reduzieren und den Klimawandel in Angriff nehmen, hat das auf Jahrhunderte hinaus Folgen für die Wirtschaft, die Lebensbedingungen und die Ökosysteme auf dem Land und im Meer.“

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