So funktioniert der Ausgleich

CO2-Kompensation: Warum der CO2-Ausgleich immer wieder in die Kritik gerät

von Oliver Scheel

Bäume pflanzen ist doch immer eine gute Sache. Oder nicht? Immer mehr Privatpersonen und Unternehmen zahlen Geld, damit davon Bäume gepflanzt werden, die CO2 aus der Atmosphäre nehmen. Das nennt man CO2-Kompensation. Das kennen wir zum Beispiel vom Fliegen, wo wir ein Zertifikat kaufen und mit dem Geld ein Projekt gefördert wird, das CO2 aus der Atmosphäre nimmt oder hilft, zukünftige Emissionen zu vermeiden. Klingt gut, oder? Ist aber alles gar nicht so einfach, wie wir hier mal beleuchten wollen. Wo liegen die Probleme, welche Alternativen gibt es und was kann ich sonst so tun?

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So funktioniert der Zertifikate-Handel mit dem CO2

So funktioniert der CO2-Ablasshandel: Ein Unternehmen oder eine Person, die zum Beispiel nach Südafrika und zurück fliegt, rechnet aus, wie viel CO2 ausgestoßen wird. Zwischenhändler bieten dann gegen Geld Zertifikate an. Das Geld wird in Projekte gesteckt, die CO2 aus der Atmosphäre entziehen oder vermeiden sollen. So kann das Unternehmen oder die Person CO2-neutral sein.

Lese-Tipp: Diese Organisationen sind vertrauenswürdig

Wo liegen die Probleme?

kompensation brasilien eukalyptus wald
Ein Eukalyptuswald in Brasilien, der für CO2-Kompensation genutzt wird.
  • Es gibt natürliche Gefahren, zum Beispiel Feuer. Trotz Schutzmaßnahmen können Feuer auftreten und dann ist die CO2-Kompensation nicht nur dahin, es wird durch das Feuer auch noch zusätzliches Gas in die Atmosphäre abgegeben.
  • Die Standortfrage muss klug gewählt werden: Haben die Bäume überhaupt eine Chance, dort zu gedeihen?
  • Sind die Projekte vertrauenswürdig? Eine Recherche des „Stern“ legte offen, wie ‘Plant for the Planet’ jahrelang Geld einnahm, die Bäume aber nicht sinnvoll pflanzte. Sie standen beispielsweise in einem Überschwemmungsgebiet. Unklar, wie viele Bäume das überleben.
  • Reicht das Geld, das wir einzahlen? Bei vielen Kompensationsprojekten legt man den Preis selbst fest. Aber genügt die Kompensation dann? CO2-Neutralität wird so eher selten erreicht.
  • Wenn ich als Konsument meine Klimagase kompensiere, schaffe ich mir ein gutes Gewissen. Das klingt nach dem Ablasshandel der Sünden im Mittelalter. Aber das CO2 entsteht natürlich trotzdem. Ist es nicht klüger, mehr zu verzichten und das CO2 erst gar nicht in die Welt zu entlassen?
  • Für das Klima ist entscheidend, dass Unternehmen ihre Emissionen reduzieren.
  • Viele Kompensationsprojekte sind Monokulturen, die sind aber anfälliger gegen Schädlinge, Dürren und Feuer.

Welche Alternativen zum Bäume pflanzen gibt es?

kompensation wind
Um zu kompensieren, müssen nicht unbedingt Bäume gepflanzt werden. Es können auch Projekte gefördert werden, die zukünftige Emissionen verhindern.
  • Besser als CO2 aus der Atmosphäre entziehen ist, CO2 erst gar nicht entstehen zu lassen. Dafür gibt es alternative Projekte:
  • Mit den Spendengeldern können Windkraftanlagen gebaut werden.
  • Auch andere Möglichkeiten, CO2-neutral Strom zu erzeugen, kommen infrage: Zum Beispiel können mit CO2-Zertifikaten Wasserkraftwerke finanziert werden oder Häuser mit Photovoltaik ausgestattet werden. Das kommt der lokalen Bevölkerung zugute.
  • Auch andere Projekte beziehen die Menschen in ärmeren Ländern mit ein. Mit den Spendengeldern können sie zum Beispiel mit Solarkochern versorgt werden, damit sie nicht länger mit Holz kochen.

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(osc)