Ein Blick in die Geschichte und in die Bauernregeln

Bringt dieser lausig kalte April einen warmen Sommer 2021?

Was sagt der kalte April über das Wetter im Sommer 2021 aus?

Dieser April geht an die Nieren – im wahrsten Sinne des Wortes, denn er ist viel zu kalt. Das ist in Pandemiezeiten natürlich doppelt blöd, denn der Aufenthalt im Freien macht keinen Spaß. Und wir leben nicht nur in einer Ausnahmesituation wegen der Pandemie, sondern auch in einem Ausnahme-April. Der war nämlich in den zurückliegenden Jahren eigentlich immer zu warm. 1997 war der April zuletzt wirklich kalt. Und damals folgte ein ordentlich warmer Sommer. Also blicken wir mal noch weiter zurück: Können wir von Aprilwetter Rückschlüsse auf das Wetter im Sommer 2021 ziehen?

Ein Frühjahr mit Frost und Frust: Wie entwickelt sich das Klima 2021?

April-Wetter im Winter-Look: 1917 und 1929 ähnlich kalt wie 2021

Geschichte der Temperatur im April
Ein Blick auf die Temperaturmittel des Monats April in der Geschichte, Dieser April ist krass zu kalt.

Gehen wir mal gaanz tief in die Recherche: 1917 ist ein spannendes, leider auch dramatisches Jahr, nicht nur, was das Wetter angeht.

April 1917: Der Winter 1916/17 war ungewöhnlich kalt, Deutschland befand sich im Ersten Weltkrieg und es gab eine Seeblockade von Großbritannien. Den Deutschen ging es schlecht, Millionen litten an Hunger. Die Bauern hofften auf eine gute Ernte, doch der April war viel zu kalt und verregnet. Nach dem zu kalten April folgte ein viel zu warmer Mai und richtig heißer Juni. Die Ernte war katastrophal.

Das Jahr 2020 war das wärmste seit Aufzeichnungsbeginn

April 1929: Wie heute befand sich 1929 die Welt in einer Krise, damals gab es den großen Börsencrash. Und dazu war der April auch noch viel zu kalt und zu nass. Land unter hieß es in vielen Teilen Deutschlands. Der Sommer 1929 war ziemlich normal – für die damalige Zeit normal. Denn so warme Sommer, wie wir sie in den letzten 20 Jahren reihenweise erlebt haben, gab es damals schlichtweg nicht.

Knackt denn wenigstens der Mai die Sommermarke von 25 Grad?

Wir steuern auf den kältesten April seit fast 50 Jahren zu

Aachen im April 2021. Ostern im Schnee im Rheinland, eine seltene Sache.
So sah es am 7. April 2021 n Aachen aus - das erleben wir wirklich nicht alle Jahre. © imago images/Wassilis Aswestopoulos, Wassilis Aswestopoulos via www.imago-images.de, www.imago-images.de

April 1956: Deutschland boomt, wir sind Fußball-Weltmeister und erleben das Wirtschaftswunder. Aber der April? Pfui Teufel. Viel zu kalt, sehr nass, einfach eklig. Für die Menschen eine harte Prüfung, denn der Februar 1956 war schon unfassbar kalt. Damals gab es -30 Grad, der Rhein fror zu. Und dann dieser miese April. So schlecht war das Wetter im April viele Jahre zuvor nicht. Und was für ein Sommer folgte? Nun, ein lausiger. Der Sommer 1956 gilt als einer der kühlsten der vergangenen 100 Jahre, vor allem der August war eine Katastrophe.

April 1973: Auch dieser April war schlecht. 1973 hatte der April kaum mehr als 5 Grad im Durchschnitt. So kalt war er bis heute nie wieder. Damals fielen am 11. April fast 40 Zentimeter Neuschnee auf der Schwäbischen Alb. Vielleicht wird der April 2021 so kalt wie der im Jahr 1973, dann wäre es der kälteste April seit fast 50 Jahren. Wahnsinn. Im Anschluss an diesen lausigen April folgte übrigens ein recht warmer Sommer.

FAZIT: Nix Genaues weiß man nicht. Aus den kalten April-Monaten der letzten 100 Jahre lässt sich keine Sommerprognose herleiten. Mal war der anschließende Sommer zu warm, mal zu kalt, mal normal. Und was machen wir jetzt? Jetzt schauen wir auf die Bauernregeln.

Bauernregeln zu einem zu kalten April

Kalter April gleich kalter Sommer? Oder gleich warmer Sommer? So einfach ist es leider nicht.
Wie wird das Wetter im Sommer 2021? Vielleicht können Bauernregeln bei der Sommer-Prognose helfen. © dpa, Philipp Schulze, phs alf

Wie’s im April und Maien war, so wird das Wetter im ganzen Jahr: Okay, das ist ziemlich eindeutig. Sind April und Mai also unterkühlt, müssen wir uns auf ein generell kaltes Jahr vorbereiten. Hierzu gibt es tatsächlich eine gewisse statistische Signifikanz. Zumindest wenn das Frühjahr zu warm war, schloss sich oft auch ein zu warmer Sommer an. Das ist in Zeiten der Klimaerwärmung aber auch keine Kunst.

April kalt und nass füllt Scheuer und Fass: Na, da dürfen sich doch die Bauern wenigstens auf eine gute Ernte freuen. Aber Vorsicht: Vor allem der Wein und unser Obst ist derzeit in Gefahr, denn späte Nachtfröste sind so gar nicht das, was der Bauer sich wünscht.

Bläst im April der Nord, so dauert gutes Wetter fort: Auch in diesem April haben wir oft eine nördliche Strömung. Die aber beschert uns ja gerade das kalte Wetter.

April - mehr Regen als Sonnenschein, dann wird's im Juni trocken sein: Na gut, das lassen wir uns gefallen. Aber streng genommen gab es ja nicht wirklich viel Regen im April.

So richtig helfen uns auch die Bauernregeln nicht weiter bei der Frage, wie das Wetter im Sommer 2021 nach dem kalten April wird. Wir werden also nicht arbeitslos und beobachten das Wetter am besten mal weiter.

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