Bringt die Hitze am Nordpol den Winter bei uns in Schwung?

Bringt die Hitze am Nordpol den Winter bei uns in Schwung?
Spüren wir in Deutschland Auswirkungen durch die Veränderung des Polarwirbels?

Verläuft der Winter jetzt doch kälter als gedacht?

Spüren wir in Deutschland Auswirkungen durch die Veränderung des Polarwirbels? Wird der Winter doch kälter als bisher in jeder Winterprognose berechnet?

Auf jeden Fall stärkt der Wärmevorstoß in Richtung Norden in den nächsten Tagen auch das Kältehoch über Skandinavien (orange Fläche rechts im Bild, Druckgebilde in 100 hPa, ca. 20 Kilometer Höhe). Und das bringt ja zumindest dem Nordosten in der ersten Woche des Jahres knackigen Dauerfrost. Zudem wird das großräumige Höhentief über der Arktis zurückgedrängt und die kalte Luft strömt über Grönland nach Süden (blaue Fläche in der Mitte des Bildes).

Dieses Höhentief wird Polarwirbel genannt. Darunter befinden sich riesige Kaltluftflächen aufgrund der negativen Strahlungsbilanz des Polargebietes im Winter (absolute Dunkelheit). In den Wintermonaten ist es in der unteren polaren Stratosphäre, die in etwa 20 Kilometer über der Erdoberfläche liegt, aufgrund der fehlenden Sonneneinstrahlung durchschnittlich unter minus 70 Grad kalt. Die kalten Temperaturen stehen in Verbindung mit starken Westwinden, die die südliche Begrenzung des sogenannten stratosphärischen Polarwirbels bilden.

Dennoch können die Temperaturen im Bereich der unteren Stratosphäre innerhalb weniger Tage um mehr als 50 Grad ansteigen, und die Polregion wird wärmer als südlich gelegene Breiten. Genau das passiert gerade! Damit verbunden ist eine Umkehr der West- in Ostwinde und der Zusammenbruch des Polarwirbels.

Mithilfe von Modellen und Beobachtungen konnten Meteorologen der Freien Universität Berlin zeigen, dass solche „plötzlichen Stratosphärenerwärmungen“ zunächst aus der Troposphäre angeregt werden (hier namentlich durch Tief Eckardt), anschließend aber wiederum einen starken Einfluss auf die troposphärische Zirkulation haben.

Nach einer Stratosphärenerwärmung verringern sich unter anderem die Druckunterschiede zwischen dem Islandtief und dem Azorenhoch: Dieser Druckunterschied bestimmt die vorherrschende Windrichtung für Mitteleuropa und entscheidet somit darüber, ob der Winter in Europa kalt oder warm wird. So war zum Beispiel der Winter 2009/2010 durch einen stark gestörten Polarwirbel gekennzeichnet, was in weiten Teilen der Nordhemisphäre mit einem strengen und schneereichen Winter verbunden war.

Somit könnte die jetztige Störung durchaus in naher Zukunft noch einen kalten Witterungsabschnitt einläuten und alle Winterprognosen auf den Kopf stellen. Genauso kann es aber sein, dass sich das alte Muster der vergangenen Wochen wieder einstellt. Das würde dann eine Bestätigung der milden Winterprognosen sein. Vom Gefühl her wird es wohl eher die zweite Variante werden, da in diesem Jahr El Nino noch hinzukommt und der große Gegensatz zwischen den Tropen und Polen bestehen bleibt. Aber auch die Modelle sind sich sehr uneinig: Ab Mitte nächster Woche ist eigentlich nichts mehr sicher...