Bomben-Orkan über dem Atlantik

Vergleiche aus der Autobranche mögen nicht jedem unter uns liegen. Aber sie bieten sich in diesem Fall an. Das, um das es bei der sogenannten Bombogenese geht, ist ein extrem rasanter Druckabfall. Und zwar sprechen wir hier von mindestens 24 Hektopascal (hPa) in 24 Stunden, was wiederum ein Wert ist, den man sich schwer vorstellen kann. Schließlich sprechen die meisten von uns beim Wetter über Temperaturen, Windgeschwindigkeit oder Sonnenstunden. Luftdruck spielt hingegen eher selten eine Rolle. Ein guter Durchschnittswert liegt beim Luftdruck zur Orientierung etwa 1013 hPa. Hochs haben bei uns oft so um die 1025 hPa oder mehr. Tiefdruckgebiete eher so um die 1000 hPa oder darunter.

Der Unterschied ist die Rasanz der Entstehung

Um sich vorzustellen, wie der Unterschied zwischen einem normalen Tief und einem Bomben-Orkan ist, hilft eben der Schwenk in die KFZ-Welt. Startpunkt ist ein handelsüblicher Golf. Der beschleunigt in knapp 10 Sekunden von 0 auf 100 km/h und wäre gleichzusetzen mit dem klassischen Durchschnitts-Tief. Das hat am Anfang in der Regel auch einen Druckabfall, was dazu führt, dass es eben zu einem Tiefdruckgebiet wird. Man sagt auch: es vertieft sich. Doch bei einer Bombogenese sieht das ganz anders aus.

Weiter zum Sturm- und Orkantief

Wir wechseln das Gefährt und steigen in einen Ferrari oder einen Porsche. Hier erlebt man die Beschleunigung auf Tempo 100 deutlich rasanter. Unter 5 Sekunden geht es gerne mal. Das meteorologische Pendant ist ein durchschnittliches Sturm- bis hin zu einem Orkantief. Ein bereits recht heftiges Beispiel ist Orkan „Kyrill“. Der donnerte im Januar 2007 über Mitteleuropa hinweg und hatte über dem Atlantik zuvor reichlich Zeit seine zerstörerische Kraft zu entwickeln.

So entstand er am Montag, dem 15.Januar 2007 vor Neufundland und erreichte uns dann am Donnerstag und Freitag. Also am 18. und 19.Januar 2007. Der tiefste Kerndruck lag damals bei knapp unter 960 hPa.

Gesteuert werden all diese Stürme übrigens von oben. Also von den höheren Winden in der Atmosphäre. Hier bläst die wettersteuernde Strömung, der Jet-Stream. Seine Stärke ist entscheidet darüber, wie heftig und schnell die Entwicklung des Sturms stattfindet.

Der Bomben-Zyklon

Von den Verbrenner-Motoren steigen wir nun um in die Elektroklasse. Hier ist die Beschleunigung noch heftiger. Die schnellsten Modelle aus der Abteilung Tesla, Rimac oder Nio schaffen es in knapp 2 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Damit sind wir nun im Bereich der Bomben-Orkane angelangt. Sie sind um ein vielfaches dynamischer als normale Tiefs und spielen dementsprechend in einer ganz anderen Liga.

So erreichte Orkantief Bianca letzte Woche einen Kerndurck von unter 940 hPa. Und auch das aktuelle Tief „Fenja“ wird es auf dem Höhepunkt der Entwicklung auf unter 945 hPa, vielleicht sogar auf unter 940 hPa bringen. Stärker also als Orkan „Kyrill“ und das in wesentlich kürzerer Zeit. Eine richtige Bombogenese, die im Übrigen noch durch die großen Temperaturunterschiede zwischen den nördlichen Breiten rund um Grönland und durch den angrenzenden milden Golfstrom verstärkt wird.

Eine große Welle trifft am 17.10.2017 in Aberystwyth (Großbritannien) auf die Hochwasserschutzanlagen und die Promenade. Am 16.10.2017 hatte der Sturm «Ophelia» in (Großbritannien) gewütet. (zu dpa «Sturm «Ophelia» erreicht Schottland - Aufräumarbeit
Die Irländer sind in Sachen Sturm einiges gewohnt. Am 17.10.2017 schlagen die Wellen von ex-Hurrikan „Ophelia“ an die Küste. © dpa, Keith Morris, zeus joh

So heftig wird Orkan „Fenja“

Die Anrainer rund um den Nordatlantik sind Kummer gewohnt. Aber so oft und so heftig wie in letzter Zeit ist es dort selten. So hat sich mit „Fenja“ nun bereits der nächste Bomben-Zyklon gebildet. Besonders stürmisch wird es neuerlich von Irland und Schottland bis nach Island und anschließend bis an die skandinavische Westküste. Im Zentrum liegen die Faröer-Inseln. Eine aus 18 Inseln bestehende Inselgruppe, die zu Dänemark gehört und auf der rund 50.000 Menschen wohnen. 

Es drohen Orkanböen über 150 km/h an einigen Küstenabschnitten und zum Teil Böen bis Tempo 200 über dem offenen Atlantik. Zudem Wellen von über 12 Metern Höhe und mitunter heftiger Regen, der an Land für Überflutungen sorgt.