Böhmischer Nebel, Smog und Industrieschnee - Wetter aus der Fabrik

Smoke rises from Unipetrol petrochemical plant after an explosion of unidentified chemical substance in Litvinov, 110 kilometres (68 miles) North West of Prague on Thursday, August 13, 2015. Foto: Sulc Jan/CTK/dpa (zu dpa «Brand nach Explosionen in t
Viele Industrieanlagen stehen rund um Litvinov in Tschechien. Kommt hier der Böhmische Nebel her? © dpa, Sulc Jan

Wenn es in der Wetterküche stockt und die Luft sich nicht gut durchmischt, konzentrieren sich Emissionen aus Industrieanlagen auf engem Raum. Gesundheitliche Beschwerden der Anwohner sind nicht selten die Folge. Inversionswetterlagen, die bevorzugt im Herbst und Winter - also jetzt -  eintreten, bieten die besten Voraussetzungen für dieses fabrikgemachte Wetter.

Böhmischer Nebel stinkt zum Himmel

Südostwind und Inversionswetterlage – eine schlechte Kombination für die Bewohner im Erzgebirge und Vogtland. Dann sammeln sich nämlich dort Schadstoffe aus – so vermutet man - tschechischen Industrieanlagen und es stinkt zum Himmel. Böhmischer Nebel wird das Phänomen genannt, das auch gesundheitliche Folgen hat: Übelkeit, Kopf- und Bauchschmerzen, entzündete Atemwege, insbesondere die Bewohner der Kammregion des Erzgebirges gleich an der Grenze klagen über diverse Beschwerden. Dass der Wind aus Südosten kommt, ist gar nicht so selten. Böhmischer Wind das regionale Windsystem genannt.

Ob die Industrieanlagen wirklich schuld sind, ist nicht bewiesen. Die jüngste groß angelegte Studie der TU Dresden OdCom (Objektivierung der Geruchsbeschwerden im Erzgebirgskreis und Bezirk Ústí) konnte zwar Rußpartikel in der Luft feststellen, aber den Grund für die Geruchsbelästigung nicht.

Industrieschnee: Wenn es rund um den Schornstein schneit

Böhmischer Nebel, Smog und Industrieschnee - Wetter aus der Fabrik
Kaum zu unterscheiden: Industrieschnee ist aber viel feiner als Naturschnee. © dpa, Andreas Rosar, bwe tba

Ringsum alles grün und plötzlich - ganz lokal, ausgerechnet um Industrieanlagen herum – Schnee. Das kann Industrieschnee sein. Voraussetzung für den Schnee aus der Fabrik: eine Inversionswetterlage mit Frost und Feuchtigkeit am Boden auf der einen und höheren Temperaturen in der Höhe auf der anderen Seite.

Die feinen Partikel der Schornstein-Emissionen dienen als Kondensationskerne für die unterkühlten bodennahen Wassertröpfchen. Sie docken an den sogenannten Aerosolen an und bilden Schneekristalle. Noch besser, wenn die Industrieanlagen auch Wasserdampf emittieren. Dann ist reichlich Feuchtigkeit für den Industrieschnee vorhanden.

Smog nimmt vielen Städten den Atem

Buildings are seen shrouded in smog in New Delhi, India, November 5, 2019. REUTERS/Anushree Fadnavis
Smog in New Delhi: Man sieht, dass man nichts sieht. Und einatmen ist hier auch nicht so toll. © REUTERS, ANUSHREE FADNAVIS, AFS/TC

Auch Smog (smoke + fog / Rauch + Nebel) freut sich über die Inversionswetterlage. Rauch, Dampf, Abgase können nicht abziehen und halten sich lange über einer Stadt oder einem ganzen Ballungsraum. Klar, dass diese verschmutzte Luftschicht Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Reizungen der Augen und Atemwege sind die häufigsten Beschwerden in dieser Dunstglocke. 

Bei allen diesen Phänomenen fällt auf: Gutes Wetter wird nicht in Fabriken produziert.