Nicht nur unsere Gedächtnisleistung nimmt ab

Was zu viel Salz mit unserem Körper macht

Ein dauerhaft hoher Salzkonsum beeinträchtigt nicht nur die Nierenfunktion und das Immunsystem, sondern auch die Denkleistung.
Vor allem stark verarbeitete Lebensmittel wie Pizza, aber auch Wurst und Käse enthalten viel Salz. © iStockphoto, istock

Ein hoher Salzkonsum wirkt sich negativ auf unsere Gesundheit aus



von RTL-Ernährungsexpertin Nora Rieder

Ob Brot, Suppe oder Ei: Salz verleiht vielen Speisen erst ihren Geschmack. Ein dauerhaft zu hoher Salzkonsum beeinträchtigt jedoch die Nierenfunktion, das Immunsystem und kann zu Bluthochdruck führen. Und das ist noch nicht alles.

Natriumchlorid erfüllt viele wichtige Funktionen im Körper

Salz ist das beliebteste Gewürz in deutschen Küchen: Rund zehn Gramm Kochsalz (Natriumchlorid) nimmt jeder Deutsche durchschnittlich pro Tag auf. Und damit deutlich mehr als die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlene Menge von sechs Gramm Salz pro Tag. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist noch strenger: Sie empfiehlt nicht mehr als fünf Gramm Salz pro Tag sein. Das entspricht in etwa einem gestrichenen Teelöffel.

Natriumchlorid erfüllt wichtige Funktionen im Körper: So bildet der Mineralstoff die Grundlage für die Erregbarkeit von Muskeln und Nerven und ist an der Regulation des Wasserhaushalts beteiligt. Außerdem spielt Kochsalz beim Knochenbau eine zentrale Rolle. Nehmen wir jedoch zu viel Salz auf, können sich die positiven Wirkungen ins Gegenteil verkehren.

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Zu viel Salz kann Gedächtnisleistung mindern

So kommt eine aktuelle US-amerikanische Studie des Neuroscience Institute der Georgia State University in Atlanta zu dem Schluss, dass eine salzreiche Ernährung die Hirnfunktionen beeinträchtigen kann. Nehmen wir nämlich zu viel Salz auf, wird unser Gehirn schlechter durchblutet. Dies betrifft vor allem den für das Speichern von Erinnerungen verantwortlichen Hippocampus. Die Folge: Unsere Gedächtnisleistung nimmt ab.

Das bestätigt auch eine andere Studie mit Mäusen aus dem Jahr 2018: Forscher um Giuseppe Faraco von der Cornell University in New York konnten nachweisen, dass eine sehr salzreiche Ernährung die Zahl der sogenannten TH17-Immunzellen erhöht, welche Interleukin-17 ausschütten. Über das Blut gelangt dieser Botenstoff auch ins Gehirn und behindert dort die Versorgung der Gefäße mit Stickstoffmonoxid. Dieses ist für die Weitung der Blutgefäße nötig. Folglich wird das Gehirn schlechter durchblutet und die Gedächtnisleistung sinkt.

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Risiko für Bluthochdruck und Nierensteine steigt durch zu viel Salz

In unserem Körper sind verschiedene Organe an der Regulation des Salz-Wasser-Haushaltes beteiligt: Dazu gehören der Hypothalamus im Gehirn und die Nieren. Botenstoffe sorgen dafür, dass Natrium zurückgehalten oder ausgeschieden wird.

Nehmen wir ständig zu viel Salz auf, wird dieses vor allem durch die Nieren wieder ausgeschieden. Dazu wird zum einen viel Wasser benötigt, zum anderen geht viel Wasser verloren, da Salz dieses bindet. Daher kann ein hoher Salzkonsum auf Dauer die Nieren belasten oder sogar zu Nierensteinen führen, wenn nicht ausreichend getrunken wird.

Außerdem kann ein hoher Salzkonsum bei gleichzeitig zu geringer Flüssigkeitsaufnahme Bluthochdruck begünstigen. Dabei gilt jedoch: Nicht jeder Mensch reagiert gleich empfindlich auf Salz. Diejenigen jedoch, die besonders empfindlich auf Salz reagieren, lagern vermehrt Salz im Körper ein. Folglich gelangt mehr Flüssigkeit in unser Herz-Kreislauf-System und der Blutdruck steigt. Das passiert vor allem dann, wenn wir salzreich essen und gleichzeitig zu wenig trinken. Denn dann wird das zu viel aufgenommene Salz nicht ausgespült, die Gefäße verengen sich und das Blut wird dickflüssiger. Das führt zu einem stärkeren Blutdruck in den Gefäßen, der diese auf Dauer schädigen kann. Zudem steigt bei einem nicht behandelten Bluthochdruck das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Wer unter Bluthochdruck leidet, sollte ausreichend – mindestens 1,5-2 Liter Wasser – trinken und natriumarmes Salz verwenden.

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Hoher Salzkonsum beeinträchtigt das Immunsystem

Auch unser Immunsystem leidet unter einem hohen Salzkonsum. Denn unsere Ernährung beeinflusst die Zusammensetzung unserer Darmflora ganz entscheidend. Nehmen wir zu viel Kochsalz auf, nimmt die Zahl der (guten) Laktobazillen im Darm stark ab. Gleichzeitig steigt die Zahl der sogenannten TH17-Helferzellen im Blut an. Diese produzieren Botenstoffe, welche möglicherweise den Blutdruck erhöhen und Entzündungen fördern.

In verschiedenen Studien zeigte sich außerdem, dass eine erhöhte Salzzufuhr zu höheren Konzentrationen an Glukokortikoiden führt. Diese Substanzen hemmen die Funktion bestimmter weißer Blutkörperchen, der sogenannten Granulozyten. Diese Fresszellen greifen vor allem Bakterien an und sind daher so wichtig für unser Immunsystem. Daher schwächt eine hohe Salzaufnahme auch unser Immunsystem.

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Risiko für Übergewicht steigt

Nicht immer stecken zu viel Schokolade oder Kuchen hinter dem Pfund mehr auf der Waage. Auch Salz und Wasser können dafür sorgen, dass wir zunehmen. Denn wir sich salzreich ernährt, lagert zunehmend Wasser ein. Doch schon ein salzarmer Tag mit kaliumreichen Obst- und Gemüsesorten wie Tomaten, Möhren, Paprika und Kohlrabi helfen dabei, dass der Körper das überflüssige Wasser ausscheidet.

Allerdings kann Salz auch eine dauerhafte Gewichtszunahme begünstigen. Denn als Geschmacksverstärker regt Salz den Appetit an. Vor allem stark verarbeitete Lebensmittel wie Chips oder Fertigpizza enthalten neben Salz auch Fett und viele Aroma- und Konservierungsstoffe. Diese sorgen für ein angenehmes Mundgefühl und dafür, dass wir einfach nicht aufhören können zu essen, weil sie gleichzeitig das Belohnungssystem im Gehirn aktivieren. Daher gilt: Greifen Sie statt zu Chips und Flips besser zu einer Handvoll (ungesalzener!) Nüsse wie Walnüssen oder Cashews, Pistazien oder Mandeln. Sie liefern wertvolle Omega-3-Fettsäuren, viele B-Vitamine und machen satt.

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Statt Fertiggerichten: Kochen Sie möglichst oft frisch!

In der Regel ist also nicht das Nachsalzen oder zu viel Salz auf dem Frühstücksei problematisch. Das meiste Salz nehmen wir tatsächlich über stark verarbeitete Lebensmittel wie Käse und Wurst, Fertiggerichte wie Pizza, Kekse und Chips auf. Den Salzgehalt finden Sie übrigens in der Nährwertkennzeichnung des jeweiligen Produkts.

Wer seinen Salzkonsum dauerhaft senken oder besser kontrollieren möchte, sollte demnach möglichst auf Fertiggerichte verzichten. Greifen Sie stattdessen zu frischen Lebensmitteln wie Obst und Gemüse und kochen Sie so oft es geht selbst. Damit beugen Sie auch Übergewicht und Diabetes vor, denn neben Salz ist 80 Prozent aller verarbeiteten Lebensmittel auch Zucker zugesetzt. Und auch eine hohe Flüssigkeitszufuhr von mindestens 1,5-2 Liter natriumarmem Wasser pro Tag hilft dabei, die Kochsalzkonzentration im Körper in Schach zu halten und zu viel Salz auszuschwemmen.

Wer noch dazu überwiegend mit frischen Kräutern und Gewürzen wie Pfeffer, Chili und Curry würzt, braucht sich um seinen Kochsalzkonsum keine Sorgen zu machen.

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