Blow-Ups auf Straßen und Landebahnen: So schadet die Hitze Deutschlands Infrastruktur

Straßen platzen unter der Hitze auf

Es gibt kaum einen, den die Hitze momentan kalt lässt. Auch unsere Infrastruktur leidet unter den Temperaturen. Aufgeplatzte Straßen, sogenannte "Blow-ups" sind heftige Zeichen, dass wir für diese Hitze nicht gut vorbereitet sind. Bleibt es weiter so heiß, wird es eng für den Straßen-, Zug-, und Schiffsverkehr.

Fast täglich neue Probleme

Die Menschen sind gestresst und die Straßen auch. Auf der A7 in Hessen platzten in dieser Woche die alten Betonautobahnen auf. Wer in so einem Moment gerade mit dem Auto auf der Straße ist, hat ein lebensgefährliches Problem, denn die sogenannten "Blow-Ups" geschehen ganz plötzlich. Derzeit gibt es fast täglich neue Meldungen über Farbahnsperrungen wegen kaputter Straßenbeläge. Die Folge sind kilometerlange Staus.

Flughafen: Aus Landebahnen werden Stolperfallen

Das was auf den Straßen geschieht, passiert natürlich auch auf den Landebahnen der Flughäfen. In Hannover sind drei Betonplatten in der Landebahn aufgeplatzt. Über 80 Flüge wurden gestrichen und die Flughafenfeuerwehr versucht jetzt die Strecke mit Wasser so runterzukühlen, dass keine Gefahr mehr für landende und startende Maschinen besteht.

Züge haben ein Problem mit Hitze

ILLUSTRATION - Einen Schluck Wasser trinkt eine Reisende am Donnerstag (15.07.2010) auf dem Hauptbahnhof in Berlin, kurz bevor sie in einen ICE einsteigt. Die Bahn bestätigte Berichte, wonach die Klimaanlagen in älteren ICE-Zügen nur auf Temperaturen
Ein Schluck Wasser für Bahnreisende. In diesem Sommer gab es bislang nur wenige Ausfälle. © dpa, Stephanie Pilick

Bahnfahren bei 37 Grad? Nicht immer eine gute Idee. Auf Rügen ist in dieser Woche eine Bahn-Oberleitung gerissen. Ob die hohen Temperaturen der Grund waren, ist noch nicht klar. Bei brütender Hitze mussten 67 Reisende mehr als eine Stunde ausharren, bevor sie den Zug verlassen konnten.

Und wer kann sich nicht an die Berichte über Ausfälle der Klimaanlage erinnern? Meldungen dieser Art gehören fast schon zum Reisealltag. "Die Anzahl von hitzebedingten Ausfällen von Klimaanlagen oder sonstiger Fahrzeugkomponenten ist derzeit zwar leicht erhöht", räumt die Deutsche Bahn laut ZDF ein, "auffällige Häufungen oder größere Beeinträchtigungen der Fahrgäste wurden aber noch nicht festgestellt."

Flüsse nicht mehr befahrbar

Die Schifffahrt bekommt die Trockenheit und Hitze ganz massiv zu spüren. Es gibt immer mehr Einschränkungen auf den Flüssen. Eine Lösung für das Problem scheint ein geringeres Gewicht der Ladung zu sein: Die Fracht darf nicht mehr so viel wiegen. Auf der Donau allerdings bringt das auch nichts mehr, und die Schiffe dürfen nur noch leer verkehren. Auf Teilen der Elbe dürfen noch nicht einmal mehr größere Sportboote fahren und auf der Oder geht gar nichts mehr. Ob mehrere kleine Fahrten, so wie es die Schiffsführern nun vorhaben, jedoch alle Lieferengpässe vermeiden können, ist fraglich.

Kraftwerke haben ein Hitzeproblem – nur Braunkohle liefert zuverlässig Strom

Auf der Stromuhr geht es steil nach oben. Wir verbraten derzeit 1,36 Milliarden Kilowattstunden pro Tag. In den letzten Sommern waren es nur rund 1,28 Milliarden, so der Branchenverband BDEW. Klar, der Strom kommt aus der Steckdose, doch die hat derzeit nur einen zuverlässigen Lieferanten: Die Braunkohle. RWE hat alle ihre Kraftwerke am Netz, um den hohen Stromverbrauch zu decken.

Ein gravierendes Problem haben die Kernkraftwerke: Sie nutzen Flusswasser für ihre Kühlung, das dann erwärmt wieder in die Flüsse zurückgeleitet wird. Laut Gesetz darf dabei die Temperatur von 28 Grad jedoch nicht überschritten werden. In diesem Sommer wird das zum Problem – nun haben einige der Kernkraftwerke Sondergenehmigungen beantragt.

Auch die Steinkohlekraftwerke liefern nicht konstant. Am Wochenende musste z.B. das Steinkohle-Kraftwerk Westfalen seinen Betrieb herunterfahren. Warum? Da auf den Flüssen nichts läuft, gab es keinen Nachschub. Der wird normalerweise von den großen Nordseehäfen über den Rhein angeliefert.

Solarstrom ist im Hitzesommer 2018 nicht die beste Alternative

Auch die Alternativenergien haben nicht wirklich Freundschaft mit der Hitze geschlossen. Die Photovoltaikanlagen können zwar durch die vielen Sonnenstunden eine Menge Strom erzeugen, allerdings macht die Hitze einen Strich durch die Stromrechnung. An sonnigen Wintertagen sind sie leistungsstärker. Und durch den andauernden Hochdruck gibt es kaum Wind - also auch hier eher eine Nullrechnung.