Deutschland verliert Vorreiterrolle

COP26 in Glasgow: Mit diesen Beschlüssen steuern wir auf 2,4 Grad Erderwärmung zu

Svenja Schulze windet sich: Deutschland mit unrühmlicher Rolle auf COP26

Das war ja wohl der Gipfel – könnte man spöttisch sagen. Die COP26 in Glasgow ist auf der Zielgeraden. Die in Schottland gefassten Beschlüsse reichen beileibe nicht für die erhoffte Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad. Vielmehr steuert die Welt – selbst wenn alle in Glasgow getroffenen Beschlüsse eingehalten werden – bis zum Ende des Jahrhunderts auf 2,4 Grad Erwärmung zu. Das hätte gravierende, katastrophale Folgen. Eine weitere Lehre aus Glasgow ist: Deutschland hat sich ganz klar verabschiedet als Vorreiter im Klimaschutz. Im Video versucht Umweltministerin Svenja Schulze das deutsche Scheitern zu erklären – mit dünnen Worten.

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Doppelt so viele Treibhausgase wie für 1,5 Grad nötig wären

Wie der „Climate Action Tracker“ ermittelt hat, bläst die Welt im Jahr 2030 immer noch doppelt so viele Treibhausgase in die Luft wie nötig wären, um die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Das heißt: Die Ziele müssen krass verschärft werden.

Deshalb sagte UN-Generalsekretär vor den letzten Verhandlungen der Delegationen, dies "ist der wichtigste Kampf unseres Lebens". Alle Länder müssten "radikal" ihren Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase drosseln. Bei 2,4 Grad Erwärmung könnten einige Kipppunkte des Klimas fallen. Damit würde die Menschheit die Kontrolle über die Erderwärmung verlieren. Wenn man nur betrachtet, was die Staaten jetzt tun, und weitere Ankündigungen ausblendet, steigt die Erderwärmung bis 2100 sogar um 2,7 Grad.

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Deutschland bei wichtigen Allianzen einfach nicht dabei

UN Climate Conference In Glasgow Participants work in a common area during the tenth day of the COP26 UN Climate Change Conference, held by UNFCCC inside the COP26 venue - Scottish Event Campus in Glasgow, Scotla
Im Innenraum des Glasgower Konferenzzentrums wird an die Gipfelteilnehmern appelliert, JETZT etwas zu tun.

Deutschland gehört zu den großen Enttäuschungen des Gipfels. Dass Russland und Saudi-Arabien bremsen würden, war von den Gipfelteilnehmern erwartet worden. Aber dass Deutschland so wichtige Erklärungen wie das Aus beim Verbrennungsmotor nicht unterzeichnet, ist entweder ein Meisterstück der Autolobby oder schlichtweg dumm. An wen wollen VW und BMW ihre Verbrenner denn dann noch verkaufen?

Auch beim Ende der Finanzierung von fossilen Brennstoffen bis Ende 2022 war Deutschland am Anfang nicht dabei. Später zeichnete man noch nach. Doch ob Deutschland das Abkommen einhält, darf laut bezweifelt werden, da die Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW bis 2030 in Projekte der Gas-Infrastruktur verwickelt ist. Eine Mogelpackung also mal wieder.

Außer Geld hat Deutschland bei diesem Gipfel nichts zu bieten. Es erscheint schleierhaft, wie die Verkehrswende geschafft werden soll, wie die Energiewende schneller vollzogen wird, wie wir die Treibhausgase in der Landwirtschaft senken. Umweltministerin Schulze (SPD) fallen da nur Worthülsen ein.

Sie redet von „großen Weichenstellungen“ und „guten Zeichen“. In einer Übergangsphase zwischen zwei Regierungen sei es „manchmal gar nicht so einfach“, Abkommen zu unterschreiben. Da gehe es um Details, bei denen man jetzt nicht mitgehen könne. Es sind dünne Worte einer deutschen Umweltministerin, die den Abschied als Klimaschutz-Vorreiter begleiten.

Der Gipfel gibt Gas beim Ende der Finanzierung fossiler Brennstoffe

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(osc)