Über 90.000 Tickets an einem Tag

Hamburg und Berlin: Riesiger Run aufs 9-Euro-Ticket - was Kunden jetzt wissen müssen

Kaum ist das 9-Euro-Ticket beschlossene Sache, schon hat der Run in Deutschland begonnen: Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) hat in den ersten 24 Stunden nach Beginn des Vorverkaufs rund 56.000 der begehrten Fahrscheine via App und Online verkauft. In Berlin waren es bis Mitternacht fast 35.000. Wann es in den anderen Städten losgeht und was Verbraucher beachten müssen – wir haben den Überblick.

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35.000 9-Euro-Tickets innerhalb von nur 12 Stunden verkauft

Zwar seien die Zahlen der Servicestellen noch nicht eingerechnet, dennoch sei der Absatz der Tickets auch so überdurchschnittlich hoch, wie eine Sprecherin der HVV sagte. Die knapp 700.000 Hamburger Abokunden müssten sich nicht weiter kümmern. Für sie wird der Preis der Zeitkarte automatisch auf 9 Euro pro Monat reduziert.

Ein Sprecher der Berliner Verkehrsbetriebe erklärte: "Bis Mitternacht haben bereits fast 35.000 Menschen bei der BVG ein 9-Euro-Ticket gekauft." Fast drei Viertel hätten dafür die BVG-Apps genutzt. Der Verkaufsstart war ursprünglich für Samstag geplant, die BVG hatte ihn dann aber nach der Bundesratsentscheidung vorgezogen. Die 35.000 Tickets am Freitag seien innerhalb von nur zwölf Stunden gekauft worden.

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Alle Fragen und Antworten zum 9-Euro Ticket

Ab wann kann man das Ticket kaufen?

Die meisten Verkehrsverbünde und auch die Deutsche Bahn wollen am Montag mit dem Verkauf beginnen. Auf der Bahn-App DB Navigator etwa werde das Ticket ab „den frühen Morgenstunden“ erhältlich sein, teilte ein Bahnsprecher mit. In den DB-Reisezentren starte der Verkauf, „sobald diese öffnen“. Mehrere Verkehrsunternehmen und Städte wie Hamburg und Berlin haben mit dem Verkauf aber schon an diesem Wochenende begonnen. In Wuppertal konnten Interessierte das Ticket sogar schon am Mittwoch vor Zustimmung durch Bundestag und Bundesrat kaufen.

Wie und wo kann man das Ticket kaufen?

Das Ticket soll in den jeweiligen Apps, Fahrkartenautomaten und Kundenzentren sämtlicher Verkehrsunternehmen in Deutschland angeboten werden. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) arbeitet derzeit mit den Verbünden und Unternehmen zudem an einer gemeinsamen, einheitlichen App, über die das Ticket ebenfalls erhältlich sein soll. Wann die Ticket-App fertig sein wird, ist noch unklar. Sie soll aber noch vor dem 1. Juni zum Download bereit stehen, hieß es vom VDV. Das Tickets gilt ausschließlich in den Zügen des Nahverkehrs, EC, IC und ICE sind also ausgenommen.

Werden teurere Einzel- oder Monatstickets in der Zeit weiter angeboten?

Tages- und Gruppenkarten werden häufig weiterhin angeboten, auch wenn sie teurer sind als das 9-Euro-Ticket. Bei ihnen gelten andere Mitnahmeregelungen zum Beispiel für Mitfahrer oder Fahrräder. Dennoch sind viele Verkehrsunternehmen darum bemüht, verwirrende Kaufoptionen aus dem Angebot zu nehmen. Für Hamburg steht etwa schon fest: Innerhalb der drei Aktionsmonate werden alle HVV-Monatskarten und ebenso alle Einzelkarten, die mehr als 9 Euro kosten, durch das 9-Euro-Monatsticket ersetzt. Auch bei der BVG in Berlin soll das normale Monatsticket in der Fahrkarten-App während der drei Monate nicht buchbar sein. Die Deutsche Bahn wiederum will ihre üblichen Abo-Angebote auch während des Aktionszeitraums zwischen Juni und August aufrecht erhalten, in diesen Monaten dann aber jeweils nur 9 Euro abbuchen.

Kann man gleich Tickets für alle drei Monate kaufen?

Auch hier kommt es auf die einzelnen Unternehmen an, dürfte aber in der Regel möglich sein. Wer die Option beim bevorzugten Verkehrsunternehmen nicht findet, kann jederzeit auf andere Plattformen ausweichen. Bei der Deutschen Bahn etwa ist der sofortige Kauf aller drei Sondertickets möglich.

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Was passiert, wenn man schon ein Ticket-Abo hat?

Laut Deutsche Bahn und den Verkehrsverbünden gilt prinzipiell: Wer bereits ein Monats- oder Jahresabo hat, soll sich um nichts weiter kümmern müssen. «Es werden automatisch Reduzierungen bei bestehenden Abos vorgenommen, so dass nur die neun Euro pro Monat anfallen», heißt es etwa beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg. Die Reduzierungen werden später auf das jeweilige Kundenkonto zurücküberwiesen.

Gilt das 9-Euro-Ticket auch für Inhaber von Job-, Semester- oder Sozialtickets?

Ja. Ihre Abos und Semestertickets gelten laut VDV während der drei Monate bundesweit. Zudem sollen auch sie den Differenzbetrag erstattet bekommen. In welcher Form und vor allem wann die Rückerstattung erfolgt, ist vielerorts allerdings noch offen. Bis etwa die Uni-Verwaltungen die jeweiligen Abrechnungen vorgenommen haben, könnte es laut VDV bis zum Wintersemester dauern.

Bindet man sich mit dem Kauf eines 9-Euro-Tickets an ein Abo über den 31. August hinaus?

Nein. Das 9-Euro-Ticket verfällt mit Monatsablauf und wird nicht automatisch verlängert. Bei bereits bestehenden Abos gelten ab dem 1. September dann wieder die gewohnten Konditionen.

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Verlieren Abonnentinnen und Abonnenten durch das 9-Euro-Ticket bestimmte Vorteile?

Vorzüge bestimmter Abo-Modelle, wie etwa die Fahrradmitnahme oder 1.-Klasse-Berechtigungen, bleiben prinzipiell auch mit dem 9-Euro-Ticket bestehen. Allerdings gelten sie dann nicht bundesweit, sondern weiterhin nur im gewohnten Geltungsbereich. Auch hier sind allerdings Abweichungen bei einzelnen Verkehrsunternehmen möglich.

Brauchen Kinder auch ein 9-Euro-Ticket?

Laut Deutscher Bahn brauchen 6- bis 14-Jährige ein eigenes 9-Euro-Ticket oder einen anderen Fahrschein; die kostenfreie Mitnahme ist beim 9-Euro-Ticket ausgeschlossen. Kinder unter sechs Jahren reisen generell kostenfrei.

Kann ich zum 9-Euro-Ticket mit Aufschlag die Erste Klasse hinzubuchen?

Nein, das ist nicht möglich. Je nach Verbund haben jedoch Abonnenten die Möglichkeit, über einen Zuschlag in die erste Klasse zu wechseln.

Kann man Plätze reservieren?

Nein. Reservierungsmöglichkeiten gibt es in der Regel nur im Fernverkehr. Das 9-Euro-Ticket gilt im Nahverkehr.

Braucht man für den Familienhund ein eigenes Ticket?

Das 9-Euro-Ticket gilt nur für seinen Inhaber. Ob darüber hinaus für Hunde bezahlt werden muss, hängt vom jeweiligen Tarif des örtlichen Verkehrsverbunds ab. Der eine stellt die Hundemitnahme frei, der andere verlangt einen zusätzlichen Fahrschein für den Vierbeiner. (dpa/cwa)