Corona-Konzept in Berlin kostete 20 Millionen!

Endlich geht's wieder rund auf der größten Bühne der Welt

Arise
"Arise" feiert Weltpremiere © Friedrichstadtpalast Berlin

Durchatmen im Friedrichstadtpalast

Über 20 Millionen Euro hat die neue Lüftungsanlage gekostet, sie soll eine der modernsten der Welt sein. Und sie ermöglicht, dass nach 1,5 Jahren im Berliner Friedrichstadtpalast wieder ein Stück aufgeführt wird. Am Mittwoch feiert „Arise“ die Weltpremiere.

Luft wird acht Mal pro Stunde ausgetauscht

Einen Vorgeschmack haben die Tänzerinnen schon bekommen. Seit einigen Wochen laufen die sogenannten Previews. Das sind Shows vor der Premiere, die vor Publikum stattfinden, bei denen aber am letzten Feinschliff noch gefeilt wird. Doch für Tänzerin Sofia Moini waren schon diese Aufführungen so, als wäre sie aus dem Tiefschlaf erwacht: „Als wir dann wieder auf der Bühne waren und Shows gestartet haben mit Publikum, da waren der ganze Aufführungseffekt und das Adrenalin wieder da, das fühlt sich nochmal mal ganz anders an. Ich wusste gar nicht, wie sehr ich das vermisst hatte.“

Es ist nicht irgendeine Bühne. Mit 2854qm bespielbarer Gesamtfläche besitzt der Friedrichstadtpalast in Berlin die größte Theaterbühne der Welt. 2.000 Menschen passen in den Saal. Schon bei der Errichtung verbauten die Konstrukteure ein Belüftungssystem, das Frischluft durch die Rückenlehnen bläst. Zum Glück, erklärt Ballettdirektorin Alexandra Georgieva: „Das hat es jetzt ermöglicht diese Hochleistungsluftanlage zu bauen, die wechselt die Luft nach oben acht Mal pro Stunde, was großartig ist und permanent neue frische Luft erzeugt.“ Über 20 Millionen Euro hat das gekostet. Der Veranstalter spricht von Open Air, nur mit Dach drauf.

Große Belastung für die Tänzer

Sofia Moini
Tänzerin Sofia Moini © RTL

Erstmal wird der Saal aber nur zu zwei Dritteln gefüllt sein. Das liegt aber vor allem daran, dass es nicht genug Personal gibt, um die zeitaufwändigen 3G-Kontrollen durchzuführen. Trotzdem ist die Erleichterung groß: „Das ist natürlich eine großartige Geschichte. Das Haus fühlt sich richtig voll an und das ist sehr wichtig für uns“, sagt Alexandra Georgieva.

Auch für die die Tänzerinnen und Tänzer, deren Leben nicht viel anders aussieht, als bei Profi-Sportlern. Deshalb war die lange Pause für Sofia Moini psychisch und körperlich eine Belastung: „Ich bin dann auch täglich joggen gegangen, aber es ist nicht das Gleiche, es ist nicht die gleiche Leistung wie stundenlang zu trainieren und zu tanzen. Ich konnte auf das Fitnesslevel, auf das wir hier jeden Tag kommen müssen, konnte ich gar nicht kommen.“

Inzwischen ist die Fitness wieder da. Und das ist gut so, bei aktuell 6 Vorstellungen pro Woche. Ein Jahr lang soll „Arise“ im Friedrichstadtpalast laufen. Das Stück erzählt die Geschichte des Fotographen Cameron, der seine Muse verliert und damit auch die Quelle seiner Inspiration. Eine treffende Parallele für viele Künstler in der Pandemie, aber nur Zufall: Denn geplant war das Stück schon vor Corona. (mch)