Belästigungs-Bingo: Verlieren wäre hier schöner

Frau wird im Café von drei Männern belästigt
Beim "Belästigungs-Bingo" auf Instagram dürfte fast jede Frau mehr ankreuzen, als ihr lieb ist. (Symbolbild) © iStockphoto

Übergriffe zum Ankreuzen

Verletzende Kommentare, belästigende Gesten oder handfeste Übergriffe: All das ist für Frauen allgegenwärtig – und leider nicht erst, seit Joko&Klaas aufmerksamkeitsstark mit ihrer Aktion #Männerwelten auf das Problem aufmerksam machten. Eine Aktion auf Instagram soll jetzt dafür sorgen, dass es nicht so schnell wieder in Vergessenheit gerät: Im „Sexismus und Belästigungs-Bingo“ des Accounts „NeverNot“ sollen Frauen ankreuzen, was sie im Umgang mit Männern bereits erleben mussten – ein Spiel, bei dem wohl fast jede gute Chancen auf einen Gewinn hat, aber eigentlich lieber verlieren würde.

Das Ziel: Über sexuelle Belästigung sprechen - auch ohne TV-Stars

Um am Bingo teilzunehmen, ruft „NeverNot“ – eine Seite, die Frauen in ihrer Sexualität stärken will – dazu auf, einen Screenshot der Vorlage zu machen und zutreffende Aussagen anzukreuzen. Anschließend sollen sie das Bingo unter den Hashtags #nichtsverstanden und #belästigungsbingo in der eigenen Instagram-Story teilen und dort auch die leere Vorlage einstellen, damit andere ebenfalls teilnehmen können.

Das Ziel ist klar: „bildlich darzustellen, wie normal Sexismus und Belästigung im Alltag sind und wie viele Menschen davon betroffen sind“, erklären die MacherInnen. „Obwohl viele Menschen sich täglich und seit langem dafür einsetzen, braucht es erst Fernsehpräsenz, um in aller Munde zu sein. Die, die sich sonst für das Thema Belästigung, Diskriminierung und Feminismus einsetzen, werden hingegen nur wenig gehört. Deshalb ist uns die Idee mit dem Bingo gekommen.“

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#NichtsVerstanden #Belästigungsbingo 👍ACHTUNG: letzte Woche sind wir auf diese Idee gekommen durch ANDREA, die anonym bleiben möchte!👍 also alle Props in erster Linie an sie! Liebe Ladies, wie ihr bereits wisst, gehen wir mit Sexualität offen um! Haben Spaß an ihr und mit ihr, teilen das mit Euch auf Instagram. Aber so leicht, wie es auf @nevernot_official aussieht ist es im Jahr 2020 leider noch nicht. In den vergangenen Tagen hat das Thema durch das Video von @jokoundklaas eine besondere Aufmerksamkeit bekommen. Obwohl viele Menschen sich täglich und seit langem dafür einsetzen, braucht es erst Fernsehpräsenz um in aller Munde zu sein. Die, die sich sonst für das Thema #Belästigung, #Diskriminierung und #Feminismus einsetzen werden hingegen nur wenig gehört. Deshalb ist uns die Idee mit dem Bingo gekommen. Es ist schockierend, was auch uns davon bereits schon zugestoßen ist. Wir wollen durch die Auswahl unserer "BINGO-Antworten“ keine Menschen oder Vorfälle, die NICHT aufgezählt worden sind, vergessen. Uns ist bewusst, dass auch andere Gruppen von diesen Themen betroffen sind, dass die 15 Bingofelder nur ein klitzekleiner Ausschnitt der Realität bedeuten. Ziel des BINGOs ist es bildlich darzustellen wie normal Sexismus und Belästigung im Alltag sind und wieviele Menschen davon betroffen sind. Ihr findet die Anleitung auch nochmal in unserer Story und den Highlights. Teilt das #BINGO in Eurer Story oder schickt es an uns via PM zurück um gemeinsam #Aufmerksamkeit zu generieren. Gerade #Männer sind dazu aufgefordert es zu teilen, auch wenn nicht alle so sind, sollten ALLE drauf aufmerksam machen. ‼️‼️ES HANDELT SICH HIERBEI NICHT UM EINE GAMIFIZIERUNG VON SEXUELLEN ÜBERGRIFFEN‼️‼️Wir nehmen das Thema absolut ernst und wollen gemeinsam mit Euch darauf aufmerksam machen. 🆘Solltet Ihr oder Euer Umfeld (sexuelle) Gewalt erfahren, gibt es die #Notfallnummer der #Bundesregierung 0800-225553🆘 • • • • #sexuellegewalt #ALLEFRAUEN #ÖFFENTLICHKEIT #AUFMERKSAMKEIT #alltagssexismus #victimblaming #mansplaining #gleichberechtigung #gleichberechtigungfüralle

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„Ich wurde als Schlampe bezeichnet“

Und ernst genug sind die Auswahlmöglichkeiten des Spiels, das keins ist: „Mir wurde auf der Straße hinterhergerufen oder gepfiffen“, „Mein NEIN wurde nicht ernst genommen“, „Ich wurde von mindestens einem Mann als Schlampe, Hure oder Bitch bezeichnet“ oder „Ich wurde körperlich von einem Mann angegriffen“ sind nur einige davon. „Es ist schockierend, was davon bereits auch uns zugestoßen ist“, so das Team von „NeverNot“. Es betont, dass keine Menschen, Situationen oder Vorfälle vergessen werden, auch wenn sie nicht aufgezählt sind: „Uns ist bewusst, dass auch andere Gruppen von diesen Themen betroffen sind, dass die 15 Bingofelder nur ein klitzekleiner Ausschnitt der Realität bedeuten.“

Die MacherInnen stellen klar, dass sie mit dem Bingo nichts verharmlosen wollen: „Es handelt sich hierbei nicht um eine Gamifizierung von sexuellen Übergriffen‼️‼️ Wir nehmen das Thema absolut ernst.“ Gerade Männer sollen das Belästigungsbingo teilen, fordern sie außerdem. „Auch wenn nicht alle so sind sollten alle darauf aufmerksam machen.“

Auch unsere Redakteurin Carolin Chytrek ist der Meinung: „Jede Frau, die behauptet, noch nie Belästigung am eigenen Leib oder im direkten Umfeld erfahren zu haben, lügt.“ Was sie von uns allen jetzt fordert, können Sie in ihrem Kommentar nachlesen: „Wir müssen reden!“