Bringt der Winter Kälte und Schnee?

Bauernregeln für den Winter: Das sagen die Volksweisheiten über die kalte Jahreszeit

Von Henning Liss

Bauernregeln sind praktisch: Sie brauchen keine Wettersatelliten, Supercomputer oder das Internet. Sie stützen sich einfach auf Erfahrungswerte und Beobachtungen. Welche Vorhersagen lassen sich daraus für den bevorstehenden Winter ableiten?

Traditionelles Wetterwissen gegen HiTech-Vorhersagen

Wir behaupten natürlich ausdrücklich nicht, dass diese Bauernregeln unumstößliche Wahrheiten sind! Um die Zuverlässigkeit einer Bauernregel zu überprüfen, müsste man außerdem wissen, in welcher Region sie entstanden ist. Allerdings sind computergestützte Prognosen für längere Zeiträume (wie bei einer Jahreszeiten-Vorhersage) nicht unbedingt verlässlicher als das Bauchgefühl, stumpfes Raten oder eben Bauernregeln. Von daher lassen wir es auf einen Versuch ankommen.

Sind an Jakobi die Tage warm, gibt's im Winter viel Kält' und Harm

Der vielleicht früheste Stichtag für eine Winterprognose ist der Tag des heiligen Jakobus am 25. Juli: Jakobi ohne Regen deutet auf strengen Winter.

In diesem Jahr war der 25. Juli zwar normal warm, aber es ist zum Teil im Süd- und Nordosten richtig viel Regen gefallen.

Demnach deutet dieses Regel in diesem Jahr auf einen nicht so harten Winter hin, auch wenn es einige Bereiche ohne Niederschlag gab.

Wenn's heiß an Dominikus, ein strenger Winter folgen muss

Nach den Bauernregeln gilt auch das Wetter am 4. August als Indikator für den Winter. Dies war der Tag des heiligen Dominikus (inzwischen wurde der Tag auf den 8. August verschoben), der bei Hitze auf einen strengen Winter hindeutet.

Anfang August ist oft die heißeste Zeit des Jahres in Deutschland. Und in diesem Jahr ist der Zeitraum zumindest am Anfang mit extremer Hitze aufgefallen. An mehreren Stationen wurden über 39 Grad gemessen. Am 8. August lagen die Spitzentemperaturen im Südwesten bei über 30 Grad. Der größte Teil Deutschlands hatte Tageshöchstwerte zwischen 25 bis 30 Grad.

Eine andere Variante dieser Regel lautet: Ist’s in der ersten Augustwoche heiß, bleibt der Winter lange weiß.

Die Auslegung dieser Bauernregeln könnte also auf einen harten Winter in Deutschland hinweisen.

Zwischenstand: Harter Winter gegen Winter light 1:1!

Wie der August war, wird der künftige Februar

Diese Bauernregel ist sogar statistisch belegt: Wie der August war, wird der künftige Februar.

Mit Hilfe von statistischen Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass nach einem heißen August tatsächlich in drei von vier Fällen ein milder Februar zu erwarten ist.

Und dieses Jahr war der August fast vier Grad zu warm, somit wird zumindest der letzte Wintermonat wohl zu warm ausfallen. Auch wenn das kein kompletter Winterzeitraum ist, geht der Punkt bei dieser Regel einfach an den zu milden Winter.

Zwischenstand: Harter Winter gegen Winter light 1:2!

Tritt Matthäus stürmisch ein, wird's bis Ostern Winter sein

Der St. Matthäus-Tag ist am 21. September. In diesem Jahr war von Sturm nichts zu spüren. Nur auf dem Feldberg im Schwarzwald wurden Windgeschwindigkeiten von mehr als 50 km/h gemessen. „Stürmisch“ ist laut Definition aber erst ab Windgeschwindigkeiten von 62 km/h.

Ein langer Winter lässt sich hiermit nicht vorhersagen.

Zwischenstand: Harter Winter gegen Winter light 1:3!

Regnet's am Michaelistag, folgt milder Winter nach. Wenn aber Michael der Wind kalt weht, ein harter Winter zu erwarten steht

Diese Bauernregel bezieht sich auf den 29. September. In diesem Jahr hat es besonders an der Küste und im Alpenvorland geregnet. Auf Wangerooge kamen 21,4 Liter pro Quadratmeter zusammen. An den Alpen waren es meist unter 10 Liter. Dazwischen war es häufig trocken. Also, gar nicht eindeutig.

Der zweite Teil der Regel ist ebenfalls nicht eindeutig zu beantworten. Es war nämlich recht frisch mit Höchstwerten meist zwischen 8 und 16 Grad. Der Wind wehte mit 66 km/h nur auf der Zugspitze stürmisch. Ansonsten war es eher schwachwindig.

Aufgrund keiner Eindeutigkeit bekommen hier beide Richtungen einen Punkt. Somit ist der Zwischenstand: Harter Winter gegen Winter light 2:4!

Wenn im September die Spinnen kriechen, sie einen harten Winter riechen

Im Herbst sind immer wieder Spinnen ein Thema. Auch dazu gibt es eine Bauernregel, die besagt, dass viele Spinnen im September einen strengen Winter ankündigen. Wie die Spinnen-Situation insgesamt in diesem Jahr Deutschland war, können wir nicht nachvollziehen. Wie war es denn bei Ihnen zu Hause? Ist Ihnen was aufgefallen?

Bei unseren persönlichen Einschätzungen in der Redaktion reichen wir von Massenansammlungen bis zu vereinzelt verirrte Exemplare. Also auch hier keine eindeutige Zuteilung – beide Richtungen bekommen einen Punkt.

Neuer Zwischenstand: Harter Winter gegen Winter light 3:5!

Ist es um Martini trüb, wird der Winter lind und lieb

Der Tag des heiligen Martin am 11. November kann den Bauernregeln zufolge einen milden Winter vorhersagen, wenn er trüb ausfällt. Wie wird es in diesem Jahr? Derzeit scheint sich um diese Zeit eine Hochdruckzone auszubreiten. Das kann natürlich mit schwachen Winden durchaus eine trübe Veranstaltung werden, aber auch mit etwas Glück einen Goldenen November bedeuten. Also, hier ist noch nichts entscheiden, beide Richtungen bekommen einen Punkt.

Neuer Zwischenstand und Endergebnis: Harter Winter gegen Winter light 4:6!

Fazit: Der Winter wird wohl eher zu mild ausfallen

Selbstverständlich bleibt bei diesen Regeln sehr viel Interpretationsspielraum. Unter dem Strich könnte man das Ergebnis so auslegen, dass die Bauernregeln in diesem Jahr wieder mal einen milden Winter vorhersagen.

Lese-Tipp: Die aktuelle Weichenstellung für den Winter beginnt

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Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann noch mehr Bauernregeln für den Winter und für das ganze Jahr studieren.

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