April macht was er will – nur anders

Drought and Green Nature
Ist der frühlingsgrüne April bald nur noch eine romantische Erinnerung? © iStockphoto, by-studio busse yankushev

Jeden Tag ein bisschen Klimawandel

Der Sommer immer öfter immer heißer, die regelmäßigen Regenfälle machen immer längere Pausen, Winter ohne jeglichen Schnee im Flachland sind nicht mehr die Ausnahme sondern werden langsam zur Regel. Der Klimawandel ist täglich spürbar.

Besonders der April tanzt aus der Reihe

Kein Monat tanzt aber so aus der Reihe und zeigt den Klimawandel deutlicher als der April. Erinnern Sie sich noch? Bis in die 90er Jahre hinein war der April definitionsgemäß „launisch“ – also mit raschem Wechsel aus ersten warmen Frühlingstagen, dicht gefolgt von heftigen Kaltlufteinbrüchen mit Schneeregen und Graupelschauern bis ins Flachland. Regelmäßig gab es Schneedecken zumindest im Bergland und am Alpenrand zu vermelden. Und natürlich gab es immer wieder auch Nachtfröste.

Und auch auffällig: vor allem nach milden, schneearmen Wintern, kam das dicke Ende oft noch im April (z.B. in den 70er Jahren) – denken wir nur an die Wetterregel: grünen Weihnachten folgen oft weiße Ostern.

Schnee liegt am Samstag (31.03.2012) auf Primeln in einem Garten im brandenburgischen Sieversdorf (Oder-Spree). Das freundliche Frühlingswetter hat sich aus Deutschland verabschiedet. Für die kommenden Tage sagen die Meteorologen eher kühl und unbest
Zwischen Sonne und Schnee hatte der April alles zu bieten. © dpa, Patrick Pleul

Frühlingsmonat seit fast 20 Jahren zu warm oder zu trocken

Der letzte, ganz leicht zu kühle April liegt inzwischen fast 20 Jahre zurück (2002 mit -0,3 Grad), der letzte zu nasse April datiert aus dem Jahre 2008. Seither sehen wir eine unglaubliche Häufung von viel zu warmen und viel zu trockenen Aprilmonaten, die – anders als früher – ungewöhnlich stabile Hochdrucklagen über weite Teile Europas bringen.

RTL-Chef-Meteorologe Christian Häckl: "Die Frontalzone, die uns sonst gerne mit feuchtkalten Nordwest bis Nordwinden versorgt, liegt irgendwo zwischen 1000 bis 2000 Kilometer weiter nördlich und weigert sich beharrlich auch nur ansatzweise nach Europa vorzudringen."

Die erschreckende Bilanz seit 2003

ARCHIV - 25.04.2019, Niedersachsen, Laatzen: Auf einem sehr trockenen Feld in der Region Hannover sind Risse im Boden zu sehen. (zu dpa:
Die unangenehmen Fakten spüren nicht die Biergartenbesitzer und Eisverkäufer, sondern ganz besonders die Vegetation. © dpa, Julian Stratenschulte, jst lop jol

  • Der April liegt im Zeitraum 2003-2019 um mehr als 2 Grad über dem alten Mittel (1961-1990)
  • Davon in vier Jahren (‪07/09/11/18‬) 4 Grad und mehr über dem Normalwert (2014 immerhin 3,5 Grad)
  • Der durchschnittliche Niederschlag erreicht im Zeitraum 2003-2019 nur noch 70 Prozent der normalen Menge
  • Davon in vier Jahren weniger als 50 Prozent.‬

Die Menschen genießen, das Klima leidet

ARCHIV - Ein Mann und eine Frau liegen am 22.04.2011 in München (Oberbayern) im Englischen Garten auf einer Wiese mit blühendem Löwenzahn in der Sonne. Warm, sonnig und viel zu trocken - am Wochenende geht der zweitwärmste April seit 1881 zu Ende. Nu
Der April 2007 war der trockenste, sonnigste und wärmste April seit 1901. Am 25. des Monats gab es 30,2 Grad in Kalkar am Rhein. © dpa, Tobias Hase

Klima wie am Rande der Wüste

Völlig aus dem Rahmen fällt der April 2007, der 4,5 Grad zu warm war und im Deutschlandmittel nur 6!!! Prozent der üblichen Regenmenge brachte – Karlsruhe schaffte ‪in 30 Tagen‬ keinen messbaren Niederschlag. Und das bei einer Mitteltemperatur von 15 Grad. Das ist ein Klima, das es sonst in diesem Monat weltweit nur in den Anden auf rund 2.000 Metern Höhe am Rande der Wüsten gibt.

2020 könnte wieder ein Dürrejahr werden

26.07.2019, Thüringen, Kromsdorf: Ein Feld brennt lichterloh bei Kromsdorf (Landkreis Weimarer Land). Die Feuerwehr konnte ein Übergreifen des Feuers auf benachbarte Häuser verhindern. Foto: Johannes Krey/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
2019 war das ein häufiger Anblick: Hier brennt in Kromsdorf in Thüringen ein ganzes Feld. Die Trockenheit sorgt immer wieder für hohe Brandgefahr. © dpa, Johannes Krey, wst

Und beim Blick auf die mittelfristigen Wetterkarten (Hier geht es zum 30-Tage-Trend) ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich auch der April 2020 nahtlos in diese Serie außergewöhnlicher Aprilmonate einreiht.

Eine erste vorsichtige Prognose zeigt keinen nennenswerten Niederschlag bis etwa ‪20. April‬. Die Schauer über Ostern werden in der Fläche keine 5mm erreichen – die Temperaturabweichung könnte bis dahin bei rund 3 Grad liegen.

Christian Häckl sagt dazu: "Wenn der Mai nicht zumindest die vollen 100 Prozent an Niederschlag bringt, wird ein weiteres Dürrejahr, zumindest vegetationsmäßig, immer wahrscheinlicher – denn Regen, der erst im Juni oder Juli fällt, hilft der Vegetation dann oft nicht mehr…"

Mehr Informationen zum Thema Trockenheit finden Sie in der Dokumentation Wüstenstaat.