Anhaltende Trockenheit in Deutschland: Wasser in Talsperren wird knapp

Wasserabgabe an Talsperren reduziert
Wasserabgabe an Talsperren reduziert Gibt es bald ein Wasserproblem? 01:37

Erste Maßnahmen: Wasserabgabe von Talsperren wegen Trockenheit reduziert

Wegen der anhaltenden Trockenheit hat der Ruhrverband die Wasserabgabe seiner Talsperren in die Ruhr reduziert. Die Wasserspeicher im Sauerland geben nun rund ein Viertel weniger Wasser pro Sekunde in den Trinkwasserfluss als vorher, wie der Wasserwirtschaftsverband am Dienstag mitteilte. Der Wasserstand in der Biggetalsperre liegt derzeit fast 16 Meter unterhalb des sogenannten Vollstaus. Ein Sprecher sprach von einer "angespannten Situation“.

Über das Talsperrensystem der Ruhr werden mehr als 4,6 Millionen Menschen im Ruhrgebiet mit Trinkwasser versorgt. Der Füllstand aller Talsperren lag am Dienstag nur noch bei gut 47 Prozent des sogenannten Vollstaus - Tendenz fallend. Einen niedrigeren Füllstand hat es seit 1968 bislang nur 1976 gegeben.

Möhnetalsperre kann noch bis Weihnachten Wasser abgeben

Für die Möhnetalsperre sieht es besonders schlimm aus. Deren Füllstand ist jetzt schon bei 37 Prozent angekommen. Bleiben die Zuflüsse (1,7 qm/s) und Abflüsse (8 qm/s) konstant, so kann diese Talsperre noch 55 Tage (also rund bis Weihnachten) Wasser abgeben. Dann wird der kritische Wert von 25 Prozent erreicht und es müsste wahrscheinlich der Hahn zugedreht werden, um die Ökologie des Gewässers (also Wasserqualität und Fischleben) nicht zu gefährden.

Ohne Talsperren wäre Ruhr schon trocken

 "Ohne das zusätzliche Wasser aus den Talsperren wäre die Ruhr in Villigst bei Schwerte ab Juli 2018 an drei Vierteln aller Tage trockengefallen“, sagte der Sprecher weiter. Aktuell gibt es aber noch keine Einschränkungen in der Wasserversorgung, betonte er.

Auch im Harz, in Hessen und in anderen Gebieten Deutschlands dürfte die Situation ähnlich sein. Die kleine Diemeltalsperre in Hessen ist bereits kurz vor dem Austrocknen und hat den kritischen Wert von 25 Prozent schon weit unterschritten.

Lebensgefahr für Spaziergänger

ARCHIV - 25.09.2018, Hessen, Edertal: Das Mini-Sperrmauermodell ist aus den zurückgehenden Fluten des Edersees aufgetaucht. Das Modell ist vor 100 Jahren parallel zum Bau der echten Edertalsperre entstanden. In dem Stausee befinden sich die Ruinen ve
Auch der Edersee hat schon sehr viel Wasser gelassen und einige Sachen frei gelegt. © dpa, Uwe Zucchi, cch kno sis nic

Viele Spaziergänger sind in den letzten Wochen auf den trockengefallenen Bereichen der Flüsse und Seen zu sehen. Doch das ist sehr gefährlich! Der Ruhrverband hatte bereits vor gut zwei Wochen vor dem Betreten dieser Bereiche gewarnt und von "lebensgefährlichem Leichtsinn“ gesprochen: Der Untergrund ist nicht überall tragfähig. "Es besteht die Gefahr, einzusinken und sich nicht mehr selbst befreien zu können“, so der Verband.

Wetter sorgt nur kurzzeitig für Linderung

Das insgesamt viel zu warme Herbstwetter bleibt uns weiter erhalten. Nennenswerter Regen fällt am Wochenende vor allem in der Westhälfte, der Südosten geht wahrscheinlich völlig leer aus. Und für die nächste Woche deutet sich ein neuer Vorstoß trockener und sehr warmer Luft an. Flächendeckender Regen über mehrere Tage ist einfach nicht in Sicht. Die Lage scheint sich also nur kurz zu entspannen.

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