Anhaltende Dürre gefährdet unsere Energieversorgung und den Nahrungsmittelanbau

Kartoffeln, Weizen & Mais bekommen ernste Probleme
Kartoffeln, Weizen & Mais bekommen ernste Probleme Dürrereport 01:36

Kartoffeln, Weizen und Mais bekommen ernste Probleme

Wir stecken mitten im Klimawandel - und so langsam spüren wir die Folgen. Immer häufiger müssen wir uns mit längeren Dürren auseinandersetzen. Und die haben fatale Konsequenzen. Unsere Energieversorgung ist genauso gefährdet wie der Nahrungsmittelanbau. Dies geht aus dem neuen Dürre-Report hervor, den die Umweltstiftung WWF veröffentlichte.

Wasserkrise kann uns bald erfassen - Dürren zerstören Ökosysteme

Die Umweltstiftung warnt in ihrem Dürre-Report vor einer Wasserkrise und fordert eine bessere Wasserpolitik. "Dürren zerstören wichtige Ökosysteme und gefährden die Ernährungssicherheit. Sie befeuern soziale Unruhen und soziale Konflikte", betonte WWF-Süßwasserexperte Philipp Wagnitz am Donnerstag. Wetterextreme wie Dürren würden durch die Erderhitzung immer wahrscheinlicher. Sie gefährden laut WWF nicht nur den Anbau von Grundnahrungsmitteln wie Kartoffeln, Weizen und Mais, sondern auch die stark vom Wasser abhängige Energieversorgung. Fast die Hälfte der weltweiten Wärmekraft werde in Gebieten mit hohem Dürrerisiko produziert.

In Deutschland seien vor allem Kraftwerke in Brandenburg von einem hohen Dürrerisiko betroffen. Als Beispiele nannte der WWF die Kohlekraftwerke Jänschwalde, Boxberg, Schwarze Pumpe und das Heizkraftwerk Cottbus sowie das Wasserkraftwerk Altheim und das Gaswerk Kirchmöser. Kraftwerke brauchen Wasser unter anderem zur Kühlung. "Ist der Wasserstand zu niedrig oder das Kühlwasser zu warm, kann es passieren, dass Kraftwerke ihre Leistung reduzieren oder abgestellt werden", sagte WWF-Mitarbeiterin Juliane Vatter. "Weltweit ist der Bau neuer Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke angesichts der Dürrekrise aberwitzig", betonte Wagnitz. 

Wahrscheinlichkeit für Konflikte steigt

ARCHIV - 12.08.2019, Brandenburg, Peitz: Wildgänse fliegen in Richtung der dampfenden Kühltürme des Braunkohlekraftwerkes Jänschwalde der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG). Die Umweltstiftung WWF warnt in ihrem Dürrereport vor einer Wasserkrise und f
Kraftwerke brauchen Wasser zur Kühlung. © dpa, Patrick Pleul, ppl cul fgj

Selbst wenn die Sommer in den kommenden Jahrzehnten genauso viel Niederschlag wie im Schnitt der letzten Jahrzehnte bringen, gehen wir in ein Defizit. Denn die Sommer werden wärmer und damit steigt auch die Verdunstung. Wir können also das bestehende Niederschlagsdefizit nur schwer ausgleichen.  

Laut WWF-Report liegt der Anbau von Grundnahrungsmitteln wie Weizen, Mais und Reis bereits heute zu 22 Prozent in Gebieten mit hohem bis sehr hohem Dürrerisiko. "Dürren bedrohen die Lebensgrundlage von Millionen von Landwirten weltweit und zunehmend auch in Deutschland", sagte Wagnitz. Für wasserintensive Wirtschaftszweige wie Landwirtschaft, Bergbau oder Energie müsse der nachhaltige Umgang mit Süßwasserressourcen in Risikogebieten verpflichtend sein. 

Auch die Wahrscheinlichkeit von regionalen Konflikten um knappe Wasserressourcen steige mit dem Dürrerisiko. In politisch instabilen Ländern wie Syrien, Libanon und Palästina verstärkten Dürren bereits jetzt bestehende Krisen. In Europa habe die Türkei, insbesondere in der Grenzregion zu Griechenland und Bulgarien, ein hohes Risiko für wasserbasierte Konflikte und Krisen, warnt der WWF. Selbst in nordeuropäischen Staaten würden sich heute Engpässe in der Süßwasserzufuhr abzeichnen. 

Süßwasserexperte spricht von "fataler Dürrespirale"

Unter den südeuropäischen Städten seien derzeit unter anderem Madrid und Lissabon einem hohen Dürrerisiko ausgesetzt. "Andere Städte wie Rom, Neapel, Athen und München könnten in wenigen Jahren beim Dürrerisiko nachziehen", so Wagnitz. "Die Staatengemeinschaft muss ihre Klimabeiträge deutlich erhöhen, um die Erderhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen - sonst setzt sich die fatale Dürrespirale weltweit fort", fordert der WWF-Süßwasserexperte.