"Zu jung für Krebs"

Ärzte untersuchen Fran (27) zu spät - mit tragischen Folgen

Frau im Krankenbett
"Zu jung für Krebs" - das haben Ärzte monatelang zu Fran aus London gesagt, doch dann kommt die erschreckende Diagnose.

Die damals 25-jährige Fran Witfield aus London entdeckt einen Knoten in ihrer Brust. Über Monate ignorieren Ärzte ihre Beschwerden und verwehren ihr einen Scan – sie sei zu jung für Krebs. Nach 18 Monaten dann der Schock: Es ist Brustkrebs im vierten Stadium. Außerdem entdecken die Ärzte einen Tumor hinter ihrem rechten Auge und an der Leber. Wie konnte es so weit kommen?

„Ich fühlte mich wie betäubt, aber ich war nicht bereit aufzugeben"

Fran wird immer wieder gesagt, dass der Knoten in ihrer Brust hormonell bedingt sei. Ein Scan wird ihr aufgrund ihres Alters nicht angeboten – sie sei „zu jung für Krebs“. „Ein Jahr später war aus dem Knoten ein Grübchen geworden, und ich wusste, dass das kein gutes Zeichen ist“, erzählt Fran. Nach insgesamt anderthalb Jahren entschließt sich die Personal Trainerin dann im Juli 2020, aus eigener Tasche einen Krebsspezialisten zu bezahlen. Er stellt schließlich die erschreckende Diagnose: Brustkrebs im vierten Stadium und Tumore hinter dem rechten Auge und an der Leber. Ihre Lebenserwartung wird zu dem Zeitpunkt auf ungefähr zwei Jahre geschätzt. „Ich fühlte mich wie betäubt, aber ich war nicht bereit aufzugeben“, so Fran.

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Mentale und finanzielle Belastungsprobe

Nach der Diagnose hat Fran das Gefühl, von den Krebsspezialisten des Krankenhauses aufgegeben und betrogen worden zu sein. „Natürlich war ich wütend, weil mir gesagt wurde, dass ich keinen Scan brauche, aber ich fühle mich mehr enttäuscht, dass ich Menschen 18 Monate lang all dieses Vertrauen geschenkt habe“, sagt die 27-Jährige heute. Doch genau diese Wut und Frustration gibt ihr die Kraft weiter zu machen: „Als mir gesagt wurde, ich habe zwei Jahre Zeit, und nichts, was sie tun können, hat mich das so wütend gemacht, aber ich war körperlich und mental bereit, alles auf mich zu nehmen.“
Doch für Fran werden es schwere Zeiten. Während des andauernden Lockdowns und den verschärften Corona-Maßnahmen darf sie niemand während ihrer Therapie im Krankenhaus besuchen. Und auch finanziell wird die Erkrankung für die Familie zur Belastungsprobe. „Ich hatte eine private Krankenversicherung, aber das war nicht genug – es kostete über 20.000 Pfund.“ Ihr Vater Shawn muss seine Ersparnisse plündern, um die Therapiekosten zu decken.

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Frau nach Schädeloperation
Chemotherapien und eine Gehirnoperation: Fran muss sich einer aggressiven Krebsbehandlung unterziehen

„Vielleicht kostet ein Scan viel Geld, aber Krebs kostet ein Leben“

Nach 16 Runden aggressiver Chemotherapie und einer Gehirnoperation erhält Fran im September vergangenen Jahres endlich gute Nachrichten: Sie befindet sich in Remission. Ihre Krankheitszeichen klingen also ab. Doch ganz entspannen kann sie sich nicht: „Obwohl ich überglücklich bin, in Remission zu sein, gibt es immer noch viel Angst. Technisch gesehen bin ich immer noch in Behandlung, und die Nebenwirkungen können schrecklich sein.“
Die 27-Jährige muss eine gezielte Hormonbehandlung machen, damit sie nicht in die frühen Wechseljahre kommt.
„Ich habe zwei Jahre meines Lebens verloren – es ist schwierig, einfach zur Normalität zurückzukehren.“ Jetzt widmet sich Fran einem Ziel: Sie möchte andere Frauen ermutigen, bei Bedenken ihre Ärzte zu konfrontieren und notwendige Untersuchungen mit mehr Nachdruck einzufordern. Sie sagt: „Vielleicht kostet ein Scan viel Geld, aber Krebs kostet ein Leben.“ (npa)