Die Grüne Lunge kann nicht mehr

Amazonas stößt mehr Treibhausgase aus, als er speichert

Regenwald am Amazonas: Neue Studie zu Treibhausgasen
Der Amazonas-Regenwald, bzw. seine Überreste, trägt nun höchstwahrscheinlich zur Erwärmung des Planeten bei. © Getty Images/iStockphoto, Ramdan_Nain

Der größte Regenwald der Welt verliert seine Fähigkeiten

Bislang kannte man den Amazonas-Regenwald als die Grüne Lunge der Welt. Das ist jetzt ein Stückweit vorbei – so eine Gruppe von Forschern, die sich umfassend mit den Daten beschäftigt hat.

So eine komplexe Studie gab es noch nie

Die Aussage, dass der größte Regenwald der Welt – bzw. seine Überreste – mehr Treibhausgase ausstoßen könnte, als er absorbiert, ist eine Sensation. Denn bislang wurden zwar viele Daten erhoben, jedoch immer nur einzeln gemessen und veröffentlicht. Es ist so komplex, dass es bislang keine zusammenfassende Studie gab, die klar sagen konnte, was der Regenwald im Amazonasgebiet ausstößt und was er auffängt. Eine Gruppe von 30 Forschern hat sich nun zusammengetan und eine beispiellose Analyse vorgelegt.

Das Forscherteam wurde von der „National Geographic Society“ unterstützt und die Ergebnisse in „Frontiers in Forests and Global Change“ veröffentlicht.

Es geht um steigende Temperaturen, Trockenheit und Abholzung der Wälder, die es dem größten Regenwald der Welt schwer machen, Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu absorbieren und auszugleichen. Doch es ist eben nicht nur CO2, das den Regenwald von einer grünen zur schwarzen Lunge werden lassen könnte.

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Es regnet heftiger oder überhaupt nicht

In den letzten Jahren hat sich der Regenwald dramatisch verändert. Auch das Klima in der Amazonasregion ist davon massiv betroffen. Regenfälle gibt es jetzt häufiger und heftiger, so dass immer wieder Rekordüberschwemmungen ausgelöst werden. Genauso treten Dürreperioden häufiger auf und dauern teils länger.

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Das muss der Regenwald alles aushalten

  • Die Feuchtgebiete trocknen aus, Abholzung fördert die Bodenverdichtung – beides kann die Emissionen von Distickstoffmonoxid (Lachgas) erhöhen.
  • Ebenfalls durch die Abholzung von großen Baumbeständen können sich Niederschlagsmuster verändern, wodurch Wälder weiter austrocknen und aufheizen.
  • Rußpartikel, die das Sonnenlicht absorbieren, werden durch Brandrodung in die Atmosphäre geschleudert, dadurch steigen die Temperaturen.
  • Viehzucht, die einer der Hauptgründe für die Zerstörung von Regenwäldern ist, ist für die Freisetzung von Methan verantwortlich.
  • Der Bau von Dämmen und regelmäßige Überschwemmungen setzen Methan frei
  • Ganze 3,5 Prozent des weltweit freigesetzten Methans werden auf natürliche Weise von den Bäumen des Amazonas abgesondert.
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Im Jahr 2019 brannten etwa zwei Millionen Hektar, das ist eine Fläche etwa so groß wie Sachsen-Anhalt. © dpa, Victor Moriyama, flm

Wissenschaftler ziehen folgenschweren Schluss aus den Daten

In der Analyse gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die Erwärmung der Atmosphäre aus all diesen Quellen zusammengenommen nun den natürlichen Kühleffekt des Waldes zu übertreffen scheint.

Das hilft - und das MUSS getan werden im Kampf gegen die Erwärmung

„Der Schaden kann immer noch rückgängig gemacht werden.“, so der Hauptautor Kristofer Covey, Professor für Umweltstudien am Skidmore College in New York und seine Kollegen in „Nationalgeographic“.

Hilfreich dafür wäre der Stopp von Emissionen von Kohle, Öl und Erdgas um das Gleichgewicht wiederherzustellen. Ein Muss sei jedoch, dass die Abholzung des Amazonas eingedämmt wird. Genauso wichtig wären stärkere Aufforstungsbemühungen und dass weniger Staudämme gebaut werden. Wenn es mit der Abholzung in diesem Tempo weitergeht, so die Wissenschaftler, würde das die Erwärmung für die gesamte Welt mit Sicherheit verschlimmern.

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