Alptraum wird wahr: 80 Prozent des Wangerooger Strands sind weg

„Dann werden wir vielleicht gar keinen Strand mehr haben“

Es ist wahr geworden: Wangerooge hat seinen Strand verloren. Ganze 80 Prozent des Sandstrandes sind im Meer verschwunden. Die Nachwehen von Sturmtief „Sabine“ waren für die Strände der Nordseeinseln verheerend. Fünf Sturmfluten setzten Wangerooge zu. Die Befürchtung von Bürgermeister Marcel Fangohr „Dann werden wir vielleicht gar keinen Strand mehr haben.“ ist real geworden. Nun bangen die Hotelbesitzer bereits um den Tourismus, der dadurch ausbleiben könnte.

Auch auf Föhr, Sylt und Amrum verschwindet Sand

Auch andere Inseln waten betroffen. Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht sagt dazu: „Eine abschließende Bilanz für die Westküste können wir erst Ende März, am Ende der Sturmflutsaison, ziehen. Dann werden wir erörtern, welche Konsequenzen zum Schutz der Siedlungen erforderlich werden.“ Trotzdem ist schon jetzt klar, dass es auch auf den Inseln Föhr, Sylt und Amrum Sandverluste gegeben hat. Halligen könnten sich noch dazu gesellen, doch sind wegen des anhaltenden Hochwassers die Schäden dort noch nicht absehbar.

Abbruchkante von 2 bis 4 Metern

13.02.2020, Niedersachsen, Wangerooge: Ein Schild mit der Aufschrift
Nach Sturmtief „Sabine“: Wangerooges Bürgermeister Marcel Fangohr steht an der Abbruchkante des Strandes. © dpa, Patrik Stollarz, alf

Fünf Sturmfluten setzten der Nordseeküste zu. An manchen Stellen ist die Abbruchkannte am verbliebenen Wangerooger Strand bis zu vier Meter hoch. Von ehemals 50 Meter Strand sind nur noch fünf bis sieben Meter übrig, bevor eine Abbruchkante von zwei Metern Höhe beginnt. „Ich schätze, wir müssen rund 80.000 Kubikmeter Sand aufschütten", sagt Wangerooges Bürgermeister Fangohr. Der feine weiße Sand müsse vom Osten der Insel mit Lastwagen angekarrt werden. Das wären „4.000 Touren über sechs Wochen“. Im Depot lägen seiner Schätzung nach allerdings nur noch 30.000 Kubikmeter. Nicht genug. Eine Idee sei es, den Sand von den Sandbänken zu nehmen. Dafür sei allerdings eine Genehmigung des Bundes notwendig. 

Die dem Festland vorgelagerten Inseln dienen als Küstenschutz, die den Seegang und große Sturmfluten abfangen, bevor sie auf das Festland zurollen. Sie sind seit jeher ständigen Veränderungen unterworfen. Wangerooge als östlichste der ostfriesischen Inseln war schlimmer betroffen durch die fünf Sturmfluten als ihre Nachbarinseln.

Tourismusbranche auf der Insel in Gefahr

11.08.2018, Niedersachsen, Wangerooge: Badende stehen in den Wellen am Strand der Nordseeinsel. (zu dpa
Ein Bild vom Wangerooger Strand im Sommer 2018: Wangerooge bangt um den Tourismus. © deutsche presse agentur

Bis die Touristen im Sommer kommen, muss der Strand auf der beliebten Ferieninsel wieder hergestellt sein. „So wie der Strand jetzt ist, können wir nicht mal 100 Strandkörbe hinstellen“, sagt Bürgermeister Marcel Fangohr. Eigentlich stünden am Badestrand etwa 1.400 Strandkörbe zur Hauptsaison.

Wangerooge lebt vom Tourismus: Auf die Nordseeinsel mit rund 1.300 Einwohnern kommen nach Angaben der Kurverwaltung jedes Jahr rund 140.000 Gäste. 2,3 Millionen Euro kommen durch die Kurbeiträge in die Kasse, rund 400.000 Euro fließen dann in die Wiederherstellung des Strandes. In diesem Jahr könnten es sogar bis zu 500.000 Euro werden.

Auch nordfriesische Inseln betroffen

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Auf den Steinen möchten Wangerooges Gäste sicher nicht liegen oder spazieren gehen.

In Schleswig-Holstein sind auch die nordfriesischen Inseln betroffen. Sandverluste wurden auch im Westen Föhrs und am Nordende von Amrum gemeldet. In den kommenden Tagen sollen die Schäden genauer ermittelt werden. 

Auf den Marschinseln der Halligen konnten wegen des anhaltenden Land unters noch keine Schäden ermittelt werden. Die Deiche hielten allerdings stand und es gab nur minimale Schäden an der Grasnarbe oder den steinernen Deckwerken auf Nordstrand und in Büsum.