Hoffnung vieler Klimaschützer ist dahin

Studie enthüllt: Aufforsten in Trockengebieten hilft dem Klima nicht

von Oliver Scheel

Bäume sind essenziell, wenn wir die Erderwärmung begrenzen wollen – das ist sicher. Denn Bäume binden Kohlenstoff, sie holen das Treibhausgas und damit den großen Klimakiller CO2 aus der Atmosphäre. Schätzungen gehen davon aus, dass Bäume im globalen Durchschnitt etwa 10 kg CO2 pro Jahr binden können. Bei angenommenen 3.000 Milliarden Bäumen auf der Welt kommt eine enorme Summe CO2 zusammen, die uns im Kampf gegen die Erderwärmung hilft. Doch nicht überall helfen Bäume. Eine aktuelle Studie hat nun den Hoffnungen einen herben Dämpfer verpasst, dass mt Aufforstung allein der Klimawandel gebremst werden kann.

Alle News rund um das Thema Klima und Klimakrise

Mit unseren „Klima Update“-Sendungen immer informiert sein

Aufforstung sogar kontraproduktiv

Aufforstung in Hessen
Am Winterstein (Wetteraukreis) wird eine Waldfläche für die Neuanpflanzung junger Bäume vorbereitet.

Ein israelisches Forscherteam ermittelte in einer groß angelegten Studie, dass es für den Klimaschutz nur wenig bringt, Wälder in Trockengebieten anzupflanzen. In einigen Trockengebieten – etwa in Kasachstan, China oder der Mongolei – könnte Aufforstung insgesamt sogar kontraproduktiv für den Klimaschutz sein. Der Grund: Die dunkle Oberfläche des Baumbestands reflektiert weniger Sonnenstrahlung als der hellere Boden von trockenen Gebieten. So könnten die neuen Wälder sogar einen wärmenden Effekt auf die Atmosphäre haben.

Man nennt dies den Albedo-Effekt und man kennt diesen Effekt am ehesten vom Arktis-Eis. Diese verringerte Albedo – also die verringerte Reflexion von Sonnenstrahlung – würde über zwei Drittel des kühlenden Effekts auf das Klima wieder zunichte machen. „Das liegt daran, dass die Wälder zwar Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufnehmen, sich aber stärker aufheizen, da dunkle Waldoberflächen eine geringere Albedo haben und somit mehr Licht absorbieren als helle wüstenähnliche Flächen“, erklärte Nadine Rühr vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Genau schauen, wo neue Wälder entstehen sollen

Aufzucht von Setzlingen für Aufforstung von gerodeten Flächen im Amazonas-Regenwald, Baumschule einer Kooperative von Kleinbauern, die im Rahmen der Agrarreform angesiedelt wurden, Assentamento Entre Rios, Mato Grosso, Brasilien.
Wie viele der Bäume beim Aufforsten tatsächlich überleben, ist eine Frage des Standorts und der Baumart.

Bäume zu pflanzen, bleibt aber dennoch eine sinnvolle Maßnahme: Die Forscher werben für eine kluge Aufforstungsstrategie. „Wenn Wald abgeholzt wurde, dann wissen wir, dass in dieser Region Wald natürlicherweise wachsen kann. Aus diesem Grund wäre Aufforstung von abgeholzten Wäldern sinnvoller als Aufforstung von Regionen, in denen fraglich ist, ob Wald überhaupt gedeihen kann“, sagte Martin Claußen vom Max-Planck-Institut für Meteorologie. „Deshalb führe kein Weg an einer Reduktion der CO2-Emissionen vorbei, wenn die globale Erwärmung effektiv vermindert werden soll.“

Es stehe außer Frage, dass „sorgfältig geplante Wiederaufforstungen örtlich sehr positive Effekte haben und zum Beispiel auch lokal Abkühlung bringen können“, so Rühr.

Wälder spielen eine entscheidende Rolle für die Biodiversität der Welt. Die überwiegende Mehrheit der Landarten sind in unseren Wäldern zuhause. Der Erfolg bei Aufforstungsprojekten hängt laut Rühr davon ab, die passenden Baumarten und Flächen für eine Aufforstung zu finden.

Die Studienergebnisse stellen zum Beispiel das groß angelegte Projekt „Great Green Wall“ infrage. Damit soll ein grünes Band aus Bäumen südlich der Sahara die Ausbreitung der Wüste stoppen.Doch nun ist nicht nur fraglich, ob die Bäume dort überhaupt dauerhaft überleben können, sondern auch der Nutzen für das Klima muss hinterfragt werden.

Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachjournal „Science“.

Unsere Wettertrends und Themenseiten

Sollten Sie Interesse an weiteren Wetter-, Klima- und Wissenschaftsthemen haben, sind Sie bei wetter.de bestens aufgehoben. Besonders ans Herz legenkönnen wir Ihnen auch den 7-Tage-Wettertrend mit der Wetterprognose für die kommende Woche. Dieser wird täglich aktualisiert. Falls Sie weiter in die Zukunft schauen möchten, ist der 42-Tage-Wettertrend eine Option. Dort schauen wir uns an, was auf uns in den kommenden Wochen zukommt. Vielleicht interessiert Sie eher wie sich das Klima in den vergangenen Monaten verhalten hat und wie die Prognose für das restliche Jahr aussieht. Dafür haben wir unseren Klimatrend für Deutschland.

Damit Sie auch unterwegs kein Wetter mehr verpassen, empfehlen wir unsere wetter.de-App für Apple- und Android-Geräte.

Klima-Rekorde - Ist Deutschland noch zu retten? Die Doku im Online Stream auf RTL+

(osc)