8. Juli 1927: Verheerende Flutkatastrophe im Erzgebirge

Hochwasser Erzgebirge Glashütte
So sah es in Glashütte nach der Flut 1927 aus.

Das Wasser stieg entsetzlich schnell - 160 Tote

Am 8. Juli 1927 ereignete sich im Osterzgebirge eine der verheerendsten Hochwasserkatastrophen der deutschen Vergangenheit. Dabei fielen innerhalb kürzester Zeit über 200 Liter Regen - wie konnte es zu diesen enormen Regensummen kommen?

Damals startete der Tag ruhig, neben ein paar harmlosen Wölkchen strahlte die Sonne vom Himmel. Doch schon bald wurden die Wolken mächtiger und gegen Mittag grummelte es am Himmel. Von da an nahm die Katastrophe ihren Lauf: Heftige Gewitter mit extrem starken Niederschlägen zogen aus Böhmen über den Erzgebirgskamm heran und verursachten innerhalb kürzester Zeit ein rasantes Ansteigen der Flusspegel. Die Gottleuba (Nebenfluss der Elbe) verbreiterte sich von ihren sonst üblichen drei Metern auf etwa 100 Meter. Auch die Müglitz, normalerweise ebenfalls ein ruhiges Flüsschen, wurde zum reißenden Strom (mit einem Abfluss von 330 m³/s statt den üblichen 40 m³/s).

Wolkenbrüche sorgten in weniger als einer halben Stunde für 113 Liter Regen pro Quadratmeter, innerhalb weniger Stunden fielen 226 l/qm. Weitere Daten sind nicht bekannt, da mehrere Messstationen den Regenmassen zum Opfer fielen. Wer die Hoffnung hatte, dass sich die Unwetter nachts abschwächen würden, hatte weit gefehlt: Sie setzten sich regelrecht am Erzgebirge fest und hielten bis zum nächsten Tag an.

Die traurige Bilanz: Etwa 160 Tote, Schäden über 100 Mio. Reichsmark (ca. 330 Mio. Euro) und Verluste, die sich wohl nicht in Zahlen ausdrucken lassen.

Da stellt sich die Frage: Wie kann es zu solchen extremen Wetterereignissen kommen und warum ist häufig Sachsen vom Hochwasser betroffen?

Beim Hochwasser vom 8.7.1927 lag ein Tiefdruckgebiet über Mitteleuropa, das beständig feuchte Mittelmeerluft nach Deutschland geführt hat und das (ähnlich wie Ende Mai/Anfang Juni diesen Jahres) zu den schweren Unwettern und Überflutungen führte.

Aber auch eine andere Wetterlage ist zu solchen Wetterkatastrophen in der Lage (Jahrhunderthochwasser 2002): Die sogenannte Vb (sprich: "fünf b")-Wetterlage. Dabei bildet sich im Golf von Genua ein Tiefdruckgebiet, wenn kalte Luftmassen über Westeuropa in den warmen Mittelmeerraum vordringen. Dieses Tief wird dann unter Intensivierung mit der Höhenströmung über Oberitalien hinweg in einem Bogen um die Alpenostseite herum weiter nach Norden in Richtung Tschechien und Polen geführt.

Auf der Vorderseite des Vb-Tiefs wird warme und feuchte Mittelmeerluft angesaugt und um das Tief herum geführt. Diese Mittelmeerluft gleitet dann auf die kalte Polarluft auf der Tiefrückseite auf. An der Grenze dieser beiden Luftmassen kommt es oft zur Bildung stärkerer Niederschläge. Da Sachsen bei dieser Wetterlage meist an die Westflanke des Tiefs gerät, werden die Luftmassen von Norden gegen das Erzgebirge gedrückt. Dieser "Staueffekt" und die abnehmende Zuggeschwindigkeit bis zur Stationarität des Tiefs führen dann dort oft zu langanhaltenden, kräftigen Regenfällen und kräftigen Gewittern.

Quelle: DWD