52 Inselstaaten sind vom Klimawandel existenziell bedroht

Kiribati, Malediven, Barbados, die Liste ist lang

ARCHIV - Ein Autowrack steht am 25.07.2012 auf der Insel Kiribati neben ein paar Hütten. Der Inselstaat 4000 Kilometer nördlich von Neuseeland kämpft mit Überbevölkerung, Unterentwicklung und den Folgen des Klimawandels. Foto: Christiane Oelrich/dpa (zu dpa-Korr. "Familie aus Kiribati kämpft um Asyl als Klimaflüchtlinge" vom 29.10.2013) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Auch Kiribati ist vom Untergang bedroht

Noch sind sie nicht anerkannt, die sogenannten Klimaflüchtlinge. Ein Mann aus dem bedrohten Kiribati wollte 2013 der erste Klimaflüchtling nach den Vorgaben der UN-Flüchtlingskonvention werden. Sein Asylantrag in Neuseeland wurde abgelehnt. Doch was passiert, wenn es ganze Inselstaaten wegen des steigenden Meeresspiegels bald nicht mehr gibt?

Das UN-Umweltprogramm warnte jetzt eindringlich vor besonders gravierenden Auswirkungen des Klimawandels auf die Bewohner der weltweit 52 kleinen Inselstaaten. Gründe seien die relativ kleinen Landflächen und die hohen Bevölkerungsdichten. Im Gebiet einiger Inseln steige der Meeresspiegel zudem viermal schneller als im globalen Durchschnitt, berichtet das UN-Umweltprogramm Unep in einem auf der Karibikinsel Barbados vorgelegten Report. "Diese 52 Nationen, mit rund 62 Millionen Einwohnern, sind für weniger als ein Prozent der weltweiten Treibhausemissionen verantwortlich - dennoch leiden sie unverhältnismäßig stärker am von diesen Emissionen verursachten Klimawandel", sagte Unep-Chef Achim Steiner.

Zu den Bedrohungen zählt der Report unter anderem Überflutungen, Küstenerosionen und Zerstörungen durch Extremwetter-Ereignisse. Hinzu kämen Auswirkungen auf die Fischerei. Der Meeresspiegel sei von 1993 bis 2009 im weltweiten Durchschnitt um rund drei Millimeter pro Jahr gestiegen. Im tropischen Westpazifik, wo besonders viele Inselstaaten liegen, seien es jedoch zwölf Millimeter pro Jahr gewesen. Die Folgen des Meeresspiegelanstiegs sei in diesen Ländern in mehreren Bereichen zu spüren - von der Tourismusbranche bis hin zur Landwirtschaft und der Wasserversorgung.

Durch steigende Wassertemperaturen seien weltweit zudem etwa 34 Millionen Hektar Korallenriffe innerhalb von zwei Jahrzehnten zerstört worden. Die Verluste für die Weltwirtschaft bezifferte die Studie auf 11,9 Billionen US-Dollar (8,7 Billionen Euro). Auch dies treffe insbesondere kleine Inselstaaten. Korallenriffe haben nicht nur einen hohen Fischreichtum, sondern auch eine Schutzfunktion für die dahinter liegenden Küsten.

Auch der Ausblick fällt negativ aus. Es werde erwartet, dass bis zum Jahr 2030 in Folge des Klimawandels bis zu 90 Prozent der Korallenriffe in der Karibikregion gefährdet seien. Bis 2050 könne sogar die Gesamtfläche betroffen sein. Das UN-Umweltprogramm fordert neben internationalem Klimaschutz auch stärkere Investitionen zugunsten einer "grünen Wirtschaft" in den Inselstaaten.