11.000 Wissenschaftler schlagen Alarm: Die Klimaschutz-Pläne sind unzureichend

Ziele nicht ehrgeizig genug +++ Erderhitzung wird nicht gebremst

Am Tag, nachdem die Vereinten Nationen die Benachrichtigung über den offiziellen Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen erhalten haben, schlagen 11.000 Wissenschaftler Alarm: Die Pläne der meisten Staaten reichen nicht aus, die schneller werdende Erderhitzung zu bremsen. Fast 75 Prozent der 184 Zusagen zum Einsparen von Treibhausgasen sind laut einer aktuellen Studie nicht ehrgeizig genug.

Maßnahmen reichen nicht, um katastrophale Folgen abzuwenden

 Extinction Rebellion Blockaden und Aktionen in Berlin Extinction Rebellion XR macht mit friedlichem, zivilem Ungehorsam auf den drohenden Klimakollaps und das massive Artensterben aufmerksam. Mehrere tausend Aktivisten sind dafür am 07.10.2019 in Be
Millionen Bürger fordern zum Handeln auf - die Politik zaudert noch. © imago images/Carsten Thesing, Carsten Thesing via www.imago-images.de, www.imago-images.de

"Die Zusagen sind schlicht zu wenig und zu spät", kommentierte Co-Autor Robert Watson, der bis 2002 zum Vorstand des Weltklimarats gehörte, den Bericht. "Sogar wenn alle freiwilligen Klima-Zusagen voll umgesetzt werden, erreichen sie nur die Hälfte dessen, was notwendig ist, um die Beschleunigung des Klimawandels im nächsten Jahrzehnt zu begrenzen."

Die Studie wurde nicht umsonst wenige Wochen vor der UN-Klimakonferenz COP25 in Madrid veröffentlicht. Sie ist ein neuerlicher Warnruf der Wissenschaft an die Politk. Gemessen am Ziel, den Ausstoß bis 2030 um mindestens 40 Prozent zu reduzieren, seien nur die 28 EU-Staaten gemeinsam und sieben weitere Länder auf Kurs, heißt es in der Auswertung von fünf Autoren, von denen vier auch schon für den Weltklimarat IPCC gearbeitet haben. Im Pariser Abkommen haben sich fast alle Staaten der Welt das Ziel gesetzt, die Erderhitzung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, um katastrophale Folgen wie Hitzewellen und Dürren, extreme Regenfälle und den Anstieg der Meeresspiegel zu begrenzen.

Vier Länder im Fokus, die über 50 Prozent des CO2 ausstoßen

Besonders im Fokus der Autoren stehen vier Nationen, die zusammen mehr als die Hälfte der weltweiten Treibhausgase ausstoßen: China, Indien, die USA und Russland. Das bevölkerungsreichste Land China hat einen Anteil von rund 27 Prozent - und die Emissionen von Kohlendioxid (CO2) und anderen Klimagasen dort nähmen wegen des Wirtschaftswachstums weiter zu, schreiben die Autoren des Berichts, der von der US-Organisation Universal Ecological Fund veröffentlicht wurde. Zugesagt hat Peking bisher nur, dass sie nicht im gleichen Maße zunehmen wollen wie das Bruttoinlandsprodukt. Das gelte auch für Indien, das einen Anteil von sieben Prozent am globalen Treibhausgas-Ausstoß habe.  

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Die 28 Staaten der EU haben gemeinsam einen Anteil von neun Prozent - und sind dem Bericht zufolge mit ihren Plänen auf Kurs. Bis 2030 könnte der CO2-Ausstoß 58 Prozent unter dem Wert von 1990 liegen. Die übrigen 152 Klimaschutz-Zusagen kommen von Staaten, die zusammengenommen etwa 33 Prozent der Treibhausgase ausstoßen. Allgemein gilt, dass reiche Industriestaaten und solche, die historisch betrachtet viel zum Klimawandel beigetragen haben, mehr Verantwortung übernehmen sollen. Deshalb kritisiert Entwicklungsminister Gerd Müller den Rückzug der USA: "Gerade die Industriestaaten, die hauptsächlich zum Klimawandel beitragen, haben eine besondere Verantwortung und müssen eine Vorbildfunktion einnehmen", sagte er. 

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13 Länder haben überhaupt keine Pläne eingereicht

ARCHIV - Rauch steigt am 15.12.2016 aus den Schornsteinen einer Industrieanlage in Moskau (Russland) auf. (zu dpa «Schock-Botschaft aus Bonn: Der CO2-Ausstoß steigt wieder» vom 13.11.2017) Foto: Yuri Kochetkov/EPA/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Russland - hier steigt der Rauch über Moskau auf - hat noch gar keine Klimaschutzpläne eingereicht. © dpa, Yuri Kochetkov, yk ase Dok5 jai

Neben den 28 EU-Staaten, die im Rahmen des Pariser Abkommens gemeinsam Zusagen machen, werten die Autoren noch Island, Liechtenstein, Monaco, Norwegen, Moldawien, die Schweiz und die Ukraine als Länder, deren aktuelle Zusagen zum jetzigen Zeitpunkt ausreichen. 

13 Länder haben noch gar keine offiziellen Klimaschutz-Ankündigungen eingereicht - neben Russland sind das Angola, Brunei, Iran, Irak, Kirgisistan, Libyen, Libanon, die Philippinen, Senegal, Südsudan, Türkei und Jemen. Zusammen stoßen sie neun Prozent der Treibhausgase aus.